Wer früher nachts durch das Taubenmoos stolperte, bekam der Überlieferung nach Gesellschaft: Das Schweinewiibli, eine Bernauer Sagengestalt, soll trunkene Bauern ins Moor gelockt haben und hat es angeblich auch auf den Tascheninhalt heutiger Wanderer abgesehen. Solche Geschichten haben die Bernauer an ihren Rundweg gehängt, statt nur Baumarten aufzuzählen. Der Zauberwald Bernau führt dich auf 2,5 Kilometern durch ein Hochmoor, in dem ein drei Meter hoher Merlin aus Holz Wache hält, 20 geschnitzte Tiere teils offen am Wegesrand und teils versteckt im Unterholz stehen und der statistisch kälteste Ort Baden-Württembergs direkt neben dem Weg liegt.
2,5 Kilometer, 40 Höhenmeter: die Route im Zauberwald Bernau
Die Runde ist kurz, und das ist Absicht: 2,5 Kilometer stehen auf dem Schild, GPS-Aufzeichnungen kommen inklusive Zuweg vom Parkplatz auf bis zu 2,7 Kilometer, dazwischen liegen nur 33 bis 40 Höhenmeter. Wer ohne Kinder durchmarschiert, ist nach knapp einer Stunde zurück.
Mit der eigentlichen Zielgruppe dauert es länger: 15 Geschichten-, Spiel- und Informationsstationen liegen am Weg, dazu Rätselaufgaben und Plätze zum Vespern. Familien planen realistisch 1,5 bis 2,5 Stunden ein; empfohlen ist der Pfad für Kinder zwischen 4 und 10 Jahren.
Der Untergrund wechselt ständig: rund 1,78 Kilometer naturbelassener Waldweg mit Holzschnitzeln und Rindenmulch, 0,31 Kilometer fester Kies- und Forstweg, 0,27 Kilometer Wurzeln und lose Steine, 0,15 Kilometer schmale Holzstege über das Moor. Gastronomie gibt es unterwegs keine; das Gasthaus Hütte Bernau liegt in unmittelbarer Nähe, an Hochsommer-Wochenenden öffnet zudem ein kleiner bewirteter Kiosk am Wanderparkplatz.






Merlin, 20 Holztiere und ein Wasserrad am Rönischbächle
Schon auf den ersten Metern steht Merlin am Weg, drei Meter hoch, aus Holz geschnitzt, symbolischer Wächter über das Hochmoor und Leitfigur des Pfades.
Das Herzstück für die Kleinen ist der Pirsch-Pfad: 20 geschnitzte Waldtiere, manche offen am Wegesrand, andere so ins Unterholz gesetzt, dass sie erst beim zweiten Hinsehen auftauchen. Fuchs, Dachs, Hirsch, Eichhörnchen, Specht, Gams, Wolf und der für den Schwarzwald typische Auerhahn wollen gefunden werden.
Dazwischen liegen Stationen zum Anfassen: Am Rönischbächle dreht sich ein hölzernes Wasserrad und speist Wasser in Rinnen, Baumstämme laden zum Balancieren ein, Kletterbäume geben den Blick über die Moorlandschaft frei, ein kleines Hutzelpilz-Dörfchen lenkt ihn auf den Waldboden. Auf halber Strecke steht das Hexenhüttle, ein Spielhäuschen mit Bänken und Tisch.
Der kälteste Ort Baden-Württembergs liegt gleich neben dem Weg
Das Taubenmoos ist kein beliebiges Stück Wald: Das postglaziale Tal entstand nach der letzten Eiszeit vor rund 10.000 Jahren, umfasst etwa 205 Hektar und steht seit 2007 unter Naturschutz. Deshalb führen die Holzstege so konsequent über die nassen Passagen. Auf den Moorflächen dominieren Torfmoose, dazwischen wachsen Heidelbeere, Heidekraut, Farne, Wollgras und große Bestände der Rauschbeere.
In einer Senke nahe der Messstation am Alten Moor passierst du den statistisch kältesten Ort Baden-Württembergs: Kaltluft staut sich in der Bodenmulde, Temperaturunterschiede von bis zu 30 Grad Celsius an einem einzigen Tag sind möglich, und selbst im Hochsommer wird es hier überraschend kühl. Zum Schluss öffnet sich der Pfad zu den Weiden des Hochtals, von einem Wegkreuz reicht der Blick bis zum 1.415 Meter hohen Herzogenhorn, dem zweithöchsten Gipfel des Schwarzwaldes.
Anreise, Parkautomat und der Dienstag um 14 Uhr
Start und Ziel ist der Wanderparkplatz Steinernes Kreuz am Loipenzentrum in Oberlehen an der Todtmooser Straße (L 146). Rund 30 Fahrzeuge finden Platz, das Parken kostet 1,20 Euro je angefangene Stunde und höchstens 6,00 Euro am Tag; der Automat läuft täglich von 8 bis 18 Uhr, nimmt Karte und Münzen und gibt kein Wechselgeld heraus.
Ohne Auto geht es genauso gut: Die Haltestelle Bernau Loipenzentrum liegt direkt am Parkplatzeingang und wird von der Linie 7321 des Waldshuter Tarifverbunds zwischen Todtmoos, Bernau und St. Blasien bedient, von St. Blasien sind es 20 Minuten. Übernachtungsgäste fahren mit der KONUS-Gästekarte kostenfrei, die der Gastgeber beim Check-in ausstellt; sie gilt die gesamte Aufenthaltsdauer in der 2. Klasse, ausgenommen Anreisetag sowie ICE und IC.
Der Weg selbst ist frei begehbar, ohne Kasse und ohne Voranmeldung, von Anfang April bis Ende Oktober täglich. Wer mehr Hintergrund möchte, geht mit: Von Mitte April bis Mitte Oktober startet dienstags um 14:00 Uhr eine 2 bis 2,5 Stunden lange Wanderung mit der zertifizierten Wander- und Naturführerin Irmgard Baur. Erwachsene zahlen 3,00 Euro, das Familienticket kostet 6,00 Euro und schließt die Kinder ein, mit der Bernauer Gästekarte ist die Teilnahme frei; anmelden musst du dich am Tag der Führung bis 10:00 Uhr bei der Tourist-Information Bernau. An Sonderterminen freitags um 10:00 Uhr basteln Kinder Waldwichtel, das Material kostet 4,00 Euro.
Verpflegung und Abfalleimer gibt es unterwegs nicht, also Vesper, Getränke und eine Tüte für den Müll einpacken; im feuchten Hochmoor lohnt Insektenschutz, danach ein Kontrollblick auf Zecken. Barrierefrei ist der Pfad nicht: Für Rollstühle und Rollatoren ist der Untergrund ungeeignet, mit Kinderwagen brauchst du ein geländegängiges Modell mit großen Luftreifen.
Gut zu wissen
Tipp fürs Navi: Gib nicht blind Loipenzentrum Bernau ein. In manchen Kartendatenbanken hängt daran eine abweichende administrative Adresse, die dich rund 1,5 Kilometer durch Wohngebiete in die Irre führt. Zuverlässiger sind die Kreuzung Todtmooser Straße in Oberlehen, das Gasthaus Hütte Bernau oder der Wanderparkplatz Steinernes Kreuz.
Ausflugsziele in der Nähe
Weil die Runde höchstens 2,5 Stunden kostet, bleibt der Tag offen. Nur zwei Kilometer entfernt zeigt das Schwarzwälder Holzschneflermuseum Resenhof in einem Schwarzwaldhof von 1789 die traditionelle Holzverarbeitung, und im 2,2 Kilometer entfernten Innerlehen widmet sich das Hans-Thoma-Kunstmuseum dem in Bernau geborenen Maler.
4,3 Kilometer weiter liegt das Nachbartal Menzenschwand, wo die Menzenschwander Wasserfälle einen Abstecher wert sind. In St. Blasien, 20 Busminuten entfernt, findest du das Kreismuseum St. Blasien, und in erreichbarer Nähe warten außerdem der Wichtelpfad Feldberg und das Haus der Natur.
Am schönsten ist der Pfad an einem trockenen Sommertag: Vesper, Mückenspray und einen Pullover einpacken, das Auto am Steinernen Kreuz abstellen und die Kinder vorauslaufen lassen. Merlin steht schon auf den ersten Metern, und den ersten Fuchs im Unterholz findet garantiert nicht der Erwachsene zuerst.