Stell dir einen See vor, der zwischen seinen beiden berühmten Nachbarn fast in Vergessenheit gerät. Der Titisee im Norden zieht die Busreisen an, der Schluchsee im Süden die Segler. Und dazwischen liegt, still und von dunklen Wäldern umstellt, der Windgfällweiher. Kein Souvenirstand, kein Gedränge, nur Schilf, Seerosen und das gelegentliche Tuckern eines Zuges am Ufer. Wer hierher kommt, sucht nicht das Spektakel, sondern die Ruhe. Und findet sie auf 966 Metern Höhe, mitten im Dreiseengebiet des Hochschwarzwalds.
Der stille Dritte im Dreiseengebiet
Auf der Landkarte sieht der Windgfällweiher fast bescheiden aus. Rund 700 Meter lang, 400 Meter breit, an seiner tiefsten Stelle gerade einmal sechs Meter tief, dazu eine Wasserfläche von 19,81 Hektar. Doch dieser See trägt mehr Geschichte in sich, als man ihm ansieht. Seine Mulde drückten während der Würmeiszeit die Gletscher in den Boden, zurück blieb ein flacher Moorsee. Erst 1895 staute man ihn mit einer Mauer auf und hob den Wasserspiegel um die heutigen sechs Meter.
Seit 1932 gehört der Weiher zum Schluchseewerk und arbeitet als Durchlauf- und Rückhaltebecken für die Stromgewinnung. Das Spannende daran: Gespeist wird er ausgerechnet vom Feldsee, jenem dunklen Gletscherrelikt direkt unter dem Feldberggipfel. Dessen Wasser läuft durch einen überdachten Stollen, der unterirdisch sogar unter dem Dorf Altglashütten hindurchführt, und tritt an der Nordseite des Sees wieder ans Tageslicht. Seit 1950 steht das ganze schilfgesäumte Areal unter Landschaftsschutz. Ein Gewässer, das aussieht wie unberührte Natur und doch ein durchdachtes technisches Werk ist.








Hier badet niemand aus Versehen. Wer ins Wasser geht, will es wirklich, denn unter 20 Grad bleibt der See auch im Hochsommer meist kühl.
Das Strandbad Windgfällweiher und der Charme der Siebziger
Am östlichen, bewaldeten Ufer liegt das denkmalgeschützte Strandbad Windgfällweiher, und das ist ein kleines Zeitkapsel-Erlebnis für sich. Der nostalgische Charme der 1970er Jahre steckt noch in jeder Ecke, trifft hier aber auf frisch gepflegte Liegewiesen, einen Eltern-Kind-Bereich mit Spielplatz und eine Sonnenterrasse mit einer Baywatch-Bar. Am Kiosk gibt es längst nicht mehr nur Pommes: Flammkuchen, Pizza, Eis, dazu hausgemachte Holunderschorle oder einen Aperol für die Erwachsenen.
Wer Lust auf Bewegung hat, leiht sich direkt am Strandbad ein Stand-Up-Paddling-Board. Der See ist dafür wie gemacht. Die dichten Wälder ringsum brechen den Wind, das Wasser liegt oft spiegelglatt da, und genau diese Windstille macht den Weiher zum idealen Revier für SUP-Anfänger. Auf dem Board stehend gleitest du über die Seerosen hinweg, die Wälder spiegeln sich, und für einen Moment gehört dir der ganze See. Der Eintritt ins Strandbad kostet 3,00 Euro für Erwachsene, 2,50 Euro ermäßigt und 2,00 Euro für Kinder. Hunde müssen draußen bleiben, das umzäunte Badegelände ist für sie tabu.
Einmal rund um den Windgfällweiher, auf Hackschnitzeln wie auf Wolken
Das eigentliche Herzstück für viele Besucher ist aber der Seerundweg. In gemütlichen 45 bis 60 Minuten umrundest du den ganzen Weiher, und das fast ohne Steigung. Der Weg ist zu großen Teilen naturnah, ein Stück besteht aus feinem Schotter, der Rest aus weichem Waldboden. Das macht diese Wanderung so angenehm gelenkschonend, dass sie sich auch wunderbar für ein langsames Schlendern oder Nordic Walking eignet.
Den schönsten Abschnitt findest du am nordwestlichen Ufer. Dort, im Bereich des Biber-Schutzgebietes, ist der Pfad tief mit Holzhackschnitzeln ausgelegt. Sie federn jeden Schritt ab, dämpfen das Geräusch, und Wanderer beschreiben das Gefühl tatsächlich als Gehen wie auf einer Wolke. Der weiche Untergrund hat einen guten Grund: Er schützt die Verlandungszone und sorgt dafür, dass die Tiere im Unterholz nicht aufgeschreckt werden. Wer es weiter treiben will, nimmt den Mystischen Weg zum Windgfällweiher, rund 4,7 Kilometer lang bei nur 30 Höhenmetern Unterschied. Für eine richtige Windgfällweiher-Wanderung mit etwas mehr Strecke also ideal.
Wo Biber bauen und Seerosen treiben
Halte am Westufer in Richtung Falkau die Augen offen. Dort lebt eine ansässige Biberfamilie, und auf dem Biberpfad lassen sich ihre Spuren und der massive Biberbau entdecken. Genau dafür sind die leisen Hackschnitzelwege gedacht: Mit etwas Geduld und Stille bekommst du vielleicht einen Blick auf die scheuen Baumeister.
Über die Wasserfläche ziehen sich ausgedehnte Felder von Seerosen. Sie sind ein verlässlicher Hinweis auf sauberes Wasser und bieten unzähligen Kleinstlebewesen Schutz. Ein Wort der Vorsicht für geübte Schwimmer, die den abgesteckten Badebereich verlassen: Die langen, zähen Stängel unter der Oberfläche können zur Falle werden, in der man sich verheddert. Im offiziellen Badebereich des Strandbades passiert das nicht, dort sorgen abgegrenzte Zonen und ein eigener Nichtschwimmerbereich für Sicherheit. Übrigens: Angeln ist am Windgfällweiher verboten. Seit am Seegrund 2002 Belastungen mit PCB festgestellt wurden, gilt ein Angel- und Fischverzehrverbot. Das Oberflächenwasser bleibt davon unberührt und ist zum Baden völlig unbedenklich, denn der Schadstoff bindet sich fest an das Sediment am Grund.
Köhlerei, Seehof und ein Bahnhof um die Ecke
Wenn der Hunger kommt, ist die Köhlerei am See die erste Adresse, das traditionsreiche Haus, das früher als Schlehdorns Seehof bekannt war. Heute heißt das Motto Brauhaus meets Industrial Style, und Küchenchef Frank Beckert kocht als zertifizierter Naturpark-Wirt konsequent regional. Auf den Tisch kommen badische Klassiker in moderner Form: Rindersaftgulasch vom Bernauer Bio-Bauern, heimisches Wild, gebratenes Forellenfilet oder eine badische Gemüse-Lasagne. Für die Kleinen gibt es hausgemachte Käsespätzle oder Kinderschnitzel, draußen wartet ein Kugelspielplatz.
Und dann ist da noch die Dreiseenbahn, die dem See eine eisenbahnromantische Note schenkt. Die historische Strecke verläuft direkt am Ostufer entlang, an manchen Stellen spazierst du fast neben den Schienen her, und an ausgewählten Fahrtagen dampft hier ein historischer Zug vorbei. Das macht die Anreise besonders bequem: Der Bahnhof Altglashütten-Falkau liegt nur rund zehn Gehminuten vom Ufer entfernt. Mit der KONUS-Gästekarte, die du als Übernachtungsgast von deinem Gastgeber bekommst, fährst du in Bussen und Regionalbahnen im ganzen Schwarzwald kostenlos. So sparst du dir die Parkplatzsuche und die Gebühr am Wanderparkplatz Windgfällweiher in Lenzkirch, die mit 3,00 Euro für die erste Stunde und 1,00 Euro für jede weitere zu Buche schlägt.
Ausflugsziele in der Nähe
Der Windgfällweiher liegt mittendrin im Dreiseengebiet, und das macht ihn zum perfekten Startpunkt. Nur wenige Kilometer nördlich glitzert der Titisee mit dem Titisee-Rundweg und den Bootsrundfahrten Drubba Titisee, südlich breitet sich der große Schluchsee aus, in den das Wasser des Weihers am Ende sogar fließt; nur eine kurze Fahrt entfernt liegt dort das aqua fun Schluchsee. Einen Abstecher wert ist auch der Feldsee-Rundweg. Wenn das Wetter umschlägt, bist du schnell im Trockenen: Das BADEPARADIES SCHWARZWALD in Titisee bietet unter seiner Palmenoase und im Rutschenuniversum Galaxy tropische Bedingungen an 365 Tagen im Jahr. Sportlicher geht es im FUNDORENA - Indoor-Hochseilpark am Feldberg zu, einer großen Indoor-Halle zum Trampolinspringen und Bouldern.
Pack also die Badesachen, vielleicht den Hund, und plane einen Tag ohne Eile ein. Erst eine ruhige Runde um den See, dann ein Sprung ins kühle Wasser oder eine Runde auf dem SUP-Board, und zum Schluss ein Platz auf der Terrasse der Köhlerei mit Blick übers Wasser. Der Windgfällweiher belohnt niemanden, der ihn im Schnelldurchlauf abhakt. Er belohnt die, die bleiben.
Das Strandbad Windgfällweiher hat Saison: Es läuft in der Regel von Pfingsten bis Mitte September und ist stark vom Wetter abhängig, bei Dauerregen bleibt der Badebetrieb geschlossen. Für 2026 startete der tägliche Betrieb am 23. Mai. Die Köhlerei am See baut zudem einen neuen Wintergarten mit Seeblick, der das Haus künftig ganzjährig wetterunabhängig macht.
Gut zu wissen
Reise mit der Dreiseenbahn bis Altglashütten-Falkau an, von dort sind es nur rund zehn Minuten zu Fuß. Aktiviere die KONUS-Gästekarte schon vor der Anreise digital in der Hochschwarzwald App, dann nutzt du dein Smartphone gleich am ersten Tag als Fahrschein und sparst dir die Parkgebühr von 3,00 Euro pro Stunde.