Stell dir einen Sommermorgen auf 879 Metern Höhe vor: Über dem Bregtal hängt noch die kühle Bergluft, aber das Wasser vor dir ist angenehm warm, solarbeheizt, und die Bahn vor dir misst volle 50 Meter. Kein Rutschenturm blinkt, keine Lautsprecherdurchsage plärrt. Das Bregtalbad Furtwangen ist ein Freibad, wie du es vielleicht aus deiner Kindheit kennst, gepflegt, familiär, mitten in der Stadt. Und es gibt es nur noch, weil die Furtwanger selbst dafür gekämpft haben.
Freibad Furtwangen: das Bad, das seine Bürger gerettet haben
Die Geschichte beginnt am 22. März 2011 im Furtwanger Gasthaus Bad. Dem Freibad drohte die Schließung, und statt zu resignieren, kamen 60 Bürgerinnen und Bürger zusammen und gründeten den Trägerverein Bregtalbad Furtwangen e.V. Der erste Vorsitzende Elmar Maier und sein Stellvertreter Thomas Wolff pachteten das Schwimmbad zunächst für vier Jahre von der Stadt. Aus dem Rettungsversuch wurde ein Dauerzustand: Bis heute führt der Verein das Bad, inzwischen unter dem Vorsitz von Thomas Wolff, und das Modell gilt in der Region als Vorzeigeprojekt dafür, wie eine Kleinstadt ihre Infrastruktur selbst in die Hand nimmt.
Wenn du durch den Eingang an der Jahnstraße kommst, spürst du diese Handschrift überall. Ehrenamtliche Helfer des Vereins und die örtliche DLRG-Gruppe unterstützen den hauptamtlichen Schwimmmeister Kapitoschka Koslowski bei Aufsicht, Routinearbeiten und Festen. Der Verein verfolgt dabei eine erfrischend unaufgeregte Philosophie: keine Jagd nach immer neuen, teuren Attraktionen, sondern Bestandspflege. Man vertraut darauf, dass die Gäste das Bad genau so schätzen, wie es ist, gepflegt, übersichtlich, ehrlich. Genau das macht den Charme aus.
Hier schwimmst du nicht in einem Freizeitpark, sondern in einem Stück gelebter Bürgergemeinschaft.
Was dich im Bregtalbad Furtwangen erwartet
Das Herzstück ist das solarbeheizte 50-Meter-Schwimmerbecken, eine für eine Kleinstadt beachtliche Länge, auf der du morgens in Ruhe deine Bahnen ziehen kannst. Das Becken ist in einen Schwimmer- und einen abgeteilten Nichtschwimmerbereich gegliedert, und im Nichtschwimmerteil wartet eine Wasserrutsche, auf der die größeren Kinder ihre Runden drehen, während die sportlichen Gäste nebenan ungestört trainieren. Diese klare Trennung von Sport und Spiel zieht sich durch die ganze Anlage.
Für die Kleinsten gibt es einen eigenen, räumlich getrennten Kindererlebnisbereich. Sonnensegel spenden Schatten, Ruheliegen stehen für die Eltern bereit, und im flachen Planschbecken sprudelt es an allen Ecken: Ein interaktiver Wasserkanal lädt zum Stauen und Plantschen ein, dazu kommen ein Wasserigel und drei Spritzstangen. Die Zulaufrinne des Kinderbeckens wurde nach rund 30 Jahren komplett neu gekachelt, eine Investition von etwa 16.000 Euro, die zeigt, wie ernst der Verein die Bestandspflege meint. Du kannst auf der Liegewiese in Sichtweite bleiben, während dein Kind im sicheren, abgetrennten Bereich spielt.
Wiese, Spiel und hausgemachter Kuchen
Abseits des Wassers entfaltet sich das Bad auf einer weitläufigen Liegewiese. Wer Bewegung braucht, findet einen Beach-Volleyball-Platz und einen Basketballkorb auf dem Rasen, für die Jüngsten steht ein Sandkasten bereit. Die Billardtische kannst du kostenlos nutzen, der Tischkicker läuft gegen eine kleine Gebühr. Bring ruhig deinen eigenen Volleyball oder Basketball mit, die Sportflächen selbst kosten nichts.
Und dann ist da der Kiosk, der sich deutlich vom üblichen Freibad-Imbiss abhebt. Der vereinseigene Betrieb hat eine integrierte Sitzlounge, und neben Pommes und Eis findest du eine ständig frische Auswahl an hausgemachten Kuchen. An Werktagen gibt es sogar ein täglich wechselndes Mittagessen. Das heißt für dich: Du musst keinen Picknickkorb durch den Schwarzwald schleppen, sondern kannst dich vor Ort vollwertig verpflegen und den Nachmittag einfach verlängern. Familien bleiben an heißen Tagen gern vier bis acht Stunden, das gastronomische Angebot macht es möglich.
Sommerabende, Happy Fridays und Vereinsleben
Richtig lebendig wird das Bad bei seinen Sonderveranstaltungen. Besonders beliebt ist das Format Happy Friday: An ausgewählten Freitagen in der Saison ist der Eintritt am Abend frei, dazu gibt es Livemusik, die Bandbreite reicht von lokalen Künstlern wie Helmut Winterhalder über Guggemusik-Kapellen und Brassbands bis zu DJ-Sets. Kulinarisch legt der Kiosk dann nach, mit Steaks vom Grill und einer Cocktailbar. Stell dir vor, wie du nach einem Wandertag im Dämmerlicht noch ein paar Bahnen ziehst, während vom Kiosk Musik herüberweht.
Auch tagsüber ist immer wieder etwas los: Die DLRG-Gruppe organisiert Beach-Partys und Rutsch-Aktionen, um Kindern spielerisch Wassersicherheit beizubringen. Die Chronik des Vereins erzählt von Schlauchboot-Spaß, Papierboot-Rallyes, Ferienprogramm-Aktionen und Besuchen der Jugendfeuerwehr, die das Becken mit Wasserfontänen bespielte. Das Bregtalbad ist eben kein anonymer Badebetrieb, sondern ein Treffpunkt, an dem sich das Furtwanger Sommerleben abspielt. Als Gast bist du mittendrin.
Anfahrt, Parken, KONUS und die Hochschwarzwald Card
Das Bad liegt zentral in der Jahnstraße 11, und du erreichst es erstaunlich bequem ohne Auto. Übernachtest du bei einem der rund 9.000 KONUS-Gastgeber im Schwarzwald, fährst du mit deiner KONUS-Gästekarte kostenlos mit allen Bussen und Regionalbahnen der 2. Klasse. In fußläufiger Nähe zum Bad liegen die Haltestelle Allmendstraße mit den Regionalbuslinien 500, 501, 502, 503, 504 und 510 sowie die Haltestelle Friedrichschule mit der Linie 240 Richtung Simonswald. Innerorts ergänzt der Bürgerbus Furtwangen mit den Linien 1, 2 und 3 das Netz. Wichtig zu wissen: Furtwangen hat keinen Bahnhof, du kommst per Bus über Knotenpunkte wie Triberg oder Villingen, und die KONUS-Karte gilt nicht im Fernverkehr. Steigst du in Triberg um, sind dort übrigens die Triberger Wasserfälle einen Abstecher wert.
Mit dem Auto parkst du direkt in der Jahnstraße oder in den angrenzenden Seitenstraßen. Furtwangen macht beim Handyparken mit: Über die kostenfreie Parkster-App buchst du deinen Parkschein digital und kannst die Parkzeit vom Beckenrand aus verlängern oder bei einem Wetterumschwung minutengenau beenden. Der schönste Spartrick aber ist die Hochschwarzwald Card: Wer mindestens zwei Nächte bei einem Card-Gastgeber bucht, badet einmal während des Aufenthalts kostenlos, der reguläre Eintritt entfällt komplett. Auch Nutzer der Firmenfitness-App Hansefit kommen frei ins Bad.
Ausflugsziele in der Nähe
Furtwangen gibt einen perfekten Kombitag her. Deutsches Uhrenmuseum heißt die erste Station: In fußläufiger Entfernung zum Bad, am Robert-Gerwig-Platz, erzählt es mit über 8.000 Exponaten die Geschichte der Schwarzwälder Uhrmacherkunst, inklusive des Kuriosums, dass Reisende im 19. Jahrhundert zwischen Villingen und Schwenningen ständig die Uhr umstellen mussten. Mit der Hochschwarzwald Card kommst du auch hier einmalig frei hinein. Etwa drei Kilometer oberhalb der Stadt entspringt die Breg, der längste Quellfluss der Donau, weshalb der Ort als geographische Donauquelle gilt. Die historische Martinskapelle, die bronzene Statue des Flussgottes Danuvius und der benachbarte Kolmenhof machen daraus eine lohnende kleine Wanderung, nach der der Sprung ins Becken doppelt guttut.
Spielt das Wetter nicht mit, hast du starke Alternativen: Das Frei- und Hallenbad Schönwald liegt nur etwa 5 bis 6 Kilometer nördlich, das Hallenbad aqualino in Unterkirnach rund 12 Kilometer östlich. Für den großen Schlechtwettertag lohnt das BADEPARADIES SCHWARZWALD in Titisee-Neustadt mit Palmenoase und dem Rutschenuniversum Galaxy mit über 25 Attraktionen. Bist du ohnehin am Titisee, sind auch der Titisee-Rundweg und der Hochfirstturm einen Abstecher wert. Am besten planst du den Furtwangen-Tag gleich fest ein: vormittags Uhrenmuseum oder Donauquelle, nachmittags Handtuch auf die Liegewiese und ab ins 50-Meter-Becken.
Die Freibadsaison 2026 läuft voraussichtlich vom 22. Mai bis zum 6. September. Vor der Saison hat der Verein kräftig investiert: Das Kioskdach wurde von lokalen Firmen komplett erneuert, die Zulaufrinne des Kinderbeckens für rund 16.000 Euro neu gekachelt, und in der Küche sorgen neue Geräte samt Slush-Eis-Maschine für kürzere Wartezeiten.
Gut zu wissen
Wirf vor der Abfahrt einen Blick auf die Website des Bades: Dort wird die Wassertemperatur live angezeigt. Und plane deinen Besuch an einem Werktag über die Mittagszeit, dann bekommst du am Kiosk das täglich wechselnde Mittagessen und sparst dir den Picknickkorb. Volleyball einpacken lohnt sich, die Sportfelder auf der Wiese sind kostenlos.