Feldsee-Rundweg

Feldberg · Hochschwarzwald
Eintritt frei WandernNatur
Feldsee im Schwarzwald, umgeben von Tannen und Felsen, ruhige Wasseroberfläche spiegelt den Wald
Foto: Yssso / CC BY-SA 2.0 via Flickr (flickr.com/photos/53049330@N03/10151946715)
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Stell dir vor, du stehst an einem windstillen Morgen am Ufer des Feldsees. Vor dir liegt eine fast kreisrunde Wasserscheibe, so dunkel, dass sich die fast dreihundert Meter hohen Felswände gestochen scharf darin spiegeln. Kein Wunder, dass die Menschen diesem Karsee am Fuß des Feldbergs seit Jahrhunderten einen poetischen Namen geben: das dunkle Auge des Schwarzwaldes. Tief im Kessel eingebettet wirkt er wie ein Geheimnis, das die Eiszeit hier zurückgelassen hat und das man sich zu Fuß verdienen muss.

Das dunkle Auge: warum der Feldsee so besonders ist

Der Feldsee ist kein gewöhnlicher See. Er liegt auf 1.108 bis 1.110 Metern Höhe am östlichen Fuß des Feldbergmassivs, unterhalb des Seebucks, und ist mit bis zu 34,5 Metern Tiefe der größte und zugleich höchstgelegene Karsee Deutschlands außerhalb der Alpen. Geformt haben ihn gewaltige Gletscher der Würm-Kaltzeit vor rund 10.000 Jahren, die ein tiefes Becken aus dem Fels hobelten. Was sie dabei stehen ließen, sind die bis zu dreihundert Meter steil aufragenden Karwände, die das Wasser auf drei Seiten wie ein Kessel umschließen.

Mit einem Durchmesser von gerade einmal 360 auf 380 Metern ist der See überraschend klein, fast kreisrund, und ringsum von streng geschütztem Bannwald umstanden. Seine tiefdunkle Farbe entsteht durch die Spiegelung der dichten Nadelwälder. Das ganze Gewässer liegt im Naturschutzgebiet Feldberg, dem ältesten und flächengrößten Schutzgebiet Baden-Württembergs. Gespeist wird der See von kleinen Quellbächen vom Seebuck. Sein einziger Abfluss ist der Seebach, der weiter durch den Titisee fließt und als Wutach schließlich den Rhein erreicht.

Der See selbst ist klein. Was ihn umgibt, ist gewaltig.

Ein Farn, der in Deutschland fast nur hier wächst

Unter der dunklen Oberfläche lebt eine Pflanze, die es so kaum noch ein zweites Mal gibt. In etwa zwei Metern Tiefe wächst das Stachelsporige Brachsenkraut, ein extrem seltener Unterwasserfarn, der auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten steht. Er ist lichthungrig und zwingend auf das kristallklare, nährstoffarme Wasser des Karsees angewiesen. Innerhalb Deutschlands kommt dieses empfindliche Kraut fast ausschließlich im Feldsee und in vereinzelten Beständen im benachbarten Titisee vor.

Genau deshalb herrscht hier ein striktes, behördlich überwachtes Badeverbot: Schwimmer oder ein Hund im Wasser würden das feine Bodensediment aufwirbeln und die eiszeitliche Reliktpflanze zerstören. Auch die Wildenten solltest du nicht füttern, denn schon Brotreste könnten das fein austarierte Ökosystem kippen lassen. Das kalte, sauerstoffreiche Wasser ist so nährstoffarm, dass nur wenige Spezialisten darin leben. Die einzige hier ursprünglich heimische Fischart ist die Elritze, ein Kleinfisch von gerade einmal sechs bis zwölf Zentimetern Länge.

Der Denglegeist und die alten Sagen vom Feldsee

Wo das Wasser so dunkel und unergründlich wirkt, sind die Geschichten nicht weit. Der Feldsee galt lange als unheimlicher Ort, an dem man Geister und Dämonen in die Tiefe verbannte. Die bekannteste Legende erzählt vom sogenannten Denglegeist, der an den bewaldeten Ufern sein Unwesen treiben soll. Der Überlieferung nach bannten örtliche Priester Poltergeister aus Bauernhäusern mit Zauberformeln in Glasflaschen und versenkten die versiegelten Gefäße im schwarzen Wasser des Sees.

Der badische Dichter August Schnetzler hat diese düsteren Erzählungen 1846 in seinem Werk Badisches Sagenbuch festgehalten, im Gedicht Geisterbesuch auf dem Feldberg. Am atmosphärischsten wird das alles im Herbst: Bei Inversionswetterlagen hängt leichter Nebel im tiefen Kessel, während sich das Laub der Mischwälder verfärbt. Dann wirken die alten Geschichten plötzlich ganz greifbar, und für Fotografen entstehen stimmungsvolle Motive fernab des harten Mittagslichts.

Einkehr im Raimartihof, dem Gasthaus zum Feldsee

Rund 500 Meter vom Ufer entfernt steht ein Berggasthof, der eine eigene Geschichte erzählt: der Raimartihof, offiziell das Gasthaus zum Feldsee. Erbaut 1710, liegt er so abgeschieden, dass keine öffentliche Autozufahrt zu ihm führt. Du erreichst ihn nur zu Fuß oder mit dem Rad. Seit 1825 ist er im Besitz der Familie Andris, und erst in den 1970er Jahren wurde das Anwesen ans Stromnetz angeschlossen. Davor kam der Strom aus einem kleinen Wasserkraftwerk am Feldbach, das bei Niedrigwasser oft nur für das Glimmen einer Glühbirne reichte.

Heute grasen am See robuste schottische Galloway-Rinder, der Hof versorgt sich weitgehend selbst und betreibt sogar eine eigene biologische Kläranlage. Berühmt ist die Küche für Wildspezialitäten aus eigener Jagd und für hausgemachten Bibiliskäse mit Brägele, den badischen Bratkartoffeln. Wandergruppen können sogar im Heulager übernachten. Plane deine Tour aber so, dass du nicht ausgerechnet am Dienstag vor verschlossener Tür stehst, denn das ist der reguläre Ruhetag.

Haus der Natur: Talking Ranger und Harvester-Simulator

Wer Lust auf Hintergrund hat oder einen Regentag überbrücken will, ist im Haus der Natur im Ortsteil Feldberg richtig. Das modernste Naturschutzzentrum des Landes feiert 2026 sein 25-jähriges Bestehen und vermittelt unter dem Leitmotiv Mensch und Natur ökologische Zusammenhänge mit Humor statt erhobenem Zeigefinger. Zu den Lieblingsexponaten gehört der Talking Ranger, eine animierte Figur mit augenzwinkernden Einblicken in die Naturschutzarbeit. Dazu kommen eine virtuelle Ballonfahrt über den Schwarzwald, eine 3D-Schau, das Feldbike und ein Harvester-Simulator, an dem du virtuell Bäume fällst. Ein naturgetreuer Auerhuhn-Balzplatz als Diorama rundet die Ausstellung ab.

Für Familien ist das Zentrum ein Glücksfall. Draußen im Wichtelwald gehen junge Entdecker auf Spurensuche nach dem Auerhahn Anton, und mit etwas Engagement lässt sich sogar das offizielle Junior-Ranger-Abzeichen verdienen. Die weitläufigen Indoor-Ausstellungen füllen einen ganzen Tag, ganz gleich, wie das Wetter draußen ist. Geöffnet ist das Haus der Natur im Sommer täglich von 10 bis 17 Uhr; zwischen November und Mai bleibt es montags geschlossen, außer in den BW-Ferien.

Wege zum Feldsee und Ziele in der Nähe

Die eigentliche Umrundung des Sees auf dem Uferpfad dauert nur etwa 10 Minuten, teils über hölzerne Bohlenwege, die dich trocken durch die sensiblen Moore am Ufer führen. Den Reiz macht der Weg dorthin. Wer es sportlich mag, nimmt den Premiumwanderweg Feldbergsteig mit 12,4 Kilometern und rund viereinhalb Stunden Gehzeit, oder die Große Feldberg- und Feldsee-Rundwanderung über 13,3 Kilometer und 589 Höhenmeter. Unterwegs locken urige Einkehren wie die Zastler Hütte und die St. Wilhelmer Hütte, und vom Bismarckdenkmal auf dem 1.448 Meter hohen Seebuck öffnet sich der berühmte Feldseeblick steil hinab in den Kessel.

Bei der Anfahrt lohnt eine ruhige Wahl: Der kostenfreie Wanderparkplatz Rinken in Hinterzarten und der naturnahe Parkplatz Kunzenmoos in Bärental bieten flachere, waldreichere Zustiege als das stark frequentierte Parkhaus Feldberg. Mit der Höllentalbahn bis Titisee oder Bärental und dem Bus geht es auch bequem ohne Auto, und Übernachtungsgäste fahren mit der KONUS-Gästekarte kostenlos mit Bus und Bahn der Ferienregion. Ein Tipp für Familien mit Kinderwagen: Vom Bahnhof Bärental oder vom Kunzenmoos führt das gut ausgebaute Seesträßle als breiter Forstweg zum Ufer, mit geländegängigem Wagen problemlos machbar.

Ein Tag am Feldsee lässt sich wunderbar verlängern. Die großen Nachbarseen Titisee und Schluchsee liegen nur eine kurze Fahrt entfernt und sind touristisch voll erschlossen; am Titisee laden der Titisee-Rundweg und die Bootsrundfahrten Drubba Titisee zu einem Abstecher. Wer über Bärental zusteigt, passiert das Schnapsmuseum Bärental, das mit über 300 Jahre alten Destillationsanlagen die Schwarzwälder Brennkunst dokumentiert. Wer hoch hinaus will, nimmt die Feldbergbahn hinauf zum Seebuck und verbindet den Seeblick mit dem Feldbergturm, der das höchstgelegene Schinkenmuseum der Region beherbergt und bei Inversionswetter ein Alpenpanorama vom Mont Blanc bis zur Zugspitze freigibt. Schnür also die Wanderschuhe, nimm festes Schuhwerk und eine Vesperpause im Raimartihof mit, und mach dir aus dem dunklen Auge einen ganzen, unvergesslichen Schwarzwaldtag.

Aktueller Hinweis

Aktuell (Sommer 2026): Am Felsenweg wird saniert. Ab dem 22. Juni 2026 ist der Abschnitt von oberhalb der alten Kläranlage bis zur oberen Hauptbrücke für voraussichtlich rund zwei Wochen komplett gesperrt; ab dem 25. Juni kommt wegen Steinschlaggefahr für einige Tage die rechte Seite zwischen unterer und oberer Hauptbrücke dazu. Die linke Flanke, der Zugang aus Richtung Todtnau-Sonnhalde und die Uferwege am Feldsee bleiben frei, Umleitungen sind ausgeschildert. Schöne Nachricht zum Jubiläum: Das Haus der Natur feiert 2026 sein 25-jähriges Bestehen und gewährt an jedem 25. eines Monats freien Eintritt in die Dauerausstellung.

Gut zu wissen

Höhenlage
1.108 bis 1.110 m ü. NN, am Fuß des Feldbergs
Rekord
größter und höchster Karsee Deutschlands außerhalb der Alpen (bis 34,5 m tief)
Größe
rund 9 ha, Durchmesser 360 × 380 m, Umrundung ca. 10 Min
Schutzgebiet
Naturschutzgebiet Feldberg, das älteste und größte in Baden-Württemberg
Entstehung
glaziales Karbecken aus der Würm-Eiszeit, vor rund 10.000 Jahren
Feldbergsteig
Premiumweg, 12,4 km, ca. 4,5 Std reine Gehzeit
Wanderwege
frei zugänglich, kostenlos; festes Schuhwerk empfohlen
Insider-Tipp

Starte früh am kostenfreien Wanderparkplatz Rinken oder am Kunzenmoos statt am vollen Parkhaus Feldberg. Von dort ist der Zustieg flacher und ruhiger, und im Herbst erwischst du bei Morgennebel die mystischste Stimmung am dunklen Auge. Plane eine Einkehr im Raimartihof ein, aber nicht dienstags, da ist Ruhetag.

Häufige Fragen

Ist der Weg zum Feldsee für Kinderwagen geeignet?
Auf den Premiumwegen wie dem Feldbergsteig oder den steilen Abstiegen vom Seebuck nicht, die sind durchwurzelt und steinig. Wer aber vom Bahnhof Bärental oder vom Wanderparkplatz Kunzenmoos über das breite Seesträßle geht, kommt mit einem geländegängigen Kinderwagen gut bis ans Ufer.
Was kostet der Besuch und wie sind die Öffnungszeiten?
Der See und die Wanderwege sind frei zugänglich und ganzjährig betretbar. Das nahe Haus der Natur kostet 5 € für Erwachsene, 3 € für Kinder ab 6 Jahren und 13 € als Familienticket; geöffnet ist es im Sommer täglich von 10 bis 17 Uhr (an jedem 25. im Jahr 2026 frei).
Darf ich im Feldsee baden oder mit dem Hund hinein?
Nein. Es gilt ein striktes, behördlich überwachtes Badeverbot, weil im flachen Wasser das extrem seltene Stachelsporige Brachsenkraut wächst. Auch Hunde dürfen nicht ins Wasser, denn sie würden das feine Bodensediment aufwirbeln und die eiszeitliche Reliktpflanze zerstören. Im Haus der Natur sind Hunde dagegen erlaubt.
Wie komme ich ohne Auto hin und wie ist es mit Parken?
Mit der Höllentalbahn bis Titisee oder Bärental und dann per Bus zum Feldberg; mit der KONUS-Gästekarte fahren Übernachtungsgäste kostenlos. Mit dem Auto eignen sich das Parkhaus Feldberg, der kleine Parkplatz Kunzenmoos (rund 20 Plätze) oder der kostenfreie Wanderparkplatz Rinken in Hinterzarten.
Lohnt sich der Feldsee auch bei Regen oder für gehbehinderte Gäste?
Bei Regen ist das Haus der Natur mit seinen Indoor-Ausstellungen ein tagesfüllendes Ziel. Der direkte Abstieg in den Kessel ist für Rollstuhl nicht passierbar, aber die Feldbergbahn nimmt Rollstühle mit, und vom befestigten Plateau am Bismarckdenkmal genießt du den Feldseeblick aus der Höhe ganz ohne steilen Abstieg.

Übernachten

Und wo schläfst du?

Am dunklen Auge des Feldsees zu stehen, weckt schnell den Wunsch, den Schwarzwald nicht nur für einen Tag zu erleben. Unsere Partnerhäuser liegen mitten in der Region.

Transparenz: Hotel Hochfirst und Hotel Sonnenberg gehören zur H24-Gruppe, die SchwarzwaldNavi betreibt.

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