„Papa, da steht eine Truhe, wo eben noch nichts war.“ Wenn dein Kind das auf einem Waldweg unterhalb des Ravenna-Viadukts sagt, hat es gerade die Kamera eines iPads auf einen Punkt gehalten, den ihr per GPS gesucht habt. Genau das macht das Magic Portal am Hofgut Sternen in Breitnau: Es legt eine Fantasy-Geschichte über ein reales Stück Hochschwarzwald, und ihr lauft mittendrin herum, mit einer Rätseltasche über der Schulter und einem schlafenden Portalwächter im Nacken.
Wer zuerst die Lösung sieht, ist selten der Erwachsene
Das Spiel richtet sich ausdrücklich an Familien, an Kinder und an alle, die noch nie in einem Escape Room waren. Der Schwierigkeitsgrad liegt bei etwa 3 von 5, und das ist kein Versehen, sondern Konzept: Frust soll gar nicht erst aufkommen. Die Aufgaben verlangen unterschiedliche Fähigkeiten, und das verteilt die Rollen in einer altersgemischten Gruppe von allein. Die Kinder spüren Hinweise in der Natur auf und bedienen die Kamera, die älteren Familienmitglieder knabbern an den Logikrätseln. Es gibt Momente, in denen ein Kind das Symbol auf der Rätselscheibe erkennt, während die Eltern noch die Karte drehen.
Die zweite Elternfrage lautet immer: Wie lange hält das? Der Countdown veranschlagt meist 60 bis 105 Minuten reine Spielzeit, je nach Rätseltempo und Gruppendynamik. Wer unterwegs stehen bleibt, um in die Schlucht zu schauen, braucht länger, und das ist eingeplant. Für den gesamten Besuch mit Anmeldung, Einweisung, Pausen und Rückgabe der Ausrüstung solltest du ein bis drei Stunden vorsehen. Das ist kurz genug, dass die Konzentration jüngerer Kinder nicht zusammenbricht, und lang genug, dass sich der Weg gelohnt hat.
Zeitdruck baut das System bewusst nicht auf. Bleibt ein Team an einer Station hängen, liefert die App jederzeit und beliebig oft digitale Hinweise, ohne Punktabzug, ohne Strafe, ohne vorzeitiges Spielende. Auch die Geschichte selbst kommt ohne Schrecken aus: Seit jeher verbinden magische Portale die Welt der Menschen mit einer Parallelwelt, ein Kobold bewachte das hiesige Tor, bis ihn ein dunkler Zauberspruch in einen Tiefschlaf versetzte. Jetzt liegt das Portal offen unter Moos, Stein und alten Wurzeln, und ihr sammelt Kristalle, Symbole und Artefakte, um den alten Schutzzauber wieder zusammenzusetzen.
Warum das Magic Portal kein Raum ist, aus dem man flieht
Der klassische Escape Room sperrt dich mit einer Uhr in ein Zimmer. Hier gibt es weder Zimmer noch Tür noch einen Spielleiter aus Fleisch und Blut. Diese Rolle übernimmt ein iPad, das der Veranstalter stellt: Es navigiert euch per GPS über das weitläufige Gelände, erzählt die Geschichte weiter und entscheidet, wann ihr am Ziel seid. Die Runde ist selbstgesteuert, ihr bestimmt Tempo und Pausen selbst. Technisch steckt dahinter die Plattform des Entwicklers Cluetivity, der darauf spezialisiert ist, reale Orte in Spielfelder zu verwandeln, also eine Mischung aus Schnitzeljagd, Geocaching und erweiterter Realität.
Das Gegenstück zur Technik ist erfreulich analog. Zu Beginn bekommt jedes Team das sogenannte ActionPack, eine ausgestattete Rätseltasche. Darin liegen magische Kobold-Karten, verzauberte Münzen und eine hölzerne Rätselscheibe. Das Prunkstück für alle, die Knobeleien mögen, ist der Kryptex: ein mechanisches Zylinderschloss, das sich nur öffnet, wenn ihr reale Gegenstände und digitale Hinweise richtig zusammenbringt. Man sieht Familien am Wegrand hocken, Münzen sortieren und die Scheibe drehen, während das Tablet daneben im Gras liegt.
Spannend wird es, sobald ihr geheime Koordinaten erreicht. Dann schaltet sich die Kamera in den Augmented-Reality-Modus, und virtuelle Objekte legen sich fotorealistisch über die echte Umgebung des Höllentals. Eine magische Truhe steht plötzlich zwischen den Fichten, und der freundliche Kobold Sedrick taucht als Avatar mitten im Wald auf und rückt Hinweise heraus, die euch weiterbringen. Für Kinder ist dieser Moment der Punkt, an dem die Geschichte kippt und wirklich wird. Für Erwachsene ist es der Moment, an dem sie merken, dass sie das Handy den ganzen Nachmittag nicht angeschaut haben.
250 Jahre Rastplatz, 40 Meter Viadukt
Das Spielfeld ist keine beliebige Wiese, sondern eine der bekanntesten Stationen im Hochschwarzwald. Das Erlebnisresort Hofgut Sternen dient seit über 250 Jahren als Rastplatz und Herberge am Eingang der Ravennaschlucht. Auf dem Gelände, das ihr während der Mission abklappert, stehen charakteristische Gebäude wie das SteigenHaus, das Goethehaus, das Schwarzwaldhaus und das RavennaHaus. Ihr lauft also durch eine gewachsene Anlage und nicht durch eine Kulisse, die für ein Spiel gebaut wurde.
Die Route führt unmittelbar an den Eingang der Ravennaschlucht, ein steiles, dicht bewaldetes Tal, durch das der Ravennabach schießt. Die Felsformationen liefern die Optik, die eine Fantasy-Geschichte braucht, ganz ohne Nebelmaschine. Über allem steht das steinerne Ravenna-Viadukt der Höllentalbahn, 40 Meter hoch, und wenn oben ein Zug darüber rollt, während unten der Kobold auf dem Bildschirm redet, ergibt das eine Mischung, die kein Escape Room der Welt nachbaut.
Am Rand der Strecke liegen zwei weitere Anlaufpunkte, die einen Blick verdienen. Die St. Oswald Kapelle wurde bereits 1148 vom Konstanzer Bischof geweiht und gilt als älteste Kirche im südlichen Schwarzwald, mit einem historischen Gebeinhaus und Glocken aus dem 16. Jahrhundert. Direkt am Hofgut arbeitet außerdem die Glasmanufaktur, in der ihr den Glasbläsern bei der Arbeit zusehen könnt. Beides eignet sich hervorragend als Anschlussprogramm, wenn das Portal versiegelt ist und die Kinder noch nicht nach Hause wollen.
Vom 26. November bis zum 20. Dezember 2026 findet auf genau diesem Gelände, direkt unter dem Ravenna-Viadukt, der Weihnachtsmarkt in der Ravennaschlucht statt, jeweils Donnerstag bis Sonntag mit über 40 Holzhütten. Das Areal ist an diesen Tagen ein abgeriegeltes Veranstaltungsgelände, der Zutritt läuft ausschließlich über vorab gebuchte Tickets samt verpflichtendem Shuttle, und der reguläre Wanderbetrieb durch die Schlucht ist gesperrt. Ein ungestörtes Spiel ist an diesen Adventstagen praktisch nicht möglich. Sprich vorher mit dem Betreiber.
Was der Tag kostet und wie ihr hinkommt
Abgerechnet wird pro Kopf: 24,00 Euro pro Person. Eigene Kinder- oder Familientarife sind für den Standort Breitnau nicht belegt, hier zahlt jede teilnehmende Person denselben Preis. Genau deshalb ist die Hochschwarzwald Card an dieser Attraktion ein spürbarer Hebel. Das Magic Portal gehört zu den Inklusivleistungen, Karteninhaber spielen einmalig während ihres Aufenthaltes kostenlos, nach vorheriger Online-Buchung. Die Karte selbst bekommen Gäste kostenfrei, die mindestens zwei Nächte in einem der teilnehmenden Partnerbetriebe der Region buchen. Auch die lokale WälderCard wird akzeptiert.
Feste Öffnungszeiten gibt es nicht, gespielt wird nach Termin. Gebucht wird online nach Verfügbarkeit über mein.hochschwarzwald.de, und diese Buchung solltest du nicht auf den Ausflugstag verschieben. Die Zahl der ActionPacks und iPads ist physisch begrenzt, an starken Wochenenden und in den Ferien gehen spontane Besucher regelmäßig leer aus. Betrieben wird das Spiel ganzjährig, es findet allerdings zu hundert Prozent unter freiem Himmel statt.
Mit dem Auto erreichst du das Areal über die B31 zwischen Freiburg und Titisee. Am Höllsteig liegt ein großer Wanderparkplatz, er ist gebührenpflichtig und zugleich der Hauptausgangspunkt für alle, die in die Ravennaschlucht wandern. Ohne Auto steigst du an den Bahnhöfen der Höllentalbahn in Hinterzarten oder Himmelreich aus, die rund 6 bis 10 Kilometer entfernt liegen, und nimmst den Anschlussbus bis zur Haltestelle am Hofgut Sternen. Übernachtungsgäste in Breitnau bekommen die KONUS-Gästekarte, die in der gesamten Ferienregion als Freifahrtticket in der 2. Klasse gilt. Auf den Eintritt gibt sie keine Ermäßigung, die Anreise kostet damit aber nichts. Und noch ein Wort zu den Füßen: Die Pfade am Ravennabach sind feucht, wurzelig und rutschig, feste Wanderschuhe oder robustes Outdoor-Schuhwerk mit Profil gehören dazu.
Der Wanderparkplatz am Höllsteig füllt sich an sonnigen Wochenenden nicht mit Escape-Game-Gästen, sondern mit tausenden Schluchtwanderern. Plane mindestens 30 Minuten Puffer vor deinem gebuchten Start ein, dann beginnt die Mission entspannt statt im Laufschritt.
Ausflugsziele in der Nähe
Weil ihr ohnehin am Eingang der Ravennaschlucht steht, bietet sich davor oder danach eine ausgedehnte Wanderung durch das wildromantische Tal an. Das ist die naheliegendste Verlängerung des Tages und kostet keinen Cent extra. Kulinarisch endet der Ausflug bequem vor Ort, etwa in der RavennaStube des Hofgut Sternen, wo regionale Schwarzwaldspezialitäten auf den Tisch kommen.
Für den weiteren Tagesverlauf liegen zwei touristische Zentren in Sichtweite. Hinterzarten ist nur rund 5 Kilometer entfernt, etwa 8 Fahrminuten. Der Titisee liegt bei rund 8,5 Kilometern beziehungsweise 11 Fahrminuten und lädt zu Bootstouren und einem Bummel über die Promenade. Wer noch mehr Stadt möchte, ist mit etwa 23 Kilometern und rund 30 Minuten Fahrzeit in Freiburg.
Und wenn der Himmel zumacht, gibt es zwei wetterfeste Ausweichziele in der Nachbarschaft: das Badeparadies Schwarzwald in Titisee, das ebenfalls Rabatte über die Hochschwarzwald Card anbietet, und die Fundorena am Feldberg, eine große Indoor-Sport- und Spielhalle mit Trampolinpark und Indoor-Hochseilgarten. Am schönsten bleibt es trotzdem draußen: Sichere dir früh im Urlaub einen Termin, pack die Wanderschuhe ein und lös den Zauberspruch, bevor die Grenze zwischen Wirklichkeit und Legende endgültig fällt.