Du sitzt auf dem Startbalken einer echten Weltcup-Schanze, echte Sprungski an den Füßen, unter dir kippt der Anlauf mit 35 Grad Neigung ins Tal ab. 210 Stufen hast du dafür erklommen, dein Puls läuft schon ohne Technik auf Betriebstemperatur. Dann setzt du die VR-Brille auf, und der Anlauf beginnt. Das Virtual Reality Ski Jumping an der Langenwaldschanze Schonach lässt dich erleben, was sonst nur Profis spüren: den Moment, in dem der Boden unter dir verschwindet.
Langenwaldschanze Schonach: dein Sprung aus der Ego-Perspektive
Der Weg nach oben ist Teil der Dramaturgie. 210 Stufen führen den Anlaufturm hinauf, rund 37 Meter Höhenunterschied, und mit jeder Stufe wird der Blick hinab ins Tal steiler. Spätestens auf halber Höhe verstehst du, warum echte Springer von Respekt sprechen, wenn sie über diesen Gang zum Start reden. Oben angekommen wartet erst einmal die reale Aussicht über die Sprunganlage und die bewaldeten Schwarzwaldhöhen, bevor die digitale Ebene dazukommt.
Dann geht alles schnell. Du nimmst auf dem echten Startbalken Platz, bekommst echte Sprungski an die Schuhe geschnallt und setzt die Brille auf. Was du darin siehst, ist kein Computerspiel: Die Bilder stammen von einer Helmkamera, die ein professioneller Skispringer bei echten Sprüngen getragen hat. Geschwindigkeit und Sprungweite werden dir als Telemetriedaten direkt ins Sichtfeld eingespielt, so wie in einem Head-up-Display.
Der rasante Anlauf in tiefer Hocke, der Absprung an der Kante, die lange Flugphase hoch über dem Gelände, die Telemark-Landung, dazu der Applaus eines virtuellen Publikums: Für ein paar Minuten bist du Skispringer. Die Technik dahinter stammt aus einer Kooperation des Europa-Parks in Rust mit dem Entwicklungsstudio VR Coaster aus Kaiserslautern, die eine ähnliche Anwendung zuerst für das Schwarzwälder Skimuseum in Hinterzarten entwickelt haben. In Schonach findet sie dort statt, wo sie hingehört: draußen, an der originalen Sportstätte.


Der Flug findet nur in deinem Kopf statt. Dein Bauchgefühl weiß das in diesem Moment allerdings nicht.
Hundert Jahre Sprunggeschichte unter deinen Skiern
Dass sich das alles so echt anfühlt, liegt auch am Ort selbst. 1924 wurde an genau dieser Stelle die erste hölzerne Sprunganlage errichtet, der Schanzenrekord lag damals bei bescheidenen 27,0 Metern. Seither wurde immer wieder um- und ausgebaut, 1935 fand hier erstmals die Schwarzwaldmeisterschaft statt, 1967 wurde der Schwarzwaldpokal eingeführt, der seit 1984 fest zum FIS-Weltcup der Nordischen Kombination gehört. 1981 und 2002 war die Schanze zudem Austragungsort der Nordischen FIS Junioren-Weltmeisterschaften.
Um den Weltcup-Status zu sichern, wurde 2010 massiv investiert: Neun Monate Bauzeit, rund 40.000 Kubikmeter bewegte Erde und 2,25 Millionen Euro machten aus der Traditionsschanze eine moderne Großanlage mit Hillsize 106 und K-Punkt bei 95 Metern. Der Anlaufturm ragt 38 Meter auf, der Anlauf misst 99 Meter bei 35 Grad Neigung, und die Aufsprungbahn samt Auslauf erstreckt sich über 220 Meter den Hang hinab.
Den Schanzenrekord hält der Japaner Ryōta Yamamoto mit 111,0 Metern, gesprungen am 13. März 2022. Und die Anlage ist Heimat: Hier trainieren die Athleten des Skiclubs Schonach, allen voran Georg Hettich, Olympiasieger in der Nordischen Kombination von 2006. Wenn du auf dem Startbalken sitzt, sitzt du also buchstäblich auf einem Stück Schwarzwälder Wintersportgeschichte.
Gleitschirmflug und Schanzenführung: zwei weitere Wege, die Schanze zu erleben
Wem der Sprung zu rasant ist, der hebt sanfter ab. Beim virtuellen Gleitschirmflug nimmst du in einem originalgetreuen Gleitschirmsitz Platz und gleitest mit der PICO G2 4K-Brille über Schonach und das umliegende Schwarzwaldtal. Die Entwickler haben eine Sommer- und eine Winterversion der Landschaft programmiert: Je nach Lust fliegst du über grüne Wälder oder über tief verschneite Hänge.
Das dritte Angebot ist die interaktive Schanzenführung, meist geleitet von Mitgliedern des Skiclubs Schonach. Sie beginnt mit einer kleinen Materialkunde vor der Schanzenhütte: Wie funktionieren die Bindungen, warum sehen die Anzüge der Athleten so aus? Danach geht es hinter die Kulissen der Anlage, mit Geschichten über Physik, Logistik und darüber, was es für eine kleine Schwarzwaldgemeinde bedeutet, Jahr für Jahr einen Weltcup auszurichten. Buchbar ist die Führung in Kombination mit einem der VR-Erlebnisse, und sie lohnt sich ausdrücklich auch für Menschen, die mit Wintersport sonst wenig anfangen können.
Entstanden ist das Ganze übrigens aus einer klugen Frage: Was macht eine Weltcup-Schanze eigentlich im Sommer? Seit August 2022 lautet die Antwort Virtual Ski Jumping, gestartet als Sommerattraktion der Gemeinde und schnell zum Publikumsmagneten geworden. Die Saison läuft witterungsabhängig von April bis Oktober; in den Wintermonaten gehört die Anlage dann komplett dem echten Sport, dem Training des Skiclubs und den internationalen Athleten.
Höhenangst? Kein Ausschlusskriterium
Das Schönste an diesem Nervenkitzel: Er lässt niemanden zurück. Wer die 210 Stufen nicht schafft oder wem oben schlicht der Mut ausgeht, absolviert Skisprung und Gleitschirmflug ebenerdig vor dem Schanzenhäusle im Auslauf, mit exakt demselben Film und Ton auf der Brille, nur ohne die reale Fallhöhe unter dem Sitz. Sag es dem Guide einfach offen, das ist gängige Praxis und kein Grund zur Scham. So teilen Familien und gemischte Gruppen das Erlebnis gemeinsam, auch mit Oma und Opa.
Gesprungen wird in kleinen Runden: maximal zehn Personen pro Termin, mindestens vier müssen es für die Durchführung sein. Für das Gesamterlebnis mit Aufstieg, Einweisung, Materialanpassung und Sprüngen rechnest du 60 bis 90 Minuten, es entsteht also kein Gefühl von Massenabfertigung. Das Mindestalter liegt bei 8 Jahren, weil handelsübliche VR-Brillen nicht für die Pupillendistanz jüngerer Kinder ausgelegt sind; kleinere Geschwister schauen als Publikum zu.
Und bei Regen? Die Schanze ist eine Freiluft-Sportstätte, aber bei leichtem bis mittlerem Regen wandert das Erlebnis in den überdachten Bereich an der Schanzenhütte, dein Termin fällt also nicht automatisch ins Wasser. Nur bei Gewitter, Starkwind oder sintflutartigem Regen wird aus Sicherheitsgründen abgesagt oder verschoben.
Preise, Anmeldung und die Hochschwarzwald Card
Der Sprung von der Weltcup-Schanze kostet 12,00 Euro (Erwachsenenpreis ab 16 Jahren), Kinder und Ermäßigte von 8 bis 15 Jahren zahlen 10,00 Euro. Auch die Kombinationen haben feste Preise: VR-Skijumping plus Schanzenführung kostet 16,00 Euro (Kinder 10,00 Euro), VR-Skijumping plus Gleitschirmflug 16,00 Euro (Kinder 14,00 Euro), und das Paket aus Schanzenführung und Gleitschirmflug gibt es für 8,00 Euro (Kinder 4,00 Euro). Für Übernachtungsgäste der Region gibt es einen handfesten Vorteil: Das Erlebnismodul Schanzenführung & VR Nervenkitzel ist Leistungsbestandteil der Hochschwarzwald Card und der WälderCard, Card-Inhaber erhalten es kostenfrei. Die Anmeldung bleibt trotzdem zwingend.
Regulärer Termin ist der Freitags-Slot von 15 bis 17 Uhr, der an gesetzlichen Feiertagen entfällt, und die Voranmeldung ist Pflicht: telefonisch unter +49 7722 8689967 oder per E-Mail an mr.modicap@kabetec.de. Spontan vorbeizuschauen lohnt sich wegen der kleinen Gruppen kaum. Dafür gibt es einen schönen Hebel für alle, in deren Urlaubswoche der Freitagstermin nicht passt: Ab zehn Personen öffnet der Betreiber die Anlage nach Absprache auch an anderen Wochentagen exklusiv. Tu dich also mit einer befreundeten Familie aus dem Hotel zusammen und sichert euch euren eigenen Schanzentermin.
Ausflugsziele in der Nähe
Das VR-Erlebnis bindet netto nur 60 bis 90 Minuten, drumherum wird in Schonach locker ein ganzer Tag daraus. Im Untertal wartet die Erste Weltgrößte Kuckucksuhr, deren begehbares Uhrwerk von 4,50 mal 4,50 Metern du von innen bestaunen kannst. Im Kurpark am Seifenbergweg liegen die 18-Loch-Minigolfanlage, mit der Hochschwarzwald Card einmalig kostenfrei, und das Naturschwimmbad mit biologischer Wasseraufbereitung und Rutschen, perfekt zur Abkühlung nach dem schweißtreibenden Schanzenaufstieg.
Direkt am Parkplatz der Langenwaldschanze startet außerdem ein gut ausgeschilderter Wanderweg zum Hochmoor Blindensee, ein stiller landschaftlicher Kontrast zur High-Tech-Sportstätte. Und die Triberger Wasserfälle, Deutschlands höchste, liegen nur rund 10 Autominuten entfernt in der Nachbargemeinde. Wenn du noch mehr entdecken willst, sind auch Deutsches Uhrenmuseum, Bregtalbad Furtwangen und Minigolf St. Georgen einen Abstecher wert. Pack also Wanderschuhe ein, buch deinen Freitagstermin und mach aus dem Traum vom Fliegen einen kompletten Schwarzwaldtag.
Seit dem 1. April 2026 betreibt die ortsansässige kabetec GmbH & Co. KG unter Geschäftsleiter Bernd Kaltenbach die Anlage als Pächter und baut sie schrittweise zum Erlebnisareal Langenwaldschanze aus; geplant sind unter anderem eine Gastronomie vor Ort und weitere Erlebnismodule. Als wetterunabhängige Indoor-Alternative betreibt kabetec derzeit übergangsweise die VR-Arena Triberg (Wallfahrtstraße 11) mit virtuellen Escape-Rooms und weiteren VR-Erlebnissen.
Gut zu wissen
Aktiviere die digitale Hochschwarzwald Card und die KONUS-Gästekarte am besten schon im Hotel-WLAN: Jeder Gast, auch jedes Kind, braucht am Termin einen eigenen QR-Code. Und komm in festem, geschlossenem Schuhwerk, der Weg vom Wanderparkplatz ist teils unbefestigt, und die 210 Stufen willst du nicht in Sandalen steigen.