Das Paddel taucht ein, es gluckst kurz, dann läuft nur noch Wasser am Brett entlang. Vor dir liegen 700 Meter dunkles Bergwasser, eingefasst von Fichten, hinter dir die Liegewiesen eines Strandbads, dessen Hauptgebäude unter Denkmalschutz steht. Am Ostufer schiebt sich ein Zug der Dreiseenbahn durch den Wald. Kein Motorboot, kein Jetski, kein Tretboot, keine Welle außer der, die du selbst machst. Stand Up Paddling Strandbad Windgfällweiher heißt genau das: ein Brett, eine kurze Einweisung und ein See auf rund 966 Metern Höhe.
Ein Bad, das dem Wetter gehorcht
Der Windgfällweiher ist ein Sommerziel mit Bedingung. Von Mai bis September hat das Strandbad täglich von 10:00 bis 19:00 Uhr geöffnet, Verleih inklusive. Der Betrieb hängt an der Witterung: Bei anhaltendem Regen oder Gewittergefahr bleiben Kiosk, Bad und SUP-Station geschlossen. Ein Blick auf die Wetterlage am Morgen erspart dir die Fahrt umsonst.
Das Wasser hier ist kein Freibadwasser. Der Weiher liegt auf fast 1.000 Metern und wird aus Moorwasserabläufen und aus dem Feldseegebiet gespeist. Er erwärmt sich langsam und knackt selbst im Hochsommer nur an extrem heißen Tagen knapp die 20-Grad-Marke. Für ein beherztes Untertauchen zwischen zwei Paddelrunden reicht das. Wer länger schwimmen oder mehrere Stunden auf dem Board stehen will, leiht sich besser einen Neoprenanzug, den es vor Ort gibt. Genau diese Kühle ist Teil des Charakters: Während sich Titisee und Schluchsee an heißen Tagen füllen, bleibt es hier ruhig, und das Wasser liegt oft glatt wie eine Scheibe da.



Saison 2026: Das Strandbad startet am 23. Mai 2026 in den täglichen Betrieb, das Saisonende ist für den 30. September 2026 avisiert. 2026 feiert die 3-Seen-Bahn Jubiläum, am Ostufer sind mehr historische Sonderzugfahrten unterwegs als sonst. Die Lotenbachklamm bleibt wegen Wegeschäden und Instandsetzungsarbeiten voraussichtlich bis zur Wandersaison 2027 vollständig gesperrt.
Stand Up Paddling Strandbad Windgfällweiher: Brett, Einweisung, erste Runde
Die Verleihstation heißt Aloha Center und sitzt direkt auf dem Gelände des Strandbads. Dahinter steckt ein Freiburger Spezialist fürs Stehpaddeln, was man am Materiallager merkt: Boards von Fanatic, Red Paddle und C4 Waterman, neben den üblichen aufblasbaren iSUPs auch klassische GFK-Konstruktionen und spezielle Feathercore-Boards. Neoprenanzüge gibt es bei Bedarf dazu.
Reservieren kannst du nicht, und du musst es auch nicht. Der reguläre Verleih läuft nach dem Prinzip First Come, First Served. Zu jedem Verleihvorgang gehört eine kurze Einweisung: Handhabung des Materials, Sicherheitsregeln, grundlegende Paddeltechnik. Genau das macht den Einstieg für Leute barrierefrei, die vorher noch nie auf einem Brett standen. Erst wackelt es, dann trägt es dich.
Wer mehr will als eine Runde: Die Station bietet Schnupperkurse an, in denen Instruktoren die Basics und Techniken für schnelleres Gleiten zeigen. Dazu kommt SUP-Yoga, unter anderem im Format Vinyasa Fusion, bei dem die Praxis auf das schwankende Board mitten auf dem See stattfindet. Vorkenntnisse brauchst du keine, für die geführten Formate ist eine Anmeldung vorab zwingend.
Ein Moorsee, den Menschen zweimal umgebaut haben
Was heute so selbstverständlich daliegt, ist zu großen Teilen Menschenwerk. Die Mulde stammt aus der Würm-Kaltzeit, ausgeschürft von den Endmoränen des eiszeitlichen Feldberg-Gletschers; übrig blieb ein flacher, natürlicher Moorsee. 1895 kamen eine Staumauer und ein Hangkanal dazu, der Wasserspiegel stieg um sechs Meter, und der See bekam seine heutigen Maße: rund 700 Meter lang, 400 Meter breit, maximal sechs Meter tief. 1932 wurde er in das Schluchseewerk eingebunden und dient seither als Durchlaufbecken für die Stromgewinnung. Dass ein Industriegewässer trotzdem so naturnah wirkt, hat einen Grund: Schon 1950 wurde das Areal als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.
Die wichtigste Weichenstellung für die heutige Ruhe war ein Fund: 2002 entdeckten Bodenuntersuchungen polychlorierte Biphenyle im Seegrund, seitdem gilt ein Angel- und Fischverzehrverbot. Der Angelsport zog sich zurück, die Störungen auf dem Wasser gingen zurück, die Verlandungszonen entwickelten sich ungestört. Was als schlechte Nachricht begann, hat den See zu dem gemacht, was Paddler heute an ihm schätzen.
Biberburg im Schilf, Zug im Fichtenwald
Am Südende hört der Badebetrieb auf und die Natur übernimmt. In den Verlandungszonen hat sich eine Biberpopulation angesiedelt, die Biberburg ist ausgewiesenes Naturdenkmal im Naturpark Südschwarzwald. Die nachtaktiven Tiere bekommst du tagsüber kaum zu Gesicht, ihre Arbeit dagegen ist unübersehbar: massive Dammbauten und Fraßspuren an den Ufergehölzen, gut vom Rundweg aus zu erkennen.
Wenn du mit dem eigenen Board kommst, gelten hier klare Regeln. Wasservogeltrupps hältst du auf Abstand, und das Befahren der Verlandungszonen mit ihren Schilf-, Binsen- und Seerosenbeständen im südlichen Teil nahe der Biberburg ist strikt verboten. Das ist Naturschutzrecht und der Preis dafür, dass es hier überhaupt so still ist.
Der Rundweg selbst ist eine eigene kleine Attraktion: neu angelegt, barrierearm, teils mit Hackschnitzeln präpariert, je nach Einstiegspunkt 2,1 bis 3,3 Kilometer lang und ohne nennenswerte Steigung, in rund 45 Minuten umrundet. Am Ostufer läuft die eingleisige Trasse der Dreiseenbahn streckenweise direkt am Wasser entlang; an Fahrtagen mit historischen Dampf- oder Sonderzügen ergibt das vom Board aus ein außergewöhnliches Fotomotiv.
Familie, Hund, Kasse: was am Eingang gilt
Das Strandbad ist bewusst familienfreundlich gebaut: ein separater Eltern-Kind-Bereich mit eigenem Spielplatz, frisch gemähte Liegewiesen, historische Umkleidekabinen und moderne Sanitäranlagen. Der Kiosk führt Eis und Pizza, auf der Sonnenterrasse serviert die Baywatch-Bar Flammkuchen, Kaffeespezialitäten, Aperol und eine hausgemachte Holunderschorle.
An der Kasse zahlen Erwachsene 3,00 €, ermäßigte Gäste und Jugendliche 2,50 €, Kinder 2,00 €, ein Familienticket gibt es nicht. Der Verleih rechnet stundenweise ab: 18,00 € für die erste Stunde, 30,00 € für zwei Stunden, jede weitere Stunde 10,00 €. Studenten und Auszubildende bekommen mit gültigem Ausweis 10 % Rabatt.
Mit der Hochschwarzwald Card wird es deutlich günstiger: Sie enthält einmalig während deines Aufenthalts den freien Eintritt ins Strandbad und zusätzlich eine volle Stunde SUP-Verleih beim Aloha Center, zusammen 21,00 € pro Erwachsenem. Eingelöst wird digital: Nach dem Check-in beim Gastgeber bekommst du einen QR-Code, den du am Eingang scannst und beim Verleih vorzeigst. Die WälderCard deckt einmalig den freien Eintritt ins Bad ab, der SUP-Verleih ist dort nicht enthalten.
Zwei Einschränkungen solltest du einplanen. Auf dem gesamten Strandbadgelände samt Liegewiese, Kiosk und Verleih gilt ein absolutes Hundeverbot, aufs Board darf er deshalb gar nicht erst; rundherum ist der See dafür hundefreundlich, auf dem Seerundweg dürfen Hunde ganzjährig ohne Leine laufen, und am Hundestrand Seehof-Windgfällweiher gibt es einen eigenen Badeabschnitt. Und die Stellplätze direkt am Strandbad sind stark limitiert und an heißen Tagen schnell voll, als Ausweichfläche dient der rund 268 Meter entfernte Wanderparkplatz Windgfällweiher.
Ausflugsziele in der Nähe
Der Weiher liegt so günstig zwischen Lenzkirch und dem Feldberg-Massiv, dass er sich als Station in einem größeren Tag einbauen lässt. Ein Klassiker ist der Aufstieg von Lenzkirch über die Fischbacher Höhe zum Hochfirst, wo der 25 Meter hohe Hochfirstturm mit Panorama über Titisee und Feldberg belohnt; im Ort selbst liegt wenige Minuten entfernt das Freibad Lenzkirch. Wer nach der Ruhe hier Lust auf mehr Wind und mehr Fläche hat, ist über die B 500 in wenigen Minuten am Schluchsee, der als Segel- und Windsurfrevier überregional bekannt ist; einen Abstecher wert sind dort der Jägersteig Schluchsee und aqua fun Schluchsee. Richtung Titisee ist die Badestelle am Titisee schnell erreicht. Zum Ausklang bietet sich die Köhlerei am See an, ein Naturpark-Wirt-Restaurant mit regionaler Schwarzwälder Küche.
Am Ende bleibt ein Tag, der sich leicht planen lässt: Handtuch, Badesachen, Card auf dem Handy, mit dem Zug bis Altglashütten-Falkau und die letzte Viertelstunde zu Fuß.
Gut zu wissen
Der Weiher ist auch im Winter ein Ziel: Weil er nur sechs Meter tief ist und schattig im Wald liegt, friert er in strengen Wintern zügig und tragfähig zu und verwandelt sich in eine natürliche Eisbahn, die unter Einheimischen als Geheimtipp fürs Schlittschuhlaufen gilt.