Stell dir ein Schwimmbecken vor, das türkisblau schimmert wie ein Bergsee: kein Chlorgeruch, kein Brennen in den Augen, dafür Tannenwald am Horizont und ein Quellstein, der leise vor sich hin sprudelt. Das Schönwälder Naturfreibad liegt auf rund 1.000 Metern Höhe im heilklimatischen Kurort Schönwald, und sein Wasser reinigen keine Chemikalien, sondern Pflanzen. Klingt nach Experiment? Ist längst gelebter Alltag. Und einer, der beim ersten Sprung vom Felsen richtig Spaß macht.
Vom Dorfbad zum Schönwälder Naturfreibad: eine kleine Verwandlungsgeschichte
Über 50 Jahre lang war das Bad an der Ludwig-van-Beethoven-Straße ein ganz normales Freibad, wie es sie in vielen Schwarzwaldgemeinden gibt. Die rund 2.300 Schönwälder und ihre Feriengäste zogen hier ihre Bahnen, bis die Anlage in die Jahre kam und die Gemeinde eine mutige Entscheidung traf: kein neues Chlorbecken, sondern ein echtes Naturfreibad, in dem die Biologie die Arbeit der Chemie übernimmt.
Dass die Natur ihren eigenen Zeitplan hat, bekam Schönwald gleich zu Beginn zu spüren. Die Wiedereröffnung war eigentlich für August 2018 geplant, doch der extreme Hitzesommer machte den Planern einen Strich durch die Rechnung: Das empfindliche Gleichgewicht aus Wasserpflanzen und Mikroorganismen, das für die natürliche Reinigung sorgt, konnte sich unter der Gluthitze nicht richtig entwickeln. Also hieß es warten. Ende Mai 2019 war es dann so weit, und zur Eröffnung kam viel Prominenz, vom Bürgermeister bis zum Bundestagsabgeordneten Thorsten Frei, der die Infrastruktur der kleinen Schwarzwaldgemeinde ausdrücklich lobte.
Seitdem arbeitet im Hintergrund ein doppeltes System: Ein großflächiger Kalksandfilter holt Schwebstoffe und grobe Partikel aus dem Wasser, anschließend übernimmt ein eigener Pflanzenfilter die biologische Tiefenreinigung. Die Wasserpflanzen in der Regenerationszone haben seit 2018 ein kräftiges Wurzelwerk ausgebildet und entziehen dem Wasser überschüssige Nährstoffe. Das Ergebnis siehst du sofort: kristallklares, türkisblaues Wasser, das selbst für empfindliche Haut und Allergiker bestens geeignet ist.








Kein Chlor, keine steilen Leitern, kein Kassenautomat: hier badest du wie in einem Bergsee, nur mit Kiosk, Kuchen und warmem Wasser.
Sprungfelsen, Spielbach und ein Badezuber mit 40 Grad
Das Herzstück der Anlage ist das solarbeheizte Hauptbecken mit stattlichen 33 mal 17 Metern. Die Wassertiefe steigt sanft an, von 30 Zentimetern am flachen Rand bis zu 2,60 Metern im Schwimmerbereich, sodass sportliche Schwimmer und planschende Kinder sich nicht in die Quere kommen. Besonders schön gelöst ist der Einstieg: Statt steiler Edelstahlleitern führt ein flacher, barrierefreier Strandzugang ins Wasser, du gehst einfach hinein wie an einem Seeufer.
Auch beim Springen bleibt das Bad seiner Linie treu. Statt genormter Startblöcke ragen abenteuerliche Sprungfelsen in die Beckenlandschaft, dazu kommen eine integrierte Kinderrutsche und ein klassisches 1-Meter-Sprungbrett. Für die Kleinsten gibt es eine weitläufige Spielbachlandschaft mit einem ständig sprudelnden Quellstein, großflächig überspannt von Sonnensegeln, damit die Mittagssonne beim Stauen und Matschen niemandem zusetzt.
Und dann ist da noch das Alleinstellungsmerkmal, das selbst kühle Schwarzwaldtage rettet: der buchbare Schwarzwald-Badezuber. Die holzbeheizte Wanne wird auf bis zu 40 Grad temperiert und bietet Platz für bis zu acht Personen. Wer es lieber kneippig mag, steigt in die klassische Wassertretanlage, die das Kurort-Erbe Schönwalds direkt auf dem Freibadgelände fortführt: Storchengang im kalten Wasser, danach kribbeln die Waden noch eine ganze Weile.
Ein Tag am Wasser: von der Liegewiese bis zum Cocktail am Kiosk
Neben dem Wasser wartet eine großzügige Liegewiese, auf der du dein Handtuch ausbreitest oder dir einen Liegestuhl leihst. Wer Bewegung braucht, findet ein gepflegtes Beachvolleyballfeld, Tischtennisplatten und Kicker-Tische. Die jüngsten Gäste toben auf dem Abenteuerspielplatz mit Schaukel, Kletterspinne, Wippe und Wipptieren, und für Kleinkinder gibt es zusätzlich ein separates, flaches Planschbecken. Du merkst schnell: Hier ist an alle Altersstufen gedacht, vom Windelkind bis zu den Großeltern.
Der soziale Treffpunkt ist die Freibad-Kiosk-Cafeteria, und die kann deutlich mehr als Pommes und Eis. Neben Erfrischungsgetränken und herzhaften Snacks stehen hausgemachte Kuchen auf der Karte, und am späten Nachmittag werden sogar frisch zubereitete Cocktails gemixt. So wird aus dem Badetag ganz nebenbei ein kleiner Sommerabend. Freies WLAN gibt es auf dem gesamten Gelände obendrauf.
Wie lange du bleibst, entscheidet dein Rhythmus: Sportliche Schwimmer nutzen das Bad gern für kompakte ein bis zwei Stunden, Familien und Ruhesuchende verbringen hier einen halben bis ganzen Tag zwischen Picknickdecke, Spielbach und Beckenrand.
Für wen sich das Naturbad besonders lohnt
Die Hauptzielgruppe sind ganz klar Familien mit Kindern. Der komplette Verzicht auf Chlor schont empfindliche Kinderaugen und Hautbarrieren, die Spielbachlandschaft und der flache Einstieg schaffen eine sichere Umgebung, in der auch Nichtschwimmer entspannt planschen können. Wer schon einmal ein rotgeweintes Chlor-Auge trösten musste, weiß diesen Unterschied zu schätzen.
Genauso profitieren ältere Gäste: Das Bad ist offiziell als seniorenfreundlich eingestuft, der barrierefreie Strandzugang macht den Weg ins Wasser auch mit Gelenkproblemen oder eingeschränkter Mobilität gefahrlos möglich. Dazu kommt das milde Heilklima auf 1.000 Metern, das kreislaufschonend wirkt. Und wer mit Chlorallergie oder Neurodermitis in konventionellen Bädern regelmäßig leidet, findet hier eine der wenigen echten Alternativen der Region.
Ehrlich muss man aber auch sein: Das Naturfreibad ist eine reine Schönwetter-Attraktion. Bei anhaltendem Regen, Kälte oder starker Nässe bleibt es geschlossen, als Ausweichziel für verregnete Urlaubstage taugt es nicht. Auf 1.000 Höhenmetern kann das Wetter schnell umschlagen, ein kurzer Blick auf den Himmel oder ein Anruf vorab gehören hier zur Badeplanung dazu.
Anreise, Parken und die KONUS-Karte
Mit dem Auto ist die Sache einfach: Die B500 führt direkt durch Schönwald, und am Naturfreibad selbst stehen kostenfreie Parkplätze sowie Fahrradabstellplätze bereit. Fahrer von Elektroautos finden im Ortsgebiet öffentliche Stromtankstellen der EGT Gruppe. Wichtig für die Kasse: Bezahlt wird ausschließlich bar, weder EC-Karte noch App noch Online-Tickets werden akzeptiert. Steck also genug Bargeld ein, auch für Kuchen und Cocktail.
Ohne Auto bringt dich die Buslinie 550 hin, aussteigen kannst du an der Haltestelle Ortsmitte oder an der Haltestelle Auf'm Bühl, beide liegen nur einen kurzen Fußmarsch vom Bad entfernt. Besonders praktisch ist das mit der KONUS-Gästekarte, die du als Übernachtungsgast in den teilnehmenden Schwarzwaldgemeinden beim Check-in bekommst: Sie gilt als Freifahrtticket für Busse und Bahnen in der ganzen Ferienregion. Eine Ermäßigung auf den Eintritt gewährt KONUS allerdings nicht, dafür brauchst du eine der Gästekarten wie die Hochschwarzwald Card.
Ausflugsziele in der Nähe
Schönwald liegt mitten im Uhren-Schwarzwald, und das lässt sich wunderbar kombinieren. Direkt im Ort, nur 100 Meter vom Infohäuschen an der B500 entfernt, startet der Schönwälder Kuckucksuhrenpfad: 2,2 Kilometer, kinderwagentauglich, mit Rätseln für die Kinder. Morgens Uhrengeschichte erwandern, nachmittags ins türkisblaue Wasser springen, das ist ein Tagesprogramm, das wirklich jede Familie mitmacht.
Nur 5 Kilometer entfernt wartet in der Nachbargemeinde Schonach die erste weltgrößte Kuckucksuhr, mit der Buslinie 550 bist du in etwa 8 Minuten dort. Und Deutschlands höchste Wasserfälle liegen ebenfalls fast vor der Tür: Die Triberger Wasserfälle stürzen 163 Meter in die Tiefe, das 9 Kilometer entfernte Triberg erreichst du mit derselben Buslinie in 14 bis 24 Minuten. Der schönste Plan für einen Sommertag: vormittags durch die schattige Wasserfallschlucht, nachmittags mit der Hochschwarzwald Card kostenlos durchs Drehkreuz des Naturfreibads. Einen Abstecher wert sind außerdem die Zweribachwasserfälle, und wer den Badetag an einem anderen Ort fortsetzen will, findet mit dem Bregtalbad Furtwangen und dem Naturfreibad St. Märgen zwei weitere Ziele in erreichbarer Nähe. Badetasche packen lohnt sich.
Saison 2026: Das Naturfreibad hat am 27. Mai 2026 geöffnet, die Saison läuft bis Anfang September. Zwei Termine lohnen besonders: Am Freitag, 7. August 2026, steigt das abendliche Sommerpicknick mit stimmungsvoller Beleuchtung, Musik, Essen und Cocktails. Zum Saisonabschluss am Sonntag, 6. September 2026, zeigen die Modellbootfreunde Schönwald mit befreundeten Vereinen von 11 bis 18 Uhr detailgetreue Modellschiffe, Flugzeuge und Autos (Eintritt an diesem Tag frei), von 11 bis 12 Uhr spielen die Schönwälder Dorfmusikanten ein kostenfreies Sonntagskonzert.
Gut zu wissen
Bist du länger in der Gegend, sichere dir die Saisonkarte im Mai-Vorverkauf bei der Tourist-Information: Bis 31. Mai gibt es 10 Prozent Rabatt, bei der Familienkarte sind das rund zehn Euro Ersparnis. Und bei unklarem Bergwetter lohnt vor der Anfahrt ein kurzer Anruf bei der tagesaktuellen Info-Hotline unter 07722 8608-98, bevor du mit Sack und Pack vor verschlossenen Toren stehst. Den Badezuber am besten gleich beim Ankommen für später reservieren, er ist begehrt.