Einen Weihnachtsmarkt besucht man spontan: hinfahren, Glühwein trinken, weiterziehen. Beim Weihnachtsmarkt Ravennaschlucht funktioniert genau das nicht. Es gibt keine Abendkasse, keinen Parkplatz auf gut Glück und keine Chance, sich am Einlass durchzureden. Wer dagegen Monate vorher plant, bekommt einen Talgrund im Höllental, rund 40 leuchtende Holzhütten und 40 Meter über dem Kopf ein Eisenbahnviadukt, über das in regelmäßigen Abständen ein roter Zug fährt.
In der Saison 2026 ist der Markt vom 26. November bis zum 20. Dezember 2026 geöffnet, donnerstags von 16:00 bis 21:00 Uhr und von Freitag bis Sonntag von 14:00 bis 21:00 Uhr. Am 10.12.2026 bleibt der Markt für reguläre Touristen geschlossen: Dieser Donnerstag ist als Wäldertag den Einwohnern der Hochschwarzwald-Gemeinden mit WälderCard vorbehalten, die an diesem Abend kostenfrei hineinkommen.
Vier Adventswochenenden, zwei Stunden Zeitfenster
Den Markt gibt es nur an den vier Adventswochenenden, und er ist ein kompromissloses Outdoor-Ereignis in einem Hochtal des Schwarzwalds. Große beheizte Zelte, in die sich alle flüchten könnten, existieren nicht. Regengeschützt bist du eigentlich nur direkt unter den steinernen Bögen des Viadukts. Warme, wetterfeste Kleidung und robustes Winterschuhwerk sind deshalb keine Empfehlung, sondern Voraussetzung, wenn du zwei Stunden bei Schnee, Nieselregen oder klirrender Kälte im Talgrund stehst.
Zwei Stunden, das ist kein Zufall, sondern dein gebuchtes Zeitfenster. Das Ticket gilt für eine feste Ankunftszeit, und die Taktung der Shuttlebusse hält den Aufenthalt in diesem Rahmen. Wenn du die Wahl hast, nimm einen späten Slot ab etwa 18:30 oder 19:00 Uhr. Die Farben auf den Viaduktbögen wirken erst gegen den pechschwarzen Nachthimmel richtig, die Busse sind auf der Hinfahrt spürbar leerer, und die Stoßzeit des Nachmittags ebbt langsam ab.
Eine Sache solltest du vorher wissen, weil sie viele Wanderer überrascht: Die eigentliche Ravennaschlucht mit ihrem Wandersteig, den Felsgalerien und den Treppen ist im Winter von der Gemeinde Breitnau offiziell gesperrt. Eisbildung an den Wasserfällen und Schneelasten machen den Steig unkalkulierbar. Wer zu Fuß kommen möchte, nimmt den sicheren Winterweg durch das benachbarte Löffeltal ab Hinterzarten.








Neun Steinbögen und eine Straße, auf der Marie-Antoinette hielt
Über allem stehen neun Bögen. Das Ravennaviadukt der Höllentalbahn ist 40 Meter hoch, 200 Meter lang und gemauert, und es spannt sich wie ein Dach über das Hüttendorf. Abends legt ein Lichtkonzept warme Rot-, Blau- und Grüntöne über die Steinbögen. In regelmäßigen Abständen schiebt sich ein roter Zug über die leuchtende Brücke, und für einen Moment schauen unten alle gleichzeitig nach oben.
Die Brücke, die du siehst, ist nicht die erste an dieser Stelle. Ab 1885 baute der Ingenieur Robert Gerwig hier zunächst eine Stahlfachwerkbrücke. Weil der Zugverkehr immer schwerer wurde, entstand zwischen 1926 und 1927 die heutige Steinkonstruktion. Im Zweiten Weltkrieg sprengte der Volkssturm das Bauwerk, bis 1947 stand es wieder.
Auch der Talgrund selbst hat Geschichte. Der Markt liegt auf dem Areal des Hofgut Sternen, an dem seit dem 12. Jahrhundert die Falkensteige vorbeiführte, ein gefährlicher Saumpfad zwischen Freiburg und Donaueschingen. Die St. Oswald-Kapelle nebenan wurde 1148 geweiht und ist die älteste erhaltene Pfarrkirche im Schwarzwald. Im Mai 1770 machte Marie-Antoinette auf ihrer Brautreise nach Frankreich hier Halt, mit 21 Karossen und 450 Pferden, 1779 übernachtete Goethe im selben Gasthof. Und der Hügel, der die Talsohle um rund 30 Meter überragt, heißt Galgenbühl, weil dort früher hingerichtet wurde.
Was den Weihnachtsmarkt Ravennaschlucht von jedem Rathausplatz trennt
Wer hier ausstellen will, muss aus dem Schwarzwald kommen. Der Veranstalter lässt ausschließlich Händler, Handwerker und Gastronomen aus der Region zu, und Massenware ist ausgeschlossen: Verkauft werden darf nur, was in der eigenen Werkstatt oder Küche entstanden ist. In den rund 40 Hütten findest du deshalb geschnitzte Holzfiguren, Keramik, Strickwaren und wärmende Textilien, die an eisigen Wintertagen besonders stark nachgefragt werden. Ausgezeichnet ist das Ganze als Green Event BW, betrieben wird es zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien und komplett mit LED-Beleuchtung.
Gegessen wird ebenfalls regional. Auf der Karte stehen das deftige Ravenna Wanderpfännle, frische Forellenfilets vom Hofgut Weiher und geräucherter Schwarzwälder Schinken, dazu Glühwein, Punsch und regional gebrannte Schnäpse. An offenen Feuerstellen wärmst du dir die Finger, es riecht nach gebrannten Mandeln, und an den Wochenenden spielen lokale Musikgruppen. Wenn du es gemütlicher magst: Abseits des Trubels stehen beheizte, transparente Gourmet-Iglus für vier bis acht Personen, in denen ein Fonduelette-Menü aus Fleischfondue und Raclette mit passenden regionalen Weinen serviert wird. Reserviert wird vorab online.
Für Kinder ist der schönste Teil oft nicht der Markt selbst, sondern der Krippenpfad des Holzbildhauers Simon Stiegeler. Er liegt etwas abseits im Wald Richtung Schlucht, erzählt die Weihnachtsgeschichte an mehreren Stationen mit handgefertigten Figuren und wirkt in völliger Dunkelheit am stärksten, wenn die beleuchteten Engel zwischen den Bäumen auftauchen. Auf dem Gelände gibt es außerdem eine Rallye mit Rätselstationen und Lösungswort, ein Weihnachtspostamt samstags und sonntags, in dem Kinder ihre Wünsche auf eine Postkarte schreiben und dekorieren, sowie eine historische Eisenbahn, ein Karussell und ein Mini-Riesenrad. Am vierten Adventswochenende lost der Veranstalter einige der eingeworfenen Wünsche aus und erfüllt sie tatsächlich.
Gut zu wissen
Ticket, Shuttle, Bargeld: die Logistik im Höllental
Der Zugang läuft ausnahmslos über kontingentierte Online-Tickets mit festem Zeitfenster. Eine Tages- oder Abendkasse gibt es nicht, weder für den Eintritt noch fürs Parken, und wer auf gut Glück anreist, wird vom Sicherheitspersonal abgewiesen. Erwachsene zahlen nachmittags 7,50 Euro inklusive Ticket- und Systemgebühr, für Abendtermine sind es 9,50 Euro. Mit Schwerbehindertenausweis (GdB 50 bis 100 Prozent) gilt ein Euro Ermäßigung, nachmittags also 6,50 Euro, und zwar auch für eine im Ausweis eingetragene Begleitperson mit Merkzeichen B. Gruppen ab 20 Personen kommen nachmittags für 5,50 Euro pro Person hinein, Kinder und Jugendliche bis einschließlich 15 Jahre zahlen nichts.
Für die Anreise gilt eine klare Empfehlung: Zug statt Auto. Mit der Höllentalbahn fährst du zu einem der P+R-Bahnhöfe, von dort bringen dich Shuttlebusse direkt an den Eingang. Sie starten ab Bahnhof Hinterzarten, Bahnhof Himmelreich, Titisee Kurhaus P1 und Freiburg Hauptbahnhof (ZOB Steig 7). Für erwachsene Vollzahler ist die Busfahrt im Eintrittsticket enthalten. Einen garantierten Sitzplatz hast du nur im Sonder-Shuttle ab Freiburg, sonst kann es Stehplätze geben. Die Parkplätze am Hofgut Sternen sind extrem knapp und nur für Fahrzeuge bis zur Größe eines VW-Busses ausgelegt, Wohnmobile bleiben draußen. Das Parkticket kaufst du vorab online. Es funktioniert als Kombi-Angebot und beinhaltet neben dem Stellplatz den Eintritt für alle Fahrzeuginsassen; die reine Parkgebühr liegt je nach Tag und Verweildauer zwischen 5,00 und 10,00 Euro. Ausgedruckt muss das Ticket gut sichtbar hinter der Windschutzscheibe liegen.
Bleibt die Sache mit dem Geld. Zwischen den massiven Felswänden gibt es praktisch kein Mobilfunknetz, die Kartenterminals der Händler bauen keine Verbindung auf. Zahlen kannst du vor Ort deshalb in aller Regel nur bar. Heb vorher genug ab, sonst stehst du vor der Forellenhütte und schaust den anderen beim Essen zu.
Was sich in der Nähe noch lohnt
Zwei Stunden Markt füllen keinen Tag, und das ist Absicht. Nur etwa 15 Fahrminuten entfernt liegt am Titisee das Badeparadies Schwarzwald mit Rutschen, Saunen und tropischer Halle. Vormittags aufwärmen, am späten Nachmittag in die kalte Schlucht: Dieser Kontrast funktioniert erstaunlich gut.
Wer den Tag lieber trocken beginnt, geht ins Schwarzwälder Skimuseum in Hinterzarten. Es sitzt im Hugenhof, einem über 300 Jahre alten Schwarzwaldhof, und erzählt die Geschichte des Wintersports in der Region seit 1890, von Olympiasieger Georg Thoma über die Läuferin Christel Cranz bis zur Entwicklung vom Holzski zum Snowboard. Im Winter ist dienstags, mittwochs und freitags von 14 bis 17 Uhr geöffnet, an Wochenenden und Feiertagen von 12 bis 17 Uhr. Danach steigst du am nahen Bahnhof Hinterzarten direkt in den Shuttle.
Bleibt Zeit und ist das Wetter klar, lohnt eine Runde um den Titisee oder der Aufstieg zum Hochfirstturm auf dem Hausberg von Titisee-Neustadt mit weitem Blick über die verschneite Region.
Die Tickets gehen üblicherweise Mitte Oktober in den Vorverkauf, und zuletzt waren rund 75.000 Stück binnen eines halben Tages restlos ausverkauft. Wer den Newsletter der Hochschwarzwald Tourismus GmbH abonniert, bekommt in der Regel einige Stunden früher Zugang zum Ticketshop und kann sein Zeitfenster in Ruhe auswählen. Kaufe ausschließlich über die offiziellen Portale: Auf Kleinanzeigen und Social Media kursieren Fälschungen, die am Einlass-Scanner abgelehnt werden.