Es gibt Orte im Hochschwarzwald, an denen du das Gefühl hast, die ganze Region liegt dir zu Füßen. Der Hochfirstturm ist so ein Ort: ein 25 Meter hoher Stahlturm aus dem Jahr 1890, verankert auf einer der höchsten bewaldeten Bergkuppen des Hochschwarzwaldes, 1196,9 Meter über dem Meer. Unter dir glitzert der Titisee, gegenüber schiebt sich das Feldbergmassiv in den Himmel, und an ganz klaren Tagen zeichnet sich am Horizont die Kette der Alpen ab, bis hin zum Mont Blanc. Wer einmal hier oben stand, versteht, warum Menschen seit über 130 Jahren für diesen Blick auf den Berg steigen.
Der Hochfirstturm: ein Denkmal aus Eisen, das den Stürmen trotzt
Die Geschichte dieses Turms beginnt mit einer Portion Sturheit. 1885 gründet sich die Ortsgruppe Neustadt des Schwarzwaldvereins, und schon 1888 steht auf dem Gipfel des Hochfirsts ein hölzerner Aussichtsturm. Am 23. Januar 1890 fegt ein schwerer Orkan über den Bergrücken und zerlegt die Holzkonstruktion vollständig, nur der massive Natursteinsockel hält stand. Der hoch verschuldete Verein baut sofort neu: Bereits am 12. Oktober 1890 wird der 25 Meter hohe Stahlturm der Benrather Firma H. August Flender eingeweiht, für damals stolze 14.450 Mark, direkt auf dem alten Sockel verankert.
Dieser eiserne Turm steht bis heute, seit 1989 unter Denkmalschutz. Sein Kniff ist eine mit Wellblech ummantelte, doppelte Wendeltreppe: Aufstieg und Abstieg sind baulich getrennt, auf den 123 steilen Stufen gibt es keinen Gegenverkehr. Gegen die immensen Windlasten ist die Gitterkonstruktion mit Pardunen abgespannt, massiven Stahlseilen im Boden. Selbst der Jahrhundertorkan Lothar an Weihnachten 1999 konnte den Turm nicht fällen; die beschädigten Seile zwangen den Verein allerdings, bis Juli 2001 den Sockel auszubetonieren und neue Fundamente zu setzen.







Gebaut von Bürgern, zerstört vom Sturm, sofort wieder aufgerichtet: Der Turm auf dem Hochfirst erzählt Schwarzwald-Geschichte in Eisen.
Titisee, Feldberg, Alpen: der Rundblick vom Hochfirstturm
Warum der ganze Aufwand? Wegen der Aussicht. Der Hochfirst ist eine Kippscholle aus Granit, und genau diese Lage macht das Panorama so besonders. Nach Norden öffnet sich der Tiefblick auf das tiefblaue Band des Titisees und die Dächer von Titisee-Neustadt, nach Westen und Nordwesten dominieren das Feldbergmassiv und die markante Silhouette des Kandels. Eine umlaufende Orientierungstafel auf dem Turm hilft dir, Gipfel für Gipfel zu benennen. Bei Inversionswetterlagen oder glasklarer Luft gleitet dein Blick nach Süden bis zur Kette der Schweizer und österreichischen Alpen, bei optimalen Bedingungen sogar bis zum Mont-Blanc-Massiv; nach Osten reicht das Sichtfeld bis zur Schwäbischen Alb und zur Vulkanlandschaft des Hegaus.
Das Schöne: Für einen großartigen Teil dieser Aussicht musst du keine einzige Stufe steigen. Wenige flache Meter neben dem Turmsockel öffnet sich eine natürliche Sichtschneise, die auch Senioren und Menschen mit Gehbehinderung einen spektakulären, barrierearmen Blick auf den Titisee schenkt.
Hochfirstturm-Wanderung: drei Wege auf den Gipfel
Der Schwarzwaldverein hat drei Rundwanderwege ausgewiesen, jeder mit eigenem Charakter. Ab dem Rathaus in Lenzkirch steigst du kontinuierlich und moderat durch die Wälder, vorbei am Hierakreuz und am Hierabrunnen, einer Trinkwasserquelle am Weg: 11,52 Kilometer, 400 Höhenmeter, rund 3:45 Stunden. Ab dem Kurhaus Titisee ist die Runde mit 10,69 Kilometern und 363 Höhenmetern kürzer, dafür führen teils steile Waldpfade direkt Richtung Gipfel, etwa 3:30 Stunden. Die Königsdisziplin startet am Bahnhof Neustadt: 13,93 Kilometer über den Mittelweg, vorbei am Saiger Kreuz und der Hochfirstschanze, 474 Höhenmeter, rund sechs Stunden.
Mit Kindern nimmst du am besten den Einstieg an der Saiger Höhe im heilklimatischen Kurort Saig: nur zwei Kilometer und 160 Höhenmeter, das schaffen schon Grundschulkinder spielend. Wer es alpin mag, bucht eine geführte Tour über den Alpinen Pfad, einen der wenigen schmalen Steige im Schwarzwald durch echtes alpines Gelände, der Trittsicherheit und absolute Schwindelfreiheit verlangt.
Berggasthaus, Sprungschanze und Gleitschirme über dem Titisee
Direkt neben dem Turm wartet das traditionsreiche Berggasthaus Hochfirst. Seine Geschichte beginnt 1889 mit einer provisorischen Sommerwirtschaft; 1945 brannte das Haus nach Brandstiftung nieder und wurde im Oktober 1954 als Fürstenberg-Rasthaus neu eingeweiht. Heute sitzt du hier in urgemütlichen Stuben bei Schwarzwälder Vesper, Kaffee und Kuchen. Geöffnet ist täglich von 11 bis 18 Uhr, Mittwoch ist Ruhetag, die warme Küche schließt um 17:30 Uhr. Bei regulärem Turmbetrieb löst du am Tresen auch dein Turmticket, denn der Wirt hat die Schließgewalt über den Turm.
Zwei Schauplätze machen den Gipfel zusätzlich lebendig. An der nordöstlichen Flanke führt ein Pfad zur Hochfirstschanze, der größten Naturschanze Deutschlands mit 98,1 Metern Anlauflänge, regelmäßig Austragungsort des FIS Skisprung-Weltcups; an der Kante der Anlaufspur zu stehen und hinab nach Neustadt zu blicken, flößt echten Respekt vor den Skispringern ein. Am Westhang unterhalb des Turms starten bei guter Thermik Gleitschirmflieger und schweben lautlos Richtung Titisee. Und zur Sonnwendfeier am 21. Juni ziehen Sternwanderungen aus Neustadt, Lenzkirch und Feldberg auf den Gipfel, mit Live-Musik, Verpflegung und Sonnwendfeuer.
Anfahrt, Parken und was der Gipfel kostet
Mit dem Auto fährst du über kurvige, gut befestigte Bergstraßen aus Richtung Lenzkirch-Saig oder Titisee-Neustadt; direkt auf dem Gipfelplateau vor dem Gasthaus liegt der kostenlose Wanderparkplatz Hochfirst. Wird es an sonnigen Wochenenden eng, nutzt du die ausgewiesenen Ausweichparkplätze auf halber Strecke der Auffahrt. Ohne Auto geht es genauso gut: Als Übernachtungsgast der Ferienregion bekommst du die KONUS-Gästekarte und fährst mit Bussen und Regionalbahnen der 2. Klasse kostenlos und unbegrenzt. Empfohlene Ausgangsbahnhöfe für die Wanderung sind Titisee, rund 2,5 Kilometer vom Berg entfernt, oder Neustadt.
Beim Geld bleibt der Hochfirst bescheiden: Wälder, Gipfelplateau und Parkplatz kosten nichts. Für die Besteigung des Turms wird bei geöffnetem Turm lediglich eine kleine Erhaltungsgebühr erhoben: ein bis maximal zwei Euro für Erwachsene, Kinder und Ermäßigte zahlen höchstens 0,50 Euro, oft ist ihr Zugang sogar kostenfrei. Zwei Dinge solltest du wissen: Unter 5 Grad Celsius oder bei Eisansatz an der offenen Stahlkonstruktion darf der Turm nicht betreten werden. Und dein Hund bleibt am Turmfuß: In den durchlässigen Gitterstufen können sich Krallen verfangen und schmerzhaft verletzen, zudem lösen die durchsichtigen Stufen bei den meisten Tieren Panik aus.
Ausflugsziele in der Nähe
Der Hochfirst liegt mitten im Ausflugs-Herz des Hochschwarzwaldes, und das macht die Tagesplanung einfach. Schlägt das Wetter um, wartet nur 4,5 Kilometer entfernt das BADEPARADIES SCHWARZWALD in Titisee mit Erholung unter echten Palmen. Bei Sonnenschein drängt sich die Kombination auf: erst der Gipfel, dann hinunter an den See zu den Bootsrundfahrten Drubba Titisee oder auf den Titisee-Rundweg. Einen Abstecher wert sind vom Hochfirst aus auch der Zweiseenblick und der Feldsee-Rundweg. Schnür also die Wanderschuhe, pack das Fernglas ein und such dir einen klaren Tag aus.
Der Hochfirstturm selbst ist derzeit und bis auf weiteres für sämtliche Besucher und Wanderer strikt gesperrt. Grund sind anhaltende statische Bedenken und ein großer Umbau: Ein neuer Funkmast als Stahlgitterkonstruktion soll wie ein tragender Überbau über den historischen Turm gesetzt werden. Ein verbindliches Datum für die Wiedereröffnung gibt es nicht. Gipfel, Wanderwege und die Aussicht von den Freiflächen neben dem Turmsockel bleiben frei zugänglich, und das Berggasthaus Hochfirst hat nach seiner Sanierung regulär geöffnet. Vom 11. bis 13. Dezember 2026 gastiert der FIS Skisprung-Weltcup auf der benachbarten Hochfirstschanze; eine direkte Anfahrt ist dann nicht möglich, Zuschauer parken am Großparkplatz Neustädter Straße in Titisee und nehmen den kostenfreien Shuttle.
Gut zu wissen
Komm zum Sonnenaufgang oder in den Abendstunden herauf: Dann taucht das Licht den Feldberg und die umliegenden Kuppen in spektakuläre Farben, und du hast das Plateau fast für dich. Und beende den Ausflug nicht am Turm, sondern folge dem schmalen Pfad hinab zur Hochfirstschanze. Der Blick von der Kante der Anlaufspur ins Tal von Neustadt ist ein Erlebnis, das du so schnell nicht vergisst.