Du ziehst dich am nassen Griff hoch, der aufblasbare Eisberg schwankt unter deinen Füßen, viereinhalb Meter über der Wasserfläche wird der Kunststoff glitschig, und dann lässt du einfach los. Unten schlägt weiches, ungechlortes Moorwasser über dir zusammen, kühler als erwartet, und irgendwo lacht jemand vom Kletterfloß herüber. Das ist ein normaler Julinachmittag im Naturfreibad Klosterweiher St. Georgen, einem 27.000 Quadratmeter großen Weiher, den Mönche vor mehr als neunhundert Jahren aufgestaut haben und in dem heute Kinder von schwimmenden Inseln springen.
Wann das Naturfreibad Klosterweiher St. Georgen öffnet, entscheidet das Wetter
Die Badesaison am Klosterweiher startet traditionell an Pfingsten und läuft bis zum Ende der baden-württembergischen Sommerferien im September. Innerhalb dieses Fensters gilt kein starrer Fahrplan, sondern der Blick nach oben: Bei gutem Wetter ist das Bad täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet, in den unsicheren Übergangswochen im Juni kann die Stadt unter der Woche auf 13 bis 19 Uhr verkürzen. Ab Juli greift verlässlich das Vollzeitschema. Zwei betriebliche Details machen den späten Nachmittag planbar: Der letzte Einlass an der Kasse liegt eine Stunde vor Schließung, im Wasser ist eine halbe Stunde vor Schluss Feierabend. Wie spät das konkret ist, hängt also am Schema des jeweiligen Tages.
Die größte Falle für Urlauber ist die wochenends wechselnde Öffnung. St. Georgen betreibt neben dem Weiher ein Hallenbad und bündelt seine Kräfte: Scheint die Sonne, öffnet am Wochenende nur der Klosterweiher, kippt das Wetter ins Nasskalte, bleibt das Naturfreibad zu und das Hallenbad macht auf. Die verbindliche Entscheidung fällt jeden Donnerstag und wird zusammen mit den aktuellen Wasser- und Lufttemperaturen auf der städtischen Website und den Social-Media-Kanälen veröffentlicht. In den Sommerferien entfällt die Frage: Das Hallenbad ist dann sechs Wochen lang wegen Revision geschlossen.
Neunhundert Jahre Weiher: von der Klosterfischzucht zur Liegewiese
Was heute wie ein besonders großzügig geratener Naturbadesee wirkt, ist eine mittelalterliche Ingenieursleistung. Im Jahr 1084 legten Mönche des Klosters St. Georgen das Gewässer künstlich an, zunächst als Fischweiher für den Bedarf des Klosters in den Fastenzeiten, später diente der aufgestaute See als Reservoir für die Klostermühle. Beinahe wäre er verschwunden: Mitte des 17. Jahrhunderts gab es offizielle Pläne, den Weiher zuzuschütten. Verhindert hat das der massive Protest der St. Georgener Bürgerschaft. Ohne diesen Widerstand würdest du heute vermutlich über eine Wiese laufen.
Zum Bad wurde der Weiher erst ab 1966: terrassierte Uferzonen, weitläufige Liegewiesen, Sanitär- und Gastronomiegebäude. Gespeist wird er bis heute von der Brigach, die dem Ort auch die Adresse gegeben hat. St. Georgen liegt auf 800 bis 1.000 Höhenmetern, trägt das Prädikat staatlich anerkannter Erholungsort und nennt sich sonnige Bergstadt. In guten Sommern zählt der Klosterweiher bis zu 30.000 Badegäste.
Der Eisberg, das Trampolin und das Floß draußen auf dem Wasser
Die Anlage trennt konsequent zwischen Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich, und genau das macht sie so entspannt: Wer seine Bahnen ziehen will, kommt niemandem ins Gehege, wer springen will, hat den passenden Bereich für sich.
Im tiefen Wasser dominiert der Eisberg, eine aufblasbare Kletterstruktur, die zur Saison 2025/2026 durch ein fabrikneues, 4,5 Meter hohes Modell ersetzt wurde. Daneben liegen ein Wassertrampolin mit sieben Metern Durchmesser und ein Sprungkissen. Wer es ruhiger mag, schwimmt hinaus zu den verankerten Badeinseln oder zum Kletterfloß, weit genug vom Ufer, dass der Trubel der Liegewiese verstummt und nur noch Wasser, Tannenkulisse und Himmel übrig bleiben.
Eine Erwartung lässt du zu Hause: Beheizt wird hier nichts. Das Wasser kommt aus der Brigach, es wird weder gechlort noch technisch erwärmt. An anhaltend warmen Hochsommertagen erreicht der Weiher rund 23 Grad, im Juni kann der erste Sprung deutlich ruppiger ausfallen.
Matschloch, Tretboot und ein Abendessen über der Wasserfläche
Für Familien mit kleinen Kindern ist der Klosterweiher besser ausgestattet als viele gekachelte Freibäder. Direkt in die Uferlandschaft integriert liegt ein flaches Kinderplanschbecken mit eigener Baby- und Kinderrutsche sowie Wasserspeiern, nebenan wartet der ausgewiesene Matschbereich, in dem Wasser und Erde ausdrücklich vermischt werden dürfen. Alter Baumbestand wirft Schatten darauf, was an heißen Tagen mehr wert ist als jede Sonnencreme. Rund um die Liegewiesen wird der Weiher zum Sportplatz: Fußballfeld, Volleyball- und Beachballplatz, Tischtennisplatten und ein großformatiges Freiluft-Schachspiel. Am Ufer beim Gastronomiebetrieb liegt außerdem ein Bootsverleih, mit Tretboot oder Ruderboot erschließt sich der See noch einmal völlig anders.
Das Restaurant Seehaus ist kein Kiosk mit Pommesluke, sondern eine vollwertige Gastronomie, die nahtlos ans Bad anschließt. Tagsüber gibt es Snacks, Getränke und nachmittags Kuchen, abends wird daraus ein À-la-carte-Betrieb mit Platz für bis zu 130 Gäste: hausgemachte Pasta, Steinofenpizza, Steaks vom Grill, Fisch, dazu vegetarische und vegane Gerichte. Das Gebäude steht teilweise fast über der Wasserfläche, hat eine bodentiefe Glasfassade und eine Seeterrasse nach Westen. Der Sonnenuntergang über dem Weiher gilt unter Stammgästen als der eigentliche Höhepunkt. Die Küche schließt regulär um 21 Uhr.
Aktueller Hinweis: Im angrenzenden Biotop hat sich eine Biberpopulation von geschätzt vier bis acht Tieren angesiedelt. Ihre Dämme stauen das Brigach-Wasser, dem See fehlt dadurch kühles Frischwasser, er erwärmt sich im Hochsommer um bis zu vier bis fünf Grad über den Normalwert. Das begünstigt Sauerstoffmangel und Blaualgenblüten, wegen derer das Gesundheitsamt den Badebetrieb bereits zeitweise sperren musste. Die Stadt belüftet den See mit zwei Pumpanlagen und lässt parallel die phosphathaltigen Sedimente vom Grund absaugen. Vor der Anreise lohnt ein kurzer Blick auf die aktuellen Meldungen der Stadt St. Georgen.
Von der B33 zum kostenlosen Parkplatz an der Brigachstraße
Die Anfahrt mit dem Auto läuft über die B33, von dort auf die L175 nach St. Georgen und weiter über die Industriestraße zur Brigachstraße. Der Parkplatz am Klosterweiher ist ein Wander- und Fahrradstellplatz und zeitlich unbegrenzt kostenlos, was im oft kostenpflichtigen Schwarzwaldtourismus eine angenehme Ausnahme ist. An heißen Wochenenden wird es dort trotzdem eng. Ohne Auto geht es genauso gut: Die Buslinien 510, 556, 590 und 7265 halten an der Haltestelle Brigachstraße beziehungsweise Grässlin, St. Georgen, beide liegen direkt am Bad. Übernachtungsgäste fahren mit der KONUS-Gästekarte kostenlos mit allen Regionalbahnen und Bussen der zweiten Klasse bis vor das Tor, der Eintritt selbst ist damit nicht abgedeckt.
Tickets gibt es ausschließlich an der Kasse vor Ort, von der Tageskarte bis zur Saisonkarte. Der Tageseintritt liegt bei 4,00 Euro für Erwachsene und 2,00 Euro ermäßigt für Kinder und Jugendliche ab dem vollendeten vierten Lebensjahr. Mit der Hochschwarzwald Card, der WälderCard oder der DreiWelten Card ist der Eintritt einmalig während des Urlaubsaufenthalts kostenfrei, vorausgesetzt, das Wetter lässt den Betrieb zu.
Im Frühjahr 2026 hat die Stadt das zentrale Umkleidehäuschen kernsaniert. Kabinen, Spinde, Bodenbeläge und die statisch instabile Treppe wurden komplett ausgetauscht, die Zwischendecke abgedichtet und eine neue Treppenanlage angebaut. Ziel war ausdrücklich mehr Sicherheit und bessere Barrierefreiheit. Auf die Eintrittspreise wurde die Investition laut Stadtverwaltung nicht umgelegt.
Lohnende Ziele in der Nähe
Bleibt der Weiher wetterbedingt geschlossen, hat St. Georgen eine gute Antwort: das Deutsche Phonomuseum am Bärenplatz 1. Die Stadt ist die historische Wiege der deutschen Phonoindustrie, hier saßen Dual und PE. Die Ausstellung spannt den Bogen von Edisons Phonographen über das Ur-Tefifon bis zu modernen Hi-Fi-Anlagen. Wer mit Kindern trotzdem draußen bleiben will, findet im Stadtgarten Minigolf St. Georgen und eine interaktive Ortsrallye durch das Zentrum.
Wanderer starten direkt am Parkplatz Klosterweiher. Die Runde Röhlinswald und Schwanenhöhe misst 5,2 Kilometer und dauert etwa 1:20 Stunden, sie führt über den Bahnhof St. Georgen hinauf zur Schwanenhöhe und über den Bösinger Winkel zurück. Wer mehr Wald will, nimmt die Rundwanderung Stockwald mit 7,8 Kilometern und rund 2:15 Stunden. An heißen Tagen ist das die klügere Reihenfolge: erst vormittags im Schatten laufen, danach ins Wasser. Radfahrer haben mit der E-MTB-Genießerrunde eine 25,3 Kilometer lange, mittelschwere Tour mit 303 Höhenmetern vor sich, Start und Ziel liegen am Klosterweiher.
Für weitere Tage in der Region liegen mehrere Ziele nah genug für einen Abstecher: die Triberger Wasserfälle, das Deutsche Uhrenmuseum und das Bregtalbad Furtwangen. Soll es ein zweiter Badetag im Naturwasser werden, ist auch das Schönwälder Naturfreibad gut erreichbar.
Gut zu wissen
Ab zwei Stunden vor Schließung gibt es die Abendkarte für 2,50 Euro, ermäßigt 1,50 Euro, bei Öffnung bis 20 Uhr also ab 18 Uhr: baden, wenn die Liegewiesen leerer werden, und danach auf der Seeterrasse den Sonnenuntergang mitnehmen. Wer sich am Kiosk eine Liege leiht, muss die Pfandkarte noch am selben Tag an der Kasse zurückgeben, sonst verfällt der Pfandbetrag.