Kurz hinter dem Bahnhof Himmelreich schiebt sich die Felswand ans Fenster, der Zug legt sich in die Steigung, und dann ist für zwölf bis fünfzehn Sekunden nichts mehr unter dir: Die Höllentalbahn rollt über das Ravenna-Viadukt, neun Bögen aus Granit und Beton, rund vierzig Meter über der Schlucht. Es ist die einzige beheizbare Eisenbahnbrücke Deutschlands. Bei über fünf Prozent Steigung wäre Bremsen auf vereisten Schienen lebensgefährlich, also hält eine Schienenheizung das Gleis im Winter frei. Dann schluckt der Finsterrank-Tunnel den Zug, und es wird dunkel.
Die schönste Richtung fährst du von Seebrugg hinunter nach Freiburg
Naheliegend ist der Einstieg in Freiburg und die Fahrt hinauf. Landschaftlich lohnt die Gegenrichtung mehr: Start in Seebrugg am Schluchsee, mit der Dreiseenbahn am Seeufer entlang und durchs Bärental, wo mit 967 Metern der höchstgelegene Normalspurbahnhof Deutschlands liegt. In Titisee treffen die beiden Strecken zusammen, dort geht es auf der Höllentalbahn über Hinterzarten weiter und dann hinunter durchs Höllental nach Freiburg. Wer abkürzen will, steigt erst in Titisee oder Hinterzarten ein.
Der Streckenverlauf ab Freiburg Hbf lautet Freiburg-Wiehre, Freiburg-Littenweiler, Kirchzarten, Himmelreich und Hinterzarten, bevor der Zug Titisee erreicht. Die spektakulären zwölf Kilometer liegen dazwischen und sind in jeder Fahrtrichtung dabei.
Kommst du mit dem Auto, bleibt der Wagen am besten am Urlaubsort stehen. In Freiburg kostet die Bahnhofsgarage in der Bismarckallee 18,00 Euro für 24 Stunden; dort sind die ersten 20 Minuten zum Bringen und Abholen als Kiss + Rail kostenlos. Der Parkplatz an der Wentzingerstraße hinter dem Bahnhof kostet 24,00 Euro am Tag.


Warum die Höllentalbahn die steilste Hauptbahn Deutschlands ist
In den 1840er Jahren kamen die ersten Gutachten zu einem klaren Ergebnis: Eine Bahnlinie durch die schroffen Felswände des Höllentals sei technisch unmöglich. Erst vierzig Jahre später nahm sich Robert Gerwig der Sache an, der Ingenieur hinter Gotthardbahn und Schwarzwaldbahn. Nach der Konzession von 1882 begannen 1884 die Bauarbeiten, Trassen wurden in den Fels gesprengt, Stützmauern gegen die Naturgewalten gesetzt. Am 23. Mai 1887 fuhren die ersten Züge zwischen Freiburg und Neustadt. Gerwig selbst starb 1885 und sah sein Werk nie fertig.
Die Zahlen erklären, warum das so lange dauerte. Freiburg liegt auf 268 Metern, der Scheitelpunkt kurz hinter Hinterzarten auf 893 Metern. Zwischen Himmelreich und Hinterzarten überwinden die Züge auf knapp zwölf Kilometern rund 400 Höhenmeter, die Maximalsteigung liegt bei 57,8 Promille. Damit gilt die vordere Höllentalbahn bis heute als steilste Hauptbahnstrecke Deutschlands.
Anfangs reichte die Reibung der Räder dafür nicht. Zwischen Hirschsprung und Hinterzarten lag über sechs Kilometer lang eine Zahnstange nach System Bissinger-Klose, sogar die Personenwagen bekamen Bremszahnräder, und die Dampflokomotiven verfeuerten für eine Bergfahrt über 350 Kilogramm Kohle. Erst die Baureihe 85 machte ab 1932/33 den reinen Reibungsbetrieb möglich, die Zahnstangen wurden abgebaut. 1936 folgte ein Großversuch mit 20 kV und 50 Hz Industriestrom, den die Lok der Baureihe E 244 an Bord umformte, 1960 stellte die Bundesbahn auf das heute übliche System mit 15 kV und 16,7 Hz um.
Warum das Ravenna-Viadukt im Winter beheizt wird
Das Ravenna-Viadukt in seiner heutigen Form misst 224 Meter und ruht auf neun massiven Granit- und Betonbögen. Die erste Brücke von 1887 war 144 Meter lang, trug einen Stahlfachwerkoberbau auf Sandsteinpfeilern und hielt dem wachsenden Zuggewicht nicht mehr stand. 1927 wurde sie abgerissen, von ihr sind in der Schlucht nur noch die steinernen Widerlager zu erkennen. Zur einzigen beheizbaren Eisenbahnbrücke Deutschlands macht es die integrierte Schienenheizung.
Kurz zuvor passiert der Zug den Hirschsprung, eine klammartig enge Stelle des Tals, wo die Felswände bis zu hundert Meter steil aufragen. Der Name geht auf eine Legende von 1756 zurück: Bei einer markgräflichen Jagd soll sich ein gehetzter Hirsch mit einem Sprung über den Abgrund gerettet haben. Daran erinnert hoch über dem Tal ein fast 300 Kilogramm schweres Bronzedenkmal auf dem Diabasturm. Der frühere Bahnhof Hirschsprung ist längst nicht mehr in Betrieb.
Von den 15 Tunneln der Gesamtstrecke liegen neun im vorderen Abschnitt. Direkt nach dem Viadukt folgt der Ravenna-Tunnel, der beim Ausbau der Bundesstraße 31 im laufenden Bahnbetrieb von 85 auf 47 Meter verkürzt wurde, dahinter der 248 Meter lange Finsterrank-Tunnel und der 82 Meter kurze Löffeltal-Tunnel, der den Zug auf das Hochplateau von Hinterzarten entlässt. Wer fotografieren will, hält die Kamera schon beim Verlassen von Himmelreich bereit: Bei 50 bis 70 km/h dauert die Überfahrt nur zwölf bis fünfzehn Sekunden.
Dürfen wir Fahrräder in der Höllentalbahn mitnehmen?
Fahrplan, Tickets und was die KONUS-Karte übernimmt
Gefahren wird von den Linien S1, S10 und S11 der S-Bahn Breisgau, betrieben von DB Regio. Der Betrieb läuft ganzjährig, zwischen Freiburg Hbf und Titisee gilt in der Regel ein 30-Minuten-Takt, die reine Fahrzeit liegt bei 37 bis 39 Minuten. Feste Öffnungszeiten gibt es nicht, es gilt der Fahrplan. In Titisee werden viele Züge geteilt: Ein Teil fährt Richtung Neustadt und Donaueschingen, der andere als Dreiseenbahn Richtung Schluchsee und Seebrugg.
Einen Eintritt gibt es nicht, du löst eine Nahverkehrsfahrkarte. Freiburg bis Titisee berührt drei Tarifzonen des Regio-Verkehrsverbunds Freiburg und fällt damit in die Preisstufe 3. Ein Kind zwischen 6 und 14 Jahren fährt für 4,20 Euro, Erwachsene zahlen 6,90 Euro für einen Einzelfahrschein, der ab Entwertung 180 Minuten gilt. Für Familien lohnt die TagesKarte Duo+ mit 21,60 Euro für zwei Erwachsene und bis zu vier Kinder, die TagesKarte Solo+ mit 14,30 Euro gilt für einen Erwachsenen und bis zu vier Kinder und lohnt sich ab drei Fahrten am Tag. Wer per FAIRTIQ-App abrechnet, zahlt 1,37 Euro Grundpreis plus 0,32 Euro je Luftlinienkilometer und bei Distanzen über 10 Kilometer am Tag höchstens 13,73 Euro, Kinder höchstens 8,24 Euro. Aus anderen Landesteilen deckt der bwtarif die Anreise ab, das Baden-Württemberg-Ticket beginnt bei 27,00 Euro.
Urlaubsgäste zahlen oft gar nichts. Wer in einem der rund 150 teilnehmenden Schwarzwaldorte übernachtet, bekommt beim Check-in die KONUS-Gästekarte und fährt damit in der 2. Klasse kostenlos, inzwischen auch digital über die Hochschwarzwald App. Die Freifahrt gilt im Nahverkehr, ICE, IC und EC sind ausgenommen. Die Hochschwarzwald Card ist kein Fahrschein, sie deckt die Eintritte von rund 100 Freizeitzielen ab. Fahrräder nimmst du werktags vor 6:00 Uhr und ab 9:00 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen ganztags kostenlos mit, in Bussen des Schienenersatzverkehrs ist die Mitnahme ausnahmslos verboten.
Aktueller Hinweis (Stand August 2026): Die Vollsperrung zwischen Himmelreich und Titisee wegen Hangsicherungsarbeiten im Juli ist plangemäß aufgehoben. Nachts kommt es weiterhin zu Zugausfällen zwischen 21:00 und 01:00 Uhr, etwa zwischen Freiburg Messe/Universität und Kirchzarten. Wer von Norden anreist, muss die Vollsperrungen der Rheintalbahn zwischen Offenburg und Freiburg/Herbolzheim einplanen: 7. bis 10. August, 14. bis 17. August und 24. bis 30. August 2026. Ersatzweise fahren IC-Busse direkt und Regio-Busse mit Zwischenhalten. Am 15. und 16. August 2026 feiert die Dreiseenbahn ihr 100-jähriges Bestehen mit einem Bahnhofsfest in Seebrugg, Eintritt 6 Euro für Erwachsene.
Mehr Ausflugsziele rund um Freiburg–Titisee
Der schönste Anschluss liegt direkt unter dem Viadukt. Die Wanderung durch die Ravennaschlucht startet meist am Hofgut Sternen, in dem schon Johann Wolfgang von Goethe und 1770 Marie Antoinette auf ihrer Brautfahrt nächtigten. Rund sieben Kilometer, anderthalb bis zweieinhalb Stunden, über Holzstege und Treppen vorbei am großen Ravenna-Wasserfall mit 16 Metern Fallhöhe und dem kleinen mit 6 Metern. Weil die Stege wenig Platz zum Ausweichen lassen, ist ein früher Start oder ein Werktag klar im Vorteil. Den historischen Jägerpfad am Hirschsprung suchst du vergeblich: Er ist seit 2009 gesperrt, die Umleitung führt 2,6 Kilometer und 400 Höhenmeter über das Bergmassiv und verlangt Trittsicherheit.
Im Advent lohnt die Fahrt aus einem zweiten Grund. Dann steht der Weihnachtsmarkt der Ravennaschlucht direkt unter dem Viadukt, und beim Überqueren blickst du aus dem Zug auf die beleuchteten Stände hinunter. Parkplätze am Hofgut Sternen sind an diesen Tagen rar, die Anreise mit der Bahn bis Himmelreich oder Hinterzarten und weiter mit den organisierten Shuttle-Bussen ist die stressfreieste Variante.
Am Bahnhof Titisee beginnt das Familienprogramm. Die Seestraße lädt zum Bummeln ein, es gibt Tretboote und die Bootsrundfahrten Drubba Titisee, dahinter steht der Feldberg.
Ein kurzer Spaziergang führt zum Badeparadies Schwarzwald mit Palmenoase und Rutschenlandschaft, direkt am Ort klettert man außerdem im Action Forest Kletterwald durch die Baumwipfel. In Hinterzarten warten das Schwarzwälder Skimuseum und der Naturerlebnispfad Hinterzarten.
Am westlichen Ende der Strecke wartet Freiburg selbst. Das Münster steht mitten in der Altstadt, durch die Gassen laufen die Bächle, und an der Dreisam lässt sich der Tag ausklingen, bevor der Zug wieder hinauf in den Schwarzwald fährt.
Gut zu wissen
Setz dich ab Freiburg auf die rechte Seite in Fahrtrichtung. Kurz nach der Durchfahrt von Himmelreich öffnet sich genau dort der Blick hinab in die Schlucht, hinauf zum Hirschsprung und beim Überqueren des Viadukts tief in die Ravennaschlucht. Fährst du von Titisee hinunter, ist es entsprechend die linke Seite. Für einen Regentag ist das die entspannteste Art, die Felswände des Schwarzwaldes zu sehen, ohne einen Schritt zu gehen.