Am 23. Juli 1768 fraß sich ein Großbrand durch die zweitürmige Barockkirche von St. Blasien und legte weite Teile des Klosters in Schutt. Einige Mönche wollten danach lieber ins Bonndorfische umziehen. Fürstabt Martin II. Gerbert entschied anders: Er ließ an alter Stelle neu bauen, und zwar etwas radikal Neues. Die Steine kamen aus den Brüchen von Alpfen, rumpelten auf eigens angelegten Holzbahnen durch den Stiegwald hinab nach Niedermühle und dann albtaleinwärts zur Baustelle. Am 8. November 1781 segnete Gerbert den Bau, drei Tage später hielt er darin den ersten Gottesdienst. Genau diese Geschichte, und wie aus ihr eine gewaltige weiße Kuppel im engen Tal wurde, erzählt dir die Domführung St. Blasien in rund einer Stunde. Du stehst dabei nicht vor einem Museumsstück, sondern in einer Kirche, in der sonntags Messe gefeiert wird.
Was die Domführung St. Blasien kostet und wie du dabei bist
Zuerst das Schöne: Den Dom selbst betrittst du ohne Eintritt. Von April bis Oktober ist er täglich von 08:30 bis 18:30 Uhr offen, von November bis März von 08:30 bis 17:00 Uhr, sonntags jeweils erst ab 09:00 Uhr. Während der Messen ist keine Besichtigung möglich, unter anderem donnerstags um 18:00 Uhr, samstags um 19:00 Uhr sowie sonntags um 10:00 und 11:15 Uhr. Bezahlt wird nur die geführte Runde mit einem der autorisierten Domführer der Gemeinde. Erwachsene zahlen 6,00 Euro, mit Gästekarte sind es 5,00 Euro, Kinder bis 15 Jahre zahlen 3,00 Euro. Ein eigenes Familienticket gibt es nicht, die Staffel nach Alter hält den Ausflug trotzdem überschaubar.
Mit der Hochschwarzwald Card nimmst du einmal kostenlos teil. Dabei stolpern viele über dasselbe Detail: Die Karte zeigst du nicht dem Domführer. Den QR-Code musst du vor Beginn in der Tourist-Information im Haus des Gastes scannen lassen, sie liegt gleich neben dem Dom.
Offene Termine für Einzelgäste gibt es an einzelnen Tagen, meist am Freitagnachmittag. Weil sich das verschiebt, lohnt vorher ein Blick in den Veranstaltungskalender der Tourist-Information, dort meldest du dich auch online an. Reisegruppen buchen eigene Zeitfenster von Montag bis Samstag über das Pfarrbüro, auf Wunsch auch auf Englisch oder Französisch. Für die offenen Führungen gilt eine Mindestzahl von fünf Personen, sonst kann bis 12 Uhr am Führungstag abgesagt werden.








Zwanzig Säulen, eine Halbkugel und ein Rechenkunststück
Pierre Michel d’Ixnard, der französische Architekt, den Gerbert holte, hatte den Dôme des Invalides in Paris und das Pantheon in Rom im Kopf. Heraus kam eine Rotunde, die dir beim ersten Schritt hinein den Kopf in den Nacken zieht. Die Kuppel spannt sich über 36 Meter und steigt innen auf 62 Meter. Nördlich der Alpen gibt es keine größere Kuppelkirche.
Getragen wird sie von 20 freistehenden korinthischen Säulen. Jede misst 18 Meter, und das ist kein Zufall: 18 Meter sind genau der Radius der Halbkugel darüber. Auch der langgestreckte Mönchschor fügt sich ein, er ist zweimal 18 Meter lang. Dein Domführer zeigt dir diese Abhängigkeiten gern, und plötzlich verstehst du, warum sich der riesige Raum so ruhig anfühlt.
Draußen setzt das Bauwerk noch einen drauf. Auf der Kuppelspitze sitzt eine goldfarbene Kugel, der Reichsapfel, darüber ein vergoldetes Kreuz. Zusammen bringen sie den Dom auf 63 Meter und erinnern daran, dass hier einmal eine Reichsabtei regierte.
Der Dom ist Licht und Weite
Weißer Zopfstil, schwarze Orgel und ein Himmel in Pastell
Wer süddeutschen Barock mit Engelchen und Goldschnörkeln erwartet, wird überrascht. Wände, Stuck und Säulen sind in reinem Weiß gehalten, im strengen Zopfstil des Frühklassizismus. Das Licht fällt herein und bleibt im Raum, als hätte jemand den Lärm draußen abgestellt. Der frühere Pfarrer Pater Kappeler SJ sagte, der Dom nehme seine Besucher mit seiner Klarheit gleichsam in den Arm.
Gegen das Weiß stehen zwei dunkle Akzente: das schlichte Holzgestühl und die schwarze Dom-Orgel am Ende des Mönchschors, die auf vier Granitstützen ruht. Hebst du den Blick, siehst du hoch oben das pastellfarbene Deckengemälde mit der Aufnahme Mariens in den Himmel. Es stammt nicht aus Gerberts Zeit, sondern entstand 1912 beim Wiederaufbau.
Ganz still wird es an den Reliquien des Namenspatrons. Ein Teil der Gebeine des Heiligen Blasius liegt in einem Reliquienschrein mit schlichtem Goldkreuz, der aus einem Schweizer Antiquariat stammt. Weitere Reste sind fest in den weißen Marmoraltar eingelassen. In einem Seitenschiff wartet außerdem eine kleine Kapelle mit Marienaltar, Taufbecken und einer Stele mit Psalm 23.
Zwei Brände, vierzehn Habsburger und ein Dom, der keiner ist
Gerbert dachte politisch. 1770 ließ er die Gebeine von 14 frühen Habsburgern aus der Schweiz in den Schwarzwald bringen und machte seine neue Kirche so zur habsburgischen Grabeskirche. Lange blieben sie nicht. Mit der Säkularisation 1806 wurde das Kloster aufgehoben, die Habsburger kamen nach St. Paul im Lavanttal in Österreich, und die berühmte Orgel von Andreas Silbermann ging verloren. 1874 brannte das Innere dann ein zweites Mal vollständig aus.
Der Wiederaufbau zog sich hin, erst 1913 wurde der Dom erneut eingeweiht. Den strahlend weißen Raum, den du heute siehst, verdankt er einer gründlichen Renovierung von 1981 bis 1983, die Gerberts Idee so getreu wie möglich zurückholen sollte. Die ersten Mönche hatten sich übrigens schon im 9. Jahrhundert hier niedergelassen, als Cella Blasii.
Und noch etwas erfährst du, das viele überrascht: Ein Dom im kirchenrechtlichen Sinn ist das Bauwerk gar nicht. In St. Blasien saß nie ein Bischof, korrekt wäre Münster. Der Name Schwarzwalddom hat sich trotzdem durchgesetzt. Heute ist die Kirche Pfarrkirche der katholischen Gemeinde St. Blasius.
Kuppelstaunen für Kinder, Sitzplätze für Genießer, Trockenheit bei Regen
Kinder beeindruckt schon die schiere Größe. Damit die Klostergeschichte nicht zum Vortrag wird, gibt es in den Sommermonaten von Juni bis September freitags um 11:00 Uhr eine eigene Kinderführung. Danach passt die Geocaching-Tour „Die Wälder der Mönche“, die direkt am Dom startet: Mit GPS-Gerät zieht ihr durch den Wald und löst Rätsel darüber, wie die Benediktiner hier lebten.
Ältere Gäste haben es angenehm leicht. Vom zentralen Parkplatz sind es etwa 100 Meter ebenerdig bis zum Dom, links an der Hauptfassade liegt ein stufenfreier Eingang, der auch mit dem Rollstuhl passt. Viele Führungen bitten die Gruppe ohnehin, in den Bänken der Rotunde Platz zu nehmen und den Raum im Sitzen zu erspüren.
Regnet es und die Wanderung fällt aus, ist der Dom eine gute Wahl. Das Weiß hält den Raum auch bei trübem Himmel hell. Im Sommerhalbjahr kommen die Internationalen Domkonzerte dazu. Der lange Nachhall der Kuppel macht Orgel und Chorgesang zu einem Erlebnis, ganz im Sinne von Albert Schweitzer, der meinte, Orgelmusik benötige steinerne Hallen.
Nimm dir nach der Führung ein paar Minuten und setz dich auf einen der Stühle mitten in der Rotunde. Schließ die Augen und hör einfach zu: Jedes Geräusch hallt mehrere Sekunden durch die Kuppel. So verstehst du d’Ixnards Raum besser als mit jedem Foto. Und wenn du die Hochschwarzwald Card hast, lass sie vorher in der Tourist-Information im Haus des Gastes scannen, dann ist die Führung für dich einmal kostenlos.
Mehr Ausflugsziele rund um St. Blasien
Bevor du weiterfährst, lohnt ein kurzer Bummel durch die Domstadt. Die Schmidt Arkaden zeigen eine Schindelfassade mit kunstvoller hölzerner Balkonkonstruktion, und am Amtsgericht schmückt eine barocke Sonnenuhr die Fassade, ein hübscher Gegenpol zum strengen Dom. Einen Abstecher wert ist außerdem das Kreismuseum St. Blasien.
Im Nachbartal Menzenschwand stehen noch viele alte Schwarzwaldhöfe, dazu rauschen die Menzenschwander Wasserfälle, und du kannst das Geburtshaus des Malers Franz Xaver Winterhalter besuchen. In Bernau erzählt das Resenhof Museum vom bäuerlichen Leben und der Holzschneidekunst der Region. Am Schluchsee tauschst du die Stille der Kuppel gegen Bootstour und Uferweg, und in Todtmoos wartet eine Wallfahrtskirche zwischen waldreichen Schluchten. Gut mit dem Dombesuch verbinden lassen sich auch der Windbergwasserfall, der Zauberwald-Pfad Bernau und die Dreiseenbahn. Plan deinen Tag also ruhig mit dem Dom als Anker: anmelden, Card scannen lassen, eine Stunde staunen und dann hinaus ins Albtal.