Wer nach der Dreiseenbahn sucht, landet erstaunlich oft in Tirol: Im Skigebiet Kühtai trägt ein Sessellift denselben Namen. Die Dreiseenbahn im Hochschwarzwald hängt an keinem Stahlseil. Sie liegt auf 19,177 Kilometern Gleis zwischen Titisee und Seebrugg, fährt höchstens 80 Stundenkilometer und durchquert den Hochschwarzwald entlang von Titisee, Windgfällweiher und Schluchsee.
Warum dein Auto an diesem Tag besser stehen bleibt
An Sommerwochenenden sind die Parkplätze rund um Titisee und das Feldberggebiet früh erschöpft, die Anreise mit der S-Bahn wird ausdrücklich empfohlen. Wenn du in einer der teilnehmenden Schwarzwald-Gemeinden übernachtest und Kurtaxe zahlst, bekommst du die KONUS-Gästekarte. Damit fährst du beliebig oft und kostenlos in allen regulären Regionalbahnen und Bussen der zweiten Klasse, uneingeschränkt auch zwischen Titisee und Seebrugg. Ein Detail für die Anfahrt aus Freiburg: Eigentlich werden die Züge in Titisee geflügelt, ein Zugteil fährt weiter nach Donaueschingen, der andere über die Dreiseenbahn nach Seebrugg. Wegen anhaltender technischer Störungen an den Kupplungen der Elektrotriebwagen der Baureihe 1440 ist dieses Konzept teilweise ausgesetzt, deshalb musst du derzeit häufig in Titisee umsteigen, statt durchzufahren.
Kommst du doch mit dem Auto, liegt der Bahnhof Schluchsee in der Bahnhofstraße 1 direkt am Wasser, mit rund zwölf kostenfreien P+R-Plätzen. Mehr Platz bietet das Parkdeck am Kurhaus in der Lindenstraße 3, täglich von 07:00 bis 19:00 Uhr geöffnet, an Veranstaltungstagen zusätzlich das Gütergelände in Seebrugg. Der eigentliche Anlaufpunkt ist der Endbahnhof Seebrugg 14 in 79859 Schluchsee: Das Areal des Museumsbahnhofs ist zugänglich, und die Baufortschritte des Vereins kannst du regelmäßig in Augenschein nehmen.






51 Minuten, drei Seen und Fenster, die sich herunterschieben lassen
Die Trasse verläuft von Titisee aus südwärts durchgehend östlich der Gewässer. Deshalb öffnet sich der Blick auf Titisee, Windgfällweiher und Schluchsee immer wieder, ohne dass du dafür aussteigen müsstest. Bei Aha überquert die Bahn eine Ausbuchtung des Schluchsees, das größte Kunstbauwerk der ganzen Strecke. Für eine Richtung braucht der Zug exakt 51 Minuten; wer die Lokomotiv-Umsetzungen in Ruhe anschauen will, plant für den ganzen Ausflug drei bis vier Stunden ein.
Im Museumszug der IG 3-Seenbahn trägt das ehrenamtliche Zugpersonal Uniformen der 1950er Jahre, verlädt Stückgut auf Gepäckkarren, hebt die Kelle zum Abfahrauftrag und entwertet deine Papp-Fahrkarte mit der Zange. Drinnen hast du die Wahl zwischen der hölzernen Sitzbank, im Fachjargon Holzklasse, und den gepolsterten Kunstledersitzen. Die großen Fenster lassen sich vollständig nach unten schieben, dazu kommen offene Plattformen an den Wagenenden. An Dampftagen liegt dann genau das in der Luft, was moderne Züge nicht mehr liefern: Ruß, Kohle und heißes Öl.
Setz dich auf der Fahrt von Titisee nach Seebrugg unbedingt in Fahrtrichtung rechts. Nur von dieser Seite hast du den ungetrübten, direkten Blick auf die Wasserflächen von Titisee, Windgfällweiher und Schluchsee.
Hundert Jahre Dreiseenbahn: vom Abriss gerettet
Eröffnet wurde die Strecke 1926, geplant war ursprünglich eine Weiterführung über St. Blasien bis an den Hochrhein, gebaut wurde sie nie weiter als bis Seebrugg. Ein Rekord blieb trotzdem hängen: Der Bahnhof Feldberg-Bärental liegt auf 967 Metern und ist damit der höchstgelegene Regelspurbahnhof der Deutschen Bahn. Heute stuft das Landesamt für Denkmalpflege die gesamte Anlage samt aller Bahnhofsgebäude als raumbedeutsames Kulturdenkmal ein.
Nach dem Ende des Fernverkehrs drohte den Gleisanlagen in Seebrugg, die im Originalzustand der 1950er Jahre verblieben waren, der Abriss. Am 13. Januar 2008 gründeten acht Eisenbahnenthusiasten die Interessengemeinschaft 3-Seenbahn mit Sitz in Schluchsee, erwirkten einen Baustopp und schickten im August 2008 die ersten Dampfzüge mit der Lokomotive 64 419 auf die Strecke. Was daraus geworden ist, kannst du in Seebrugg abschreiten: den historischen Wasserkran aus Konstanz, die sanierte Seitenladerampe des Güterbahnhofs und die E-Lok E44 1170 von 1944, die von 1960 bis 1979 selbst zwischen Freiburg und Seebrugg im Dienst stand.
Fahrkarte in bar, Abfahrt um halb zehn
Beim Fahrplan musst du sauber trennen, sonst stehst du am falschen Tag am Gleis. Die Regelzüge der DB Regio bedienen die Strecke stündlich, ihr Fahrplan ändert sich beim bundesweiten Fahrplanwechsel im Dezember. Der historische Zug der IG 3-Seenbahn fährt dagegen nur an Wochenenden der Sommersaison, startet in Seebrugg um 09:32, 12:32 und 15:32 Uhr. Unterwegs hält er in Schluchsee (09:39, 12:39, 15:39), Aha (09:49, 12:49, 15:49), Altglashütten-Falkau (09:55, 12:55, 15:55) und Feldberg-Bärental (10:00, 13:00, 16:00) und ist um 10:12, 13:12 und 16:12 Uhr in Titisee. Zurück fährt er ab Titisee um 10:44, 13:44 und 16:44 Uhr über Feldberg-Bärental (10:58, 13:58, 16:58), Altglashütten-Falkau (11:03, 14:03, 17:03), Aha (11:10, 14:10, 17:10) und Schluchsee (11:19, 14:19, 17:19), Ankunft Seebrugg um 11:23, 14:23 und 17:23 Uhr.
Beim Bezahlen wird es dann altmodisch, und das ist so gewollt. Einen Online-Vorverkauf gibt es nicht: Die Tickets bekommst du beim Schaffner im Zug oder am Schalter im Bahnhof Seebrugg. Im Zug zahlst du nur bar und am besten passend; mit Karte kommst du ausschließlich am Schalter in Seebrugg weiter, der an den Fahrtagen geöffnet ist. Was du zahlst, hängt daran, was vorne hängt: Fahrten hinter der historischen E-Lok sind günstiger als die Fahrtage mit Dampf, und die einfache Fahrt kostet weniger als Hin- und Rückfahrt. KONUS-Gästekarte und Deutschland-Ticket gelten im regulären S-Bahn-Verkehr ohne Aufpreis, in den Museumszügen dagegen nicht, weil es private Sonderfahrten sind. Auch die Hochschwarzwald Card ist hier kein Partner.
Aktueller Hinweis: 2026 wird die Strecke 100 Jahre alt. Der Museumsverkehr der IG 3-Seenbahn läuft zwischen dem 19. Juli und dem 13. September 2026 an den Wochenenden, mit Dampf am 23. und 30. August sowie am 6. September, an den übrigen Tagen mit historischen Elektroloks. Am 15. und 16. August 2026 wird das Bahnhofsgelände in Seebrugg zum Historischen Bahnhofsfest: Unter dem Motto „Eine Zeitreise durch 100 Jahre Veränderung des Bahnhofs im Hochschwarzwald“ entstehen ein Festplatz mit Gastronomie, Live-Vorführungen historischer Industriezweige und Ausstellungen. Am 2. Dezember 2026 lädt der Verein zu einer großen Bilderreise ins Kurhaus Schluchsee.
Was sich in der Nähe noch lohnt
Seebrugg ist ein guter Startpunkt für den Rest des Tages. Am Endbahnhof beginnt der Jägersteig Schluchsee, und zu Fuß erreichst du die Talsperre, deren 240 Meter lange und 63,5 Meter hohe Staumauer frei begehbar ist. Dort findest du auch Müllers Bootsvermietung an der Staumauer - Tretbootverleih. Der Schluchsee ist mit 5,1 Quadratkilometern der größte See im Schwarzwald, sein Rundweg misst 18 Kilometer und wirkt deutlich ruhiger als der belebte Titisee mit Promenade und Souvenirläden.
Jede Station hat ihr eigenes Programm. In Aha liegt das Strandbad direkt am Haltepunkt, die einzige ausgewiesene öffentliche Bademöglichkeit am Schluchsee, und nur wenige Minuten entfernt liegt der Windgfällweiher. Der Bahnhof Schluchsee-Ort liegt unmittelbar am Wasser, kurze Wege führen zum beheizten Erlebnisbad aqua fun Schluchsee, zum Bootsverleih und zur Anlegestelle der Seerundfahrten mit der MS Schluchsee. Einen Abstecher wert ist von hier aus auch der Spaßpark Hochschwarzwald. In Feldberg-Bärental bringen dich Anschlussbusse hinauf ins Feldberggebiet. Lass das Auto an der Unterkunft und nimm dir den ganzen Tag.