„Beide Seen auf einmal? Dann musst du hoch auf den Zweiseenblick, und am besten, bevor der Wald die Lücke wieder zugewachsen hat.“ So ungefähr klingt die Auskunft, wenn du im Hochschwarzwald nach der Stelle fragst, an der Titisee und Schluchsee gleichzeitig vor dir liegen. In dem Satz stecken schon die zwei Wahrheiten über diesen 1292 Meter hohen Gipfel: Er hält, was sein Name verspricht. Und er hält es nicht von ganz allein.
Drei Zustiege, drei bis sechs Stunden
Der Zweiseenblick ist keiner dieser Gipfel, zu dem eine einzige ausgeschilderte Route führt. Landschaftlich sehr abwechslungsreich ist die Runde ab Feldberg-Altglashütten, Start am Parkplatz Schwarzenbach an der B 500, auf knapp 995 Metern. Knapp zehn Kilometer, rund drei Stunden reine Gehzeit: erst sanft über Wiesen ins Tal des Schwarzenbachs, dann den stetig ansteigenden Lachenrüttenweg hinauf, an der Wasserlochhütte vorbei in den Zweiseenblickweg. Zurück geht es als sanfter Abstieg über den Philosophenweg.
Steiler ist der Aufstieg vom Schluchsee. Ab Schluchsee-Aha folgst du der blauen Raute über den Kapellenkopf, bei der Wegmarke Lachenrütte wechselst du über die Hohlgasse auf den Bärhaldenweg. Die letzten Höhenmeter sind ein schmaler, von Wurzeln durchzogener Pfad, der in eine Treppenanlage direkt auf das Felsplateau mündet. Wer eine Schleife zum Windgfällweiher anhängt, kommt auf rund 14,5 Kilometer. Und der Gipfel liegt auf der östlichen Variante des Westwegs: dessen dritte Etappe führt von der Hochkopfhütte durch den Menzenschwander Talkessel herauf und weiter über das Hirschbädermoor Richtung Feldbergpass.
Plane je nach Route drei bis sechs Stunden ein. Ein Spaziergang ist das nicht. Die breiten Forst- und Waldwege der unteren Lagen sind leicht zu gehen, der Bärhaldenweg und der am Ausguck abzweigende Gamsecksteig verlangen dagegen Trittsicherheit und alpine Grundkenntnisse; nach der Wanderskala des Schweizer Alpen-Clubs liegen diese Passagen bei T2 bis T3. Festes, profiliertes Schuhwerk ist Pflicht, Wasser und etwas zu essen gehören in den Rucksack.


Titisee und Schluchsee, getrennt durch eine gepflegte Lücke
Der Name ist wörtlich zu nehmen. Vom Felsplateau aus lassen sich die beiden Seen erkennen, die für viele Gäste den Hochschwarzwald ausmachen: nach Nordosten der Titisee, nach Südosten der weit größere, langgestreckte Schluchsee. Zwei Wasserflächen, ein Standort, keine Autofahrt dazwischen.
Und jetzt das Detail, das diesen Berg von jedem beliebigen Aussichtsfelsen unterscheidet: Die Sichtachsen müssen regelmäßig freigeschnitten werden, sonst holt sich die nachwachsende Vegetation den Blick binnen weniger Jahre zurück. Was du oben siehst, ist also kein Naturzustand, sondern gepflegte Arbeit. Für dich heißt das zweierlei. Die Aussicht kann je nach Zeitpunkt großzügiger oder knapper ausfallen, und beides ist normal. Und es lohnt sich, oben nicht nach zwei Minuten wieder umzudrehen, sondern verschiedene Standpunkte auszuprobieren und zu warten, bis sich der Dunst über den Tälern hebt.
Nebengipfel der Bärhalde, und wo ein Fluss anfängt
Der Zweiseenblick steht nicht für sich allein, er ist ein Nebengipfel der 1318,7 Meter hohen Bärhalde. Der Gipfel liegt im Grenzbereich der Gemeinden Feldberg, Schluchsee und St. Blasien und gehört selbst zur Gemarkung Feldberg-Neuglashütten. Du stehst an einer Nahtstelle des Hochschwarzwalds, und das erklärt, warum dich so viele verschiedene Zustiege hierher bringen.
Unweit des Gipfels entspringt das Hirschbächlein, einer der obersten Zuflüsse der Menzenschwander Alb. Nur wenige Schritte vom Ausguck entfernt liegt außerdem das Hirschbädermoor, mit 1270 bis 1290 Metern das höchstgelegene Hochmoor Baden-Württembergs. Ein Holz-Bohlenweg führt hindurch, im Sommer 2021 von freiwilligen Helfern erneuert, damit die eiszeitliche Reliktflora keine Trittschäden abbekommt. Bleib auf den Bohlen, das ist hier kein Ordnungshinweis, sondern der Grund, warum das Moor überhaupt noch da ist.
Gut zu wissen
Anreise mit Bahn, Bus oder Auto
Mit Bahn und Bus kommst du erstaunlich weit heran. Aus Richtung Freiburg fährt die Höllentalbahn im Stundentakt bis Titisee oder Bärental, von dort bringt dich die Buslinie 7300 im Stundentakt zu den Haltestellen „Caritas-Haus, Feldberg“ oder „Altglashütten“. Wer lieber am Wasser startet, nimmt die Dreiseenbahn bis zum Bahnhof Schluchsee-Aha.
Das kostet dich als Übernachtungsgast in der Regel nichts extra. Die KONUS-Gästekarte bekommst du bei der Anmeldung von deinem Gastgeber ausgehändigt, gebunden an die ortsübliche Kurtaxe, und sie gilt für die gesamte Aufenthaltsdauer als kostenloses Ticket in der 2. Klasse in Bussen und Regionalbahnen der teilnehmenden Verbünde. Ausgenommen sind Fernverkehrszüge und spezielle Bergbahnen.
Mit dem Auto stellst du den Wagen an einem der tiefer gelegenen Wanderknotenpunkte ab, etwa am Parkplatz Schwarzenbach an der B 500 bei Altglashütten. Der Wanderparkplatz Wolfsgrund am Bahnhof Aha ist gebührenpflichtig, das Ticket ziehst du am Automaten: Kleingeld mitbringen, der Kiosk vor Ort wechselt nicht, und die Höchstparkdauer solltest du im Blick behalten.
Wetter, Winter und Ziele in der Nähe
Ein Blick auf die Wettervorhersage gehört zur Planung. Bei anhaltendem Regen und direkt danach werden die unbefestigten Wurzelpfade und die felsigen Stufen extrem rutschig, auch das angrenzende Moorgebiet verliert an Begehbarkeit. Von einer Wanderung bei diesen Bedingungen ist abzuraten. Bei massiven Schneefällen etwa ab spätem Dezember bis in den März sind die schmalen Pfade zu Fuß nicht mehr passierbar, dann geht es nur mit Schneeschuhen oder Tourenski. Akute Sperrungen, etwa durch Windbruch nach Winterstürmen, melden der Schwarzwaldverein und die örtlichen Tourist-Informationen tagesaktuell.
Der große Vorteil dieses Gipfels: Du siehst von oben, wohin du als Nächstes willst. Ein Abstieg über den Gottwinaweg führt dich direkt an die Ufer des Windgfällweiher, wo an heißen Sommertagen auch das Strandbad Windgfällweiher wartet. Auf dem Feldbergpass liegt das Haus der Natur, und wer die Höhe lieber bequem erreicht, nimmt die Feldbergbahn, deren Gondeln auch mit Rollstuhl oder Kinderwagen zugänglich sind. Einen Abstecher wert ist außerdem der Feldsee-Rundweg.
Am schönsten wird der Zweiseenblick, wenn du ihn nicht abhakst, sondern als ruhigen Vormittag einplanst. Such dir einen klaren Tag, pack Brotzeit ein, starte früh in Altglashütten oder in Aha und lauf den langen Anstieg hinauf, bis der Wald die Lücke freigibt. Zwei Seen, ein Standpunkt, keine Eintrittskarte.