Was kostet dich ein Konzertabend im barocken Festsaal des Kollegs St. Blasien, wenn die Hochschwarzwald Card in deiner Tasche steckt? Keinen Cent, sofern du rechtzeitig an der Abendkasse stehst und dort noch Restplätze frei sind. Reservieren lässt sich dieser Gratisplatz beim Schwarzwald Musikfestival nämlich ausdrücklich nicht. Genau daraus ist ein kleines Ritual geworden: in der Regel eine Stunde vor Konzertbeginn öffnet die Kasse, und wer die Karte einlösen will, steht längst davor.
Zwanzig Euro Einstieg, und bis 16 zahlt niemand
Die Preisliste liest sich freundlicher, als man es von Klassikkonzerten kennt. Einzelkarten beginnen bei 20,00 Euro, je nach Platzkategorie und Veranstaltung reicht die Spanne bis 75,00 Euro. Schüler, Auszubildende, Bundesfreiwilligendienstleistende, Studenten, Arbeitslose und Schwerbehinderte zahlen gegen gültigen Ausweis die Hälfte.
Bei Familien wird es auffällig: Kinder und Jugendliche bis einschließlich 16 Jahre kommen in Begleitung eines Erwachsenen kostenfrei ins Konzert, jede weitere erwachsene Begleitperson ab 17 Jahren zahlt über den Tarif Familienpreis+ die Hälfte, buchbar nur direkt beim Festivalbüro. Ab drei zusammen gebuchten Konzerten gibt das Festival-Wahlabo 15 Prozent auf jede Karte, bei Sonderkonzerten können die Ermäßigungen ausgeschlossen sein.
Die Hochschwarzwald Card bringt dir einmalig freien Eintritt zu einem Konzert, in der dann bestmöglichen verfügbaren Kategorie: nur an der Abendkasse, nur nach tagesaktueller Verfügbarkeit von Restplätzen, keine Vorabreservierung. Dasselbe gilt für die SchwarzwaldPlus Karte und die käufliche SchwarzwaldCard.

Wie das Schwarzwald Musikfestival nach St. Blasien kam
Angefangen hat alles 1986 weiter nördlich: Die Internationalen Schwarzwald Musiktage spielten unter der Leitung des österreichischen Geigers Luz Leskowitz in Baiersbronn, Klosterreichenbach und Freudenstadt. Der Bruch kam 1997, als die Kurverwaltungen vor der 400-Jahr-Feier der Stadt Freudenstadt einen Wettbewerb für eine außergewöhnliche Kulturveranstaltung ausschrieben, den der Dirigent Mark Mast mit der Idee gewann, das lokale Format auf den gesamten Schwarzwald auszuweiten.
1998 lief die erste Saison unter seiner Intendanz, und er prägt das Festival bis heute. Zwischen 1998 und 2022 wurden annähernd 60 Spielorte bespielt, von Ettlingen im Norden bis St. Blasien im Süden. Getragen wird das Ganze von einer gemeinnützigen Gesellschaft mit Landkreisen, Kommunen und der Hochschwarzwald Tourismus GmbH als Gesellschaftern. Eine zentrale Bühne gibt es bis heute nicht, dafür Klassik, Jazz, Weltmusik von Klezmer bis Tango Nuevo, Pop, Rock, Kleinkunst und Crossover.
Ein Gymnasium mit Internat, in dem abends Kammermusik spielt
Der Saal hat eine lange Vorgeschichte, sie beginnt mit der Cella Blasii im 9. Jahrhundert. Zwischen 1727 und 1747 ließ Fürstabt Franz II. Schächtelin die Klosteranlage durch den Baumeister Michael Beer von Blaichten in der Form errichten, die das Stadtbild bis heute bestimmt. Nach der Säkularisation 1806 kam industrielle Nutzung, 1933 erwarb der Jesuitenorden den Komplex, 1934 wurde das Kolleg St. Blasien gegründet.
Heute ist das Kolleg ein staatlich anerkanntes katholisches Gymnasium mit Internat, rund 800 Schüler werden hier nach der jesuitischen Tradition der cura personalis unterrichtet, etwa 300 leben vor Ort. Der Kulturbetrieb läuft mitten im Schulalltag mit, entsprechend respektvoll gehst du mit den Räumen um. Gespielt wird im restaurierten barocken Festsaal, den Musiker wie Publikum wegen seiner Raumakustik schätzen; er ist auch Heimat der Klosterkonzerte St. Blasien. Im selben Ort steht der Dom St. Blasius mit der größten Kirchenkuppel nördlich der Alpen.
Preisträger, Pferdekopfgeige und Turnschuhe in der Probe
Ein überregional beachtetes Markenzeichen ist die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Musikwettbewerb der ARD: Unter dem Titel „Winners“ erarbeiten junge Preisträgerinnen und Preisträger in einer intensiven Probenphase gemeinsame Programme und spielen sie als Kammermusikkonzerte, in der Vergangenheit etwa der Pianist Lukas Sternath und das Chaos String Quartett. Daneben standen Max Mutzke mit monoPunk, die Jazzsängerin Alma Naidu und das Blechbläserensemble German Brass auf dem Spielplan.
Plane die Stunde davor bewusst ein: Bei den meisten Aufführungen startet exakt 60 Minuten vor Beginn eine Konzerteinführung, in der Mark Mast oder die Künstler selbst erzählen, was gleich passiert. Für Kinder gibt es unter dem Dach „Kinder entdecken Klassik“ offene Probenbesuche ohne Kleiderordnung, Turnschuhe statt Lackschuhe, dazu moderierte Orchesterproben ohne Anmeldung. Von Mitte Juli bis Anfang September laufen im Dom zusätzlich die Internationalen Domkonzerte.
Die 28. Ausgabe des Schwarzwald Musikfestivals läuft 2026 über 18 Tage vom 8. bis 25. Mai 2026 mit 16 Konzerten an 11 Spielstätten, Schirmherr ist Manuel Hagel (MdL). Zu Terminen, Künstlern und Werken am Spielort St. Blasien lag zum Recherchezeitpunkt keine belastbare Quelle vor, sie stehen im Spielzeitflyer des Festivalbüros. Die Saison 2027 ist bereits terminiert: 30. April bis 17. Mai 2027.
Von der Dreiseenbahn zur Abendkasse
Feste Öffnungszeiten gibt es nicht, es zählt der Konzerttermin. Abendkonzerte starten zumeist um 19:00 oder 19:30 Uhr, die Abendkasse öffnet in der Regel eine Stunde davor, zeitgleich mit der Konzerteinführung; das Konzert selbst dauert rund zwei Stunden.
Mit dem Auto kommst du aus Richtung Frankfurt und Basel über die A5 bis zur Ausfahrt Freiburg-Mitte und dann über B31 und B500 am Titisee und am Schluchsee vorbei, aus Richtung Stuttgart über die A81, Ausfahrt Donaueschingen, und ebenfalls die B500. Geparkt wird zentral entlang der Hauptstraße, von dort sind Dom und Kolleg in wenigen Gehminuten erreicht.
Ohne Auto fährst du mit der Dreiseenbahn bis zur Endstation Seebrugg am Schluchsee und von dort mit dem Linienbus in rund 20 Minuten weiter, über die Bahnstation Waldshut dauert die Busfahrt etwa 45 Minuten. Beides kostet dich als Übernachtungsgast nichts: Die KONUS-Gästekarte bekommst du bei der Anmeldung automatisch, sie gilt im gesamten Schwarzwald im Nahverkehr der 2. Klasse, Fernzüge wie IC und ICE sind ausgenommen. Karten gibt es über die offizielle Website des Festivals und über Reservix, den Familienpreis+ nur direkt beim Festivalbüro. Und wenn du die Card einlöst: überpünktlich an der Abendkasse sein.
Was sich in der Nähe noch lohnt
Der Konzertabend füllt selten den ganzen Tag. Nur 20 Busminuten entfernt liegt der Schluchsee mit dem Ortsteil Seebrugg, der größte See der Region, gut für Bootstouren oder eine Uferwanderung. Direkt benachbart öffnet sich das Menzenschwander Tal mit der geführten „Expedition ins Menzenschwander Tal“ und dem „Wälderfuchs“-Trail, und wer die Architektur verstehen will, bevor er sie abends hört, bucht eine Domführung.
Für Höhenluft sorgt der nahe Feldberg mit geführten E-MTB-Touren im Sommer, die Berg- und Talfahrten der Feldbergbahnen sind in der Hochschwarzwald Card enthalten, ebenso der Eintritt zur Hängebrücke BLACKFORESTLINE in Todtnauberg. Bei Dauerregen bleibt das Badeparadies Schwarzwald in Titisee, rund 25 Fahrminuten entfernt.
Wer länger bleibt, hat weitere Ziele in Reichweite: In St. Blasien selbst lohnen das Kreismuseum St. Blasien im ehemaligen Kloster und der Dom St. Blasius, gut 20 Gehminuten vom Ortskern rauscht der Windbergwasserfall durch seine Bannwald-Schlucht, und in Menzenschwand stürzen die Menzenschwander Wasserfälle über die Granitstufen. Am Schluchsee warten der Jägersteig Schluchsee und das Erlebnisbad aqua fun Schluchsee.
Findet dein Konzert im Dom St. Blasius statt und nicht im Festsaal, nimm auch im Frühsommer eine Jacke oder ein Tuch mit. Das massive Steingebäude mit seiner gewaltigen Kuppel wärmt sich nur langsam auf und hält die Kälte auch an milden Tagen.