Freiburg

Freiburg · Hochschwarzwald
KulturIndoorAusflug
Historische Gasse entlang des Freiburger Bächles mit Kopfsteinpflaster und Fachwerkgebäuden
Foto: Oliver Liegmann / CC BY 2.0 via Flickr (flickr.com/photos/20075174@N00/15861079096)

Stell dir vor, du stehst frühmorgens auf dem Münsterplatz, die Sonne kriecht über die roten Sandsteindächer, und neben deinen Schuhen gluckert Wasser durch eine schmale Steinrinne. Ein Kind zieht ein hölzernes Schiffchen an der Schnur hinter sich her, irgendwo riecht es nach frischem Brot und der ersten Grillwurst vom Marktstand. Wer Freiburg Altstadt sagt, meint genau das: ein Gewirr aus Gassen, Türmen und plätscherndem Wasser, eingerahmt von den Schwarzwald-Hängen, die gleich hinter den Häusern ansteigen. Freiburg ist die südlichste Großstadt Deutschlands und trägt seit Generationen den Beinamen Schwarzwaldhauptstadt. Und das Schönste für deinen Ausflug: durch die Altstadt zu bummeln kostet keinen Cent.

Freiburg Altstadt: Wasser, das durch die Gassen läuft

Das Erste, was dir auffällt, sind die Bächle. Schmale steinerne Rinnen, gefüllt mit klarem Wasser aus der Dreisam, durchziehen die gesamte historische Innenstadt. Rund 15,5 Kilometer sind es insgesamt, mehr als neun davon fließen offen durch die Gassen. Ihre Spur reicht urkundlich bis ins Jahr 1220 zurück, als Graf Egon I. von Freiburg die Nutzung eines solchen Bächle genehmigte. Im Mittelalter waren sie alles andere als Dekoration: Sie lieferten Brauchwasser für Haushalte und Handwerk, dienten als Viehtränke und vor allem als allgegenwärtiges Löschwasser in einer Stadt, die größtenteils aus Holz gebaut war. Wer Mist oder Stroh hineinwarf, machte sich strafbar, so wichtig war der saubere Durchfluss. Heute kühlen die Bächle an heißen Tagen die Luft und laden zum Fußbad ein.

Für Familien gehört ein hölzernes Bächleboot fast zum Pflichtprogramm. Diese handgefertigten Holzschiffchen ziehst du an einer langen Schnur hinter dir durch die Gassen, an warmen Tagen ein großer Spaß für die Kinder.

Der schönste Turm auf Erden

Über allem thront das Freiburger Münster Unserer Lieben Frau, das Wahrzeichen der Stadt, gebaut aus rotem Buntsandstein. Die Grundsteinlegung fällt um das Jahr 1200, die Fertigstellung zog sich bis 1513 hin. Die eigentliche Sensation ist der 116 Meter hohe Westturm. Er gilt als der einzige gotische Kirchturm in Deutschland, der schon im Mittelalter vollendet wurde, und er trug als erster der europäischen Gotik eine vollständig durchbrochene Maßwerkpyramide, für die es bis dahin kein gebautes Vorbild gab. Schau an der Fassade nach oben: 96 steinerne Wasserspeier in Gestalt von Dämonen, Fabelwesen und biblischen Figuren leiten das Regenwasser ab. Als 1944 schwere Luftangriffe große Teile der Innenstadt zerstörten, überstand das Münster die Katastrophe fast unversehrt.

Wer hoch hinaus will, nimmt den Turmaufstieg unter die Füße. 209 Stufen bringen dich zur Glockenstube, in der die berühmte historische Glocke Hosanna hängt. Weitere 126 Stufen, zusammen also 335, führen auf die luftige Galerie in rund 70 Metern Höhe, von der aus sich die mittelalterliche Stadtstruktur unter dir ausbreitet. Eine gewisse Grundkondition und etwas Schwindelfreiheit solltest du mitbringen. Die Münsterkirche selbst betrittst du kostenlos, der Aufstieg auf den Turm kostet für Erwachsene 5 Euro, Kinder zahlen 3 Euro. Gepflegt wird das 700 Jahre alte Denkmal von der Freiburger Münsterbauhütte, einem der ältesten noch arbeitenden Handwerksbetriebe dieser Art in Europa.

Der schönste Turm auf Erden, schwärmte der Kulturhistoriker Jacob Burckhardt einst über das Freiburger Münster.

Vom Historischen Kaufhaus nach Klein Venedig

Rund um den Münsterplatz spielt der alte Reichtum der Stadt sichtbar seine Rolle. An der Südseite leuchtet das Historische Kaufhaus in kräftigem Ochsenblutrot, ein Bau aus dem 16. Jahrhundert mit prächtiger Arkadenvorhalle, detailreichen Ecktürmchen und einem schönen Innenhof. Heute dient es als Kulisse für Konzerte und Empfänge. Gleich nebenan stehen das Haus zum schönen Eck und das Haus zum Ritter, das ursprünglich die breisgauische Ritterschaft beherbergte.

Lass dich von hier in die Gassen treiben. Die Konviktstraße, eine alte Handwerkerstraße aus dem 11. Jahrhundert, schwingt sich pastellfarben und üppig bepflanzt durch die Altstadt und sieht aus, als hätte sich ein Stück Provence verirrt. Noch verträumter wird es in Klein Venedig, dem Quartier aus Gerberau und Fischerau entlang des Gewerbekanals. Wo früher Gerber, Metzger und Fischer die Wasserkraft nutzten, reihen sich heute kleine Brücken, Kopfsteinpflastergassen, Boutiquen und Cafés aneinander. Die mittelalterliche Stadtbefestigung hat zwei markante Tore hinterlassen: das Schwabentor aus dem 13. Jahrhundert mit seinem großen Fresko des Drachentöters St. Georg und das benachbarte Martinstor. Beide markieren die Eingänge in die weitgehend autofreie Innenstadt.

Hinauf auf den Schlossberg

Das Verblüffende an Freiburg: In wenigen Minuten wechselst du von der dichten Altstadt direkt in den Wald. Gleich hinter dem Schwabentor steigt der Schlossberg an, zu Fuß oder bequem mit der Schlossbergbahn zu erreichen. Oben wartet der Schlossbergturm, auch Eugen-Keidel-Turm genannt, eine 30 Meter hohe Stahlkonstruktion, die von drei mächtigen Douglasienstämmen getragen wird. Nach 85 Stufen stehst du auf der Plattform, und der Blick öffnet sich rundum: über die ganze Altstadt, die weite Rheinebene bis hinüber zu den französischen Vogesen und tief in die Täler des Breisgaus. Wer es ohne Aufstieg mag, sucht den Kanonenplatz, einen der schönsten Plätze für den Sonnenuntergang über den Dächern.

Wenn es regnet: Museen und Tiere

Schlechtes Wetter schränkt Freiburg kaum ein. Ein echtes Glanzlicht ist das Augustinermuseum am Augustinerplatz. Der Architekt Christoph Mäckler verwandelte die ehemalige Klosterkirche in einen Museumsbau, in dem freischwebende Balkone, Galerien und Stege immer neue Blickwinkel auf die Exponate öffnen. Du siehst hier die originalen Steinskulpturen und Wasserspeier des Münsters dazu spätmittelalterliche Meisterwerke von Mathias Grünewald und Lucas Cranach dem Älteren. Der Eintritt kostet für Erwachsene 12 Euro und gilt am selben Tag als Tageskarte für alle städtischen Museen. Für alle unter 27 Jahren ist er kostenlos. An Regentagen lohnen außerdem das Planetarium und, ein Stück Richtung Hochschwarzwald, das ganzjährig tropisch temperierte Badeparadies in Titisee.

Das beliebteste Familienziel liegt im Westen der Stadt: der Tier-Natur-Erlebnispark Mundenhof. Auf 38 Hektar ist hier das größte Tiergehege Baden-Württembergs entstanden, keine klassische Zoo-Kulisse, sondern weitläufige Weiden und Koppeln, auf denen rund 350 Haus- und Nutztiere aus aller Welt leben. Kamele, Alpakas, Strauße, Javaneraffen, Erdmännchen und Zwergziegen lassen sich aus der Nähe beobachten. Dazu kommen das natur- und tierpädagogische KonTiKi, ein begehbarer Spieldrachen aus Holz und Abenteuerspielplätze. Der Mundenhof hat an 365 Tagen im Jahr geöffnet und verlangt keinen Eintritt. Bezahlt wird nur das Parken, je nach Wochentag und Saison zwischen 5 und 10 Euro.

Ausflugsziele in der Nähe

Freiburg ist der perfekte Ausgangspunkt, um in den Hochschwarzwald aufzubrechen, und dafür musst du das Auto gar nicht bemühen. Durch das Höllental geht es hinauf nach Titisee. Den Freiburger Hausberg Schauinsland erreichst du über die Talstation in Horben mit der Schauinslandbahn. Nur eine kurze Fahrt entfernt liegen außerdem die Ravennaschlucht und die Zweribachwasserfälle, einen Abstecher wert sind der Steinwasen-Park und die Blackforestline Hängebrücke, dazu der Bikepark Todtnau.

Ein praktischer Tipp für die Anreise: Wenn du im Hochschwarzwald übernachtest, etwa in Hinterzarten, Breitnau oder am Schluchsee, bekommst du dort die KONUS-Gästekarte. Sie lässt dich kostenlos mit Bussen und Nahverkehrszügen durch den ganzen Schwarzwald fahren und schließt die Straßenbahnen in Freiburg ausdrücklich mit ein. Vom Hauptbahnhof, der bestens ans ICE- und IC-Netz angebunden ist, bist du in wenigen Minuten zu Fuß in der Altstadt. Pack also die Bahn, plan dir drei bis vier Tage ein und lass dich zwischen Münsterturm, Bächle und Schwarzwald-Hängen treiben.

Aktueller Hinweis

Aktueller Hinweis: Von Anfang Juni bis August 2026 wird die Fahrbahn der B31 ins Höllental saniert, in Fahrtrichtung Autobahn ist die Strecke streckenweise nur einspurig. Plane für die Anreise aus dem Hochschwarzwald etwas mehr Zeit ein oder nimm die Bahn. Die Schlossbergbahn steht am 29. und 30. Juni 2026 wegen Wartung still. Und die oberste Aussichtsgalerie des Münsterturms bleibt im Winter bei Schnee und Eis aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Gut zu wissen

Einordnung
Schwarzwaldhauptstadt, südlichste Großstadt Deutschlands, 237.460 Einwohner
Stadtgeschichte
Burg Castrum 1091, Marktrecht und Stadtgründung 1120
Münster-Westturm
116 m hoch, aus rotem Buntsandstein, 1513 vollendet
Turmaufstieg
335 Stufen, Galerie auf rund 70 m Höhe, Glocke Hosanna nach 209 Stufen
Mundenhof
38 ha, größtes Tiergehege Baden-Württembergs, rund 350 Tiere
Kostenlos
Altstadt, Bächle, Münsterkirche und Mundenhof gratis; Turmaufstieg 5 € / Kinder 3 €
Aufenthalt
Für Stadt plus Ausflüge in den Hochschwarzwald sind 3 bis 4 Tage ideal
Insider-Tipp

Geh früh auf den Münstermarkt, am besten kurz nach Marktbeginn. Dann liegt das Münster im warmen Morgenlicht, die Beschicker haben Zeit zum Plaudern, und du bekommst die legendäre Grillwurst Lange Rote, bevor der große Ansturm kommt.

Häufige Fragen

Lohnt sich Freiburg mit Kindern?
Sehr. Bächleboote an der Schnur durch die Gassen ziehen, der kostenlose Mundenhof mit Kamelen, Alpakas und Erdmännchen und der Aussichtsturm auf dem Schlossberg machen die Stadt zum entspannten Familienziel. Kinder unter 7 Jahren steigen am Münsterturm sogar gratis hinauf.
Was kostet der Eintritt in Freiburg?
Die Altstadt, die Bächle, die Münsterkirche und der Mundenhof kosten nichts. Der Aufstieg auf den Münsterturm kostet 5 Euro, Kinder zahlen 3 Euro. Das Augustinermuseum kostet 12 Euro und ist für alle unter 27 Jahren kostenlos, das Ticket gilt am selben Tag für alle städtischen Museen.
Was kann man bei Regen machen?
Freiburg hat reichlich trockene Alternativen: das architektonisch sehenswerte Augustinermuseum mit Werken von Grünewald und Cranach, Vorführungen im Planetarium und, ein Stück Richtung Hochschwarzwald, das ganzjährig tropisch warme Badeparadies in Titisee.
Wie kommt man hin und wo parkt man?
Der Hauptbahnhof ist gut ans ICE- und IC-Netz angebunden, von dort läufst du in wenigen Minuten in die Altstadt. Mit dem Auto empfiehlt sich Park and Ride an der Paduaallee mit Straßenbahnanschluss, zentral gibt es Parkgaragen. Wer im Hochschwarzwald übernachtet, fährt mit der KONUS-Gästekarte kostenlos mit der Freiburger Straßenbahn.
Kann ich die Hochschwarzwald Card in Freiburg nutzen?
Die Stadt Freiburg nimmt nicht am Ausgabesystem der Hochschwarzwald Card teil, in der Stadt selbst lässt sie sich kaum einsetzen. Die Card lohnt sich vor allem für Ausflugsziele draußen im Hochschwarzwald.

Übernachten

Und wo schläfst du?

Wer morgens am Münsterplatz das Wasser durch die Bächle rinnen hört, plant den Feierabend am besten schon zurück im Hochschwarzwald. Unsere Partnerhäuser liegen mitten in der Region.

Transparenz: Hotel Hochfirst und Hotel Sonnenberg gehören zur H24-Gruppe, die SchwarzwaldNavi betreibt.

In der Nähe

Ähnliche Ziele in der Nähe

Weitere Ziele in der Umgebung: Todtnauer Wasserfall, Naturfreibad St. Märgen.