Wo parkst du eigentlich, wenn du zum Mathisleweiher willst? Nirgends in seiner Nähe, und genau darin liegt der Reiz. Der knapp zwei Hektar große Moorsee südwestlich von Hinterzarten hängt an keiner Straße: kein Parkplatz am Ufer, keine Schranke, keine Kasse. Wer ihn sehen will, geht die letzten Kilometer zu Fuß. Dafür wartet eine Stille, die man auf 999 Metern selten so ungestört findet, und rotbraunes Wasser wie stark aufgebrühter Tee.
Rotbraunes Wasser auf 999 Metern: Moor, Moose und strenge Regeln
Am befestigten Ostufer stehen Bänke, davor spiegelt sich der Wald so glatt, dass Fotos beinahe symmetrisch werden. Graue abgestorbene Fichten ragen aus dem Ufergürtel, ringsum liegen massige Felsbrocken aus der Eiszeit.
Der See misst an der längsten und breitesten Stelle etwa 140 mal 200 Meter und wird nirgends tiefer als 3,6 Meter. Seine rotbraune Farbe stammt von Huminsäuren aus dem Moor, der pH-Wert schwankt zwischen 4,5 und 6,15. Geformt hat die Mulde der Feldberg-Gletscher, gespeist wird sie vom Zartenbach; was hier abfließt, erreicht über Rotbach, Dreisam, Elz und Rhein irgendwann die Nordsee.
Der Weiher ist das Herzstück des Naturschutzgebiets Eschengrundmoos, ausgewiesen im Dezember 1984 und 40,25 Hektar groß, zugleich Teil eines FFH-Gebiets. Auf den Torfmoosteppichen wächst der Rundblättrige Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze, daneben Rosmarinheide und Moorkiefern. Im sauren Wasser leben Hechte, Bachforellen, Karpfen und die selten gewordene Elritze, angeln dürfen Tagesgäste nicht. Die Regeln sind streng: auf den Wegen bleiben, nicht campen, kein Feuer, nichts pflücken, keine Drohnen.








Drei Wege zum Ziel: die Wanderung von Hinterzarten zum Mathisleweiher
Der direkteste Zugang ist der Emil-Thoma-Weg. Du folgst ihm ab Hinterzarten nach Südwesten, grob Richtung Feldsee, Feldberg und Rinken; nach knapp zwei Kilometern weist ein Schild nach links in den Wald, nach weiteren 500 Metern durch den Eschengrund stehst du am Ufer. Ab Ortsrand sind das knapp 2,5 bis 3 Kilometer.
Wer mehr will, nimmt den ausgeschilderten Mystischen Weg zum Mathisleweiher, rund neun Kilometer ab hinter dem Kurhaus, vorbei am Kesslerberg und am Kinderspielplatz Wolfsgrund, zurück über Stuckwald, Mathislehof und den Dorneckfelsen mit Blick auf Titisee und Hochfirst. Rechne mit gut 3 bis 3,5 Stunden und 167 bis 330 Höhenmetern. Ambitionierte hängen den Säbelthomaweg an, einen zertifizierten Genießerpfad von 11 bis 12 Kilometern, der Trittsicherheit verlangt und auf über 1.200 Metern Fernsicht bis zum Feldbergmassiv bietet.
Im Sommer 2026 meldete Hinterzarten wiederholt hohe Waldbrandgefahr, Rauchen und offenes Feuer sind im Schutzgebiet ohnehin untersagt. Die Lotenbachklamm bleibt nach einem Erdrutsch für die restliche Saison 2026 gesperrt, ebenso der Müllerweg.
Eintritt frei, Schuhe entscheidend: womit du losgehen solltest
Der Besuch kostet nichts: keine Kasse, keine Tickets, keine Schließzeiten, der Weiher ist ganzjährig und rund um die Uhr erwanderbar. Wer die Stimmung für sich haben will, startet früh, dann liegt die Wasseroberfläche spiegelglatt. Gebadet wird ausschließlich am Südufer, Nord- und Ostufer bleiben tabu.
In der Moorsenke werden die schmalen Pfade bei Regen rasch rutschig, festes wasserdichtes Schuhwerk mit grobem Profil ist dann Pflicht. Im Winter sind die Touren je nach Schneelage als Winterwanderwege begehbar; die Oberzarten-Langlaufloipe verläuft dicht vorbei, also seitlich bleiben und die Spur nicht zertreten.
Für Familien ist die Runde stark, sofern die Kinder rund neun Kilometer mitgehen: Findlinge zum Klettern, große Ameisenhaufen am Wegrand, der Spielplatz Wolfsgrund als Pause. Für klassische Buggys und Standard-Kinderwagen taugt das Terrain nicht, besser Kraxe oder gefederter Outdoor-Wagen. Auf den breiteren Forstwegen kommst du im Sommer auch mit dem Rad voran, die schmalen Pfade zum Ufer gehst du in jedem Fall zu Fuß. Hunde dürfen mit, an der kurzen Leine; mit Rollator oder Rollstuhl ist der Weiher nicht erreichbar.
Gut zu wissen
Zum Mathisleweiher führt keine Straße: parken, Bahn fahren, loslaufen
Startpunkt für fast jede Tour ist das Kurhaus Hinterzarten, Freiburger Straße 1, erreichbar über die B31, Ausfahrt Hinterzarten. Geparkt wird nur im Ort, gebührenpflichtig montags bis sonntags von 08:00 bis 18:00 Uhr: am Kurhaus sind die ersten 30 Minuten frei, danach kosten bis fünf Stunden 5,00 Euro und das Tagesticket 8,00 Euro. Dieselben Tarife gelten für P1 am Rößlehof, P2 am Bahnhof und P3 an der Kirche, dort zusätzlich 15,00 Euro für die Woche. Gänzlich kostenfreie Plätze für Tagesgäste gibt es im Zentrum und am Bahnhof nicht. Bezahlt wird am Automaten oder über die Smart-Parking App, und die Automaten können Unterschiedliches: Am Kurhaus nimmt einer Karte, Scheine und Münzen, P1 und P2 haben je einen Automaten für Karte, Schein und Münze plus einen reinen Münzautomaten, an P3 an der Kirche gehen nur Münzen oder die App.
Entspannter ist die Bahn. Der Bahnhof Hinterzarten liegt rund 115 Meter vom Startpunkt entfernt und wird von den Linien S1, S10 und S11 bedient. Wer in einer teilnehmenden Gemeinde übernachtet, und Hinterzarten ist eine davon, bekommt bei der Anmeldung vom Gastgeber kostenlos die KONUS-Gästekarte. Vollständig ausgefüllt und zusammen mit einem Lichtbildausweis gilt sie für den gesamten Aufenthalt als Freifahrtschein zweiter Klasse in Bussen und Bahnen des Verbundgebiets, ICE und IC ausgenommen.
Ausflugsideen für danach: die Nähe erkunden
Den Namen hat der See vom Mathislehof, dessen Geschichte bis 1446 zurückreicht und der auf den Bauern Mathias Rombach zurückgeht, Besitzer ab 1736. Der Hof wirtschaftet nach Demeter- und Bioland-Richtlinien, in der restaurierten Dreschtenne liegt der Hofladen mit Rohmilch-Bergkäse, Rindersalami, hofeigenen Nudeln und Brot aus eigenem Getreide. Samstags und sonntags öffnet er von 10:00 bis 18:00 Uhr mit Hofcafé, montags bis mittwochs bleibt zu; für Donnerstag und Freitag nennen die Quellen zwei verschiedene Zeiten, 13:00 bis 18:00 Uhr und 13:00 bis 16:00 Uhr, frag also am selben Tag nach. Jeden ersten Samstag im Monat gibt es Hofführungen.
Direkt am Startpunkt beim Kurhaus liegt das Schwarzwälder Skimuseum, wenige Schritte vom Weg entfernt. Mit der Hochschwarzwald Card ist der reguläre Eintritt einmalig frei, ebenso mit dem Museums-PASS-Musées. Die Card bekommst du kostenlos, sobald du mindestens zwei Nächte am Stück bei einem Partnerbetrieb buchst, einzeln kaufen kann man sie nicht; das VR-Skisprung-Erlebnis wird separat berechnet und kostet regulär 5,00 Euro für Erwachsene und 3,00 Euro für Kinder. Einen kurzen Abstecher wert ist der Naturerlebnispfad Hinterzarten, für längere Beine die Ravennaschlucht. Titisee-Neustadt erreichst du in einer S-Bahn-Station, dort liegen die Bootsrundfahrten Drubba Titisee und der Action Forest Kletterwald. Pack also feste Schuhe ein und nimm den Frühzug.
Jeden Montag von 10:00 bis 12:00 Uhr bietet der Schwarzwaldverein vor dem Kurhaus Hinterzarten eine kostenfreie Wanderberatung an, bei schlechtem Wetter im Foyer. Dort bekommst du tagesaktuelle Auskunft zu Wegezustand, Sperrungen und Umleitungen, bevor du losläufst.