1927 beginnt Hermann Matt in einer Todtmooser Backstube seine Lehre und lernt dort Hanni Zimmermann kennen, die Nichte des kinderlosen Gründers Johann Zimmermann. 1943 heiraten die beiden und übernehmen den Betrieb. Den eigenen Familiennamen über die Tür zu schreiben, verkneifen sie sich trotzdem: Im Ort gibt es damals bereits ein Café Mack, und zur Vermeidung von Verwechslungen bleibt es beim längst eingeführten Namen. Deshalb liest du bis heute Café Zimmermann Todtmoos, wenn du am Kurparkweg vor dem Haus stehst. Geführt wird es inzwischen in vierter Generation.
Öffnungszeiten im Café Zimmermann Todtmoos: zwei Ruhetage, die du dir merken solltest
Die wichtigste Information zuerst, weil sie den ganzen Ausflug entscheidet: Mittwoch und Donnerstag sind ganzjährige Ruhetage. Dann bleiben beide Betriebsteile zu, die Bäckerei genauso wie der bewirtete Cafébereich.
An allen anderen Tagen ist geöffnet, allerdings mit zwei verschiedenen Startzeiten. Bäckerei und Konditorei beginnen montags, dienstags und freitags um 7:00 Uhr, samstags schon um 6:30 Uhr, sonntags und an Feiertagen um 7:30 Uhr, jeweils bis 17:30 Uhr. Der bewirtete Cafébereich mit Tischservice öffnet an allen Tagen erst um 8:00 Uhr. Die frühe Samstagsöffnung ist gelebte Bäckerlogik: Wer eine lange Etappe vor sich hat, deckt sich vor dem Frühstückstrubel mit tagesfrischem Speckbrot oder Brötchen ein und ist unterwegs, bevor die ersten Kaffeetassen klappern.
Betrieben wird ganzjährig, ohne die langen saisonalen Schließzeiten, die man aus manchem Höhenort kennt. Das macht das Haus zur verlässlichen Adresse für einen Tag, an dem der Regen waagerecht über die Höhen zieht: Das Backhandwerk findet drinnen statt, das Tortenseminar erst recht.
Von Nudeln, Lebkuchen und Pilgern: wie 1911 alles anfing
Die Geschichte beginnt in der Herrenmühle. Dort bauen die Brüder Josef und Johann Zimmermann ab 1911 eine kleine Manufaktur auf, die zunächst Nudeln und Lebkuchen herstellt. Das war ein präziser Griff ins Ortsgeschehen: Todtmoos ist ein bedeutender katholischer Wallfahrtsort, und rund um die Kirche reihen sich die Wallfahrtsstände. Genau dorthin liefern die Brüder ihre eigens kreierten Lebkuchen.
Die Pilger nehmen sie als sogenannte „Chrömli“ mit nach Hause, ein alemannischer Ausdruck für kleine Mitbringsel. So entsteht der Original Todtmooser Lebkuchen, der bis heute nach den Rezepturen der Gründerzeit gefertigt wird und oft mit Mandeln verziert in der Auslage liegt.
1913 folgt die offizielle Gründung des Cafés, damit blickt das Haus auf über hundert Jahre durchgehende Tradition zurück. Später kommt die Bäckerei dazu, die Todtmoos, Ibach und Herrenschwand mit Mehl und Backwaren versorgt. 1987 übernimmt die dritte Generation, Gerhard und Monika Matt, seit Mai 2017 stehen Alexander und Radka Matt an der Spitze: elf kernsanierte Nichtraucherzimmer im angeschlossenen Drei-Sterne-Hotel, ein aufgewerteter Gastraum, dazu ein Onlineshop, über den Lebkuchen, Brot und zur Weihnachtszeit Christstollen versendet werden.
Der Original Todtmooser Lebkuchen, der das Fundament für den bis heute anhaltenden überregionalen Ruf des Hauses legte.
45 Minuten in der Backstube: das Schwarzwälder-Kirschtorten-Seminar
Viele Gäste kommen wegen der Torte. Nicht nur, um sie zu essen, sondern um zu sehen, wie sie entsteht. Im Kirschtorten-Seminar führt dich ein Konditormeister durch die Herstellung, und du merkst schnell, dass es weniger um Zauberei geht als um Reihenfolge und Sorgfalt: dunkler Biskuitteig, üppige Mengen frischer Sahne, Kirschen, geraspelte Schokolade und das hochprozentige Schwarzwälder Kirschwasser, das hier zwingend dazugehört.
Der Ablauf ist kompakt. Auf die Vorführung von rund 40 bis 45 Minuten folgt der Teil, auf den alle warten: ein Stück der frisch zubereiteten Torte, dazu ein Heißgetränk nach Wahl. Damit der Nachmittag nicht folgenlos bleibt, bekommst du ein schriftliches Rezept in die Hand und kannst die Sache daheim in Ruhe nachbauen. Das Seminar findet in der Regel dienstags statt.
Mit der Hochschwarzwald Card ist die Teilnahme einmalig kostenlos, ohne Karte kostet der Platz 19,50 Euro pro Person. Beides funktioniert nur mit Anmeldung, und die hat eine harte Deadline: bis 17:30 Uhr am Vortag, in der Regel also am Montag, Uhr, telefonisch unter +49 7674 90570 oder per E-Mail an info@cafe-zimmermann-todtmoos.de. Die Plätze sind in der Hochsaison schnell vergeben, nicht zuletzt durch die Card-Inhaber, und wer zu spät anfragt, verliert Platz und Anspruch.
Terrasse am Kurpark, Rauschen der Wehra, vegane Raw Cakes
Das Haus liegt ruhig direkt am alten Kurpark. Drinnen finden 70 Gäste Platz, draußen auf der begrünten Terrasse bis zu 90. Der Blick geht unverbaut über die Grünanlagen bis zum historischen Kirchturm, und darunter liegt ein Geräusch, das in Erfahrungsberichten immer wieder auftaucht: die Wehra, die direkt am Grundstück vorbeifließt.
Das Frühstücksbuffet wird von 8:00 bis 11:00 Uhr serviert und steht nach Reservierung auch Gästen offen, die nicht im Haus übernachten: regionale Wurst- und Käsesorten, Lachs, Obst, Eierspeisen und Brotkreationen wie Speckbrot und Burebrot. Nachmittags rechnest du für Kuchen und Kaffeespezialitäten mit 45 bis 90 Minuten, Darjeeling inklusive.
Die eigentliche Überraschung steht in der Vitrine daneben. Das Haus hat sich einen ausgezeichneten Ruf für vegane und alternative Patisserie erarbeitet: täglich wechselnde Kreationen, zuckerfreie Raw Cakes etwa mit Schokolade und Orange, vegane Cheesecakes mit Himbeere oder Heidelbeere, dazu ein veganer Flammkuchen auf hausgemachter Cashewcreme mit Zitrone und Schnittlauch. Laktosefreie und glutenfreie Kost gehört zum Standard, für Familien stehen Hochstühle und ein Kindermenü bereit. An der Trinkwasser-Refill-Station füllst du die eigene Flasche auf.
Anreise, Parken und was die Gästekarte für dich tut
Die Anfahrt ist unkompliziert. Das Grundstück in Vordertodtmoos verfügt über eigene, kostenfreie Parkplätze direkt am Haus, erreichbar über die Kurparkstraße. Die ebenerdige Lage im Talbereich des Kurparks kommt allen entgegen, die schlecht zu Fuß sind oder mit Kinderwagen anrollen.
Ohne Auto geht es genauso gut. Todtmoos erhebt ab dem 16. Lebensjahr eine Kurtaxe von 2,30 Euro pro Person und Tag, und mit dieser Abgabe bekommen Übernachtungsgäste die KONUS-Gästekarte. Sie gilt kostenfrei in Bussen und Bahnen im gesamten Feriengebiet Schwarzwald, allerdings nur in der 2. Klasse und nicht in Fernzügen wie IC oder ICE. Von Freiburg im Breisgau aus bist du mit dem Bus in etwa einer Stunde und 16 Minuten da.
Vor Ort ist das Haus auf Gäste von überall eingestellt: kostenfreies WLAN im gesamten Gebäude, Barzahlung ebenso wie EC-Karte (Maestro), Visa und Mastercard. Hunde dürfen grundsätzlich mit, im Restaurantbereich bittet das Team um eine kurze Absprache.
Gut zu wissen
Ausflugsideen für danach: die Nähe erkunden
Das Café liegt praktisch auf der Route zweier Wanderwege. Der 12,5 Kilometer lange Lebküchlerweg erzählt die Geschichte der lokalen Backkunst und lässt sich hier ideal starten oder beenden. Der überregional bekannte Schluchtensteig macht Todtmoos zum Scharnier: Etappe 5 endet im Ort, Etappe 6 beginnt hier.
Mit Kindern reicht nach dem Kuchen oft schon der 3,5 Kilometer kurze Spürnasenpfad. Wer mehr Höhenmeter will, startet Richtung Feldberg oder Herzogenhorn, das bei klarer Sicht mit Panoramablicken bis zu den Schweizer Alpen und den Vogesen belohnt. Kühler wird es in der Wehratal-Schlucht, und einen Abstecher wert sind die Menzenschwander Wasserfälle.
Nicht weit entfernt liegen außerdem das Freilichtmuseum Klausenhof Herrischried und das Hallenbad Herrischried, gut erreichbar ist auch das Kreismuseum St. Blasien. Und wenn das Wetter alpine Pläne vereitelt, spielt die KONUS-Karte ihre Stärke aus: Sie bringt dich ohne zusätzliche Fahrtkosten ins überdachte Badeparadies Schwarzwald nach Titisee-Neustadt oder zu einem Stadtbummel nach Freiburg im Breisgau. Kostenfrei ist dabei die Fahrt, nicht der Eintritt.
Bitte das Personal bei gutem Wetter um einen Platz am äußeren Rand der Terrasse. Von dort geht der Blick unverbaut über die Anlagen des Kurparks bis zum historischen Kirchturm, und das Fließen der Wehra ist genau hier am deutlichsten zu hören.