Es riecht nach warmem Brot, irgendwo klappert ein Blech, und hinter einer großen Glasscheibe formt jemand Teiglinge, als wärst du gar nicht da. Du stehst mit einem Rätselblatt in der Hand mitten im Kornhaus der Blattert Mühle in Wellendingen, und die erste Aufgabe schickt dich schon zwischen Mehlsäcke und Getreidekörner. Die Körner Schnitzeljagd hat begonnen.
Wann das Kornhaus offen hat und warum euch Regen hier egal sein kann
Das Kornhaus ist ganzjährig geöffnet, eine Saisonpause gibt es nicht. Montags bis freitags kommst du von 08:00 bis 18:00 Uhr hinein, samstags von 08:00 bis 12:00 Uhr, sonntags ist Ruhetag. Für die Körner Schnitzeljagd musst du weder einen Termin buchen noch eine Uhrzeit reservieren: Du meldest dich einfach im Laden, bekommst deine Unterlagen und legst los. Der einzige Haken ist der letzte mögliche Start, und der liegt exakt 90 Minuten vor Ladenschluss. Unter der Woche heißt das 16:30 Uhr, samstags schon 10:30 Uhr.
Was der Spaß kostet, ist schnell erzählt. Erwachsene zahlen 5,00 €, Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren 3,50 €, Kleinkinder unter sechs laufen in Begleitung ihrer Eltern kostenfrei mit. Ein Familienticket sucht ihr vergeblich, und das ist Absicht: Die Betreiber halten die Einzelpreise für fair kalkuliert, und die Kleinen sind ohnehin gratis dabei. Wer die Hochschwarzwald Card dabei hat, geht einmalig kostenlos auf Rätseljagd, ganz ohne Anmeldung.
Und wenn der Regen quer über den Hochschwarzwald zieht? Genau dann spielt dieses Ziel seine Stärke aus. Laden, Schaubackstube, Café und die wesentlichen Stationen der Schnitzeljagd liegen im überdachten Kornhaus, nass werdet ihr höchstens auf dem Parkplatz. Der liegt direkt vor dem Gebäude, eine weitere Ebene mit Stellplätzen gibt es unterhalb des Gebäudekomplexes. Wer zu einem der mehrstündigen Backkurse kommt, stellt sein Auto auf dem großen Kiesplatz gegenüber der Konstantin-Fehrenbach-Straße 31 ab, damit die kurzen Wege vor dem Eingang für Ladenkunden frei bleiben. Bis Bonndorf kommt ihr auch ohne Auto: Die KONUS-Gästekarte, die in den meisten Schwarzwälder Unterkünften im Preis steckt, bringt euch kostenlos mit dem Nahverkehr dorthin. Sie gilt dabei in der 2. Klasse und nicht in Fernzügen wie IC und ICE.
Rätselblatt statt Bildschirm: die Körner Schnitzeljagd
Die Körner Schnitzeljagd funktioniert wie ein Escape-Room, nur eben mitten in einem echten Lebensmittelbetrieb. Mit deinen Rätselaufgaben in der Hand folgst du den Spuren der Müllerfamilie und des Getreides durch die Räume des Kornhauses. Mal geht es um Getreidearten, mal um den Weg vom Korn zum Mehl, mal um die Geschichte des Hauses. Gefragt sind logisches Denken, ein wacher Blick und Kombinationsgeschick.
Rechnet mit 60 bis 90 Minuten. Das Spiel richtet sich an Kinder und Jugendliche von 6 bis 18 Jahren und an Familien, aber ein paar Fragen sind knifflig genug, dass die Eltern nicht nur Zettelhalter spielen. Am Ende wartet auf die erfolgreichen Meisterdetektive eine kleine Belohnung, die zum Thema passt.
Für Eltern ist das die entspannteste Variante eines Familienausflugs: Die Kinder sind über eine Stunde beschäftigt und lernen dabei etwas, während ihr in Ruhe durch die Regale streift oder euch im Café hinsetzt. Die Glasscheibe zur Backstube ersetzt dabei jedes Wartezimmer, weil ihr dem Team beim Kneten, Formen und Einschießen zusehen könnt.
700 Artikel, eine Backstube hinter Glas und der Freitagsmarkt
Der Verkaufsraum ist 450 Quadratmeter groß, holzgetäfelt und führt rund 700 Artikel. Das Dinkelsortiment fällt ungewöhnlich breit aus, dazu kommen Mehle, die ursprünglich für die Spitzengastronomie entwickelt wurden: kleberstarkes Pizzamehl der Typen 00 und 0 für lange Teigführungen, Spätzlemehl, 3-Urkornmehl, Emmer-Vollkornmehl und Dinkelreis. Eigene Backmischungen wie das Mühlenbrot, das Alemannische Ruchbrot oder das Shortbread Oats & Spelt nehmen dem Heimbacken die Rechnerei ab. Daneben stehen Bio-Waldbeermüsli, Bio-Birchermüsli, Bio-Schoko-Cluster Crunchy, Eier, Konfitüren, Honig, Nudeln und Schwarzwälder Liköre.
Zwischen Produktion und Verkauf gibt es bewusst keine Trennwand. Von dienstags bis freitags wird ab 14:00 Uhr frisches Brot gebacken, ohne Stabilisatoren und ohne Konservierungsstoffe. Der beste Tag ist der Freitag: Von 14:00 bis 18:00 Uhr läuft der Brotzeit-Markt vor und im Kornhaus, mit besonders großem Brotsortiment, frischen Hefezöpfen, Heumilch-Käse vom Röschenhof aus dem Bregenzer Wald, Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Schlachtung der Metzgerei Gut aus Stühlingen und wechselndem Obst und Gemüse der Saison.
Das Kornhaus-Café serviert täglich Kuchen und Torten aus der angrenzenden Backstube, dazu hausgemachte Quiches, vegetarisch oder klassisch mit Schinken und Käse. Wer früh kommt, frühstückt hier: frische Brötchen, hauseigenes Porridge, das Kornhausmüsli oder ein Dinkelfrühstück, dazu eine vollwertige vegane Variante mit süßen und deftigen pflanzlichen Aufstrichen.
Sechs Generationen Blattert Mühle: vom Tagelöhner zum Erlebnis-Kornhaus
Als wahrscheinlicher Startpunkt der Müllerei in der Familie gilt das Jahr 1822. Damals arbeitete Jakob Schmidt in Wellendingen als Müller und war von 1794 bis 1812 zugleich Vogt, also Bürgermeister, während Paul Blattert als Tagelöhner im Ort lebte. Erst dessen Sohn Josef, der 1821 Johanna Mayer heiratete, ergriff den Beruf des Müllers. Aus dieser Entscheidung ist der Betrieb geworden, den heute die Brüder Daniel und Christoph Blattert als ausgebildete Müllermeister in sechster Generation führen.
Lange war das ein Zwei-Mann-Betrieb: Mehl für die Handwerksbäckereien der Umgebung, Kundenmüllerei für die Bauern, Futtermittelhandel. Mit rund 1.000 Tonnen Getreide im Jahr gehört die Mühle zu den kleinsten noch aktiven Handwerksmühlen Deutschlands. Der kaufmännische Wendepunkt kam 2001, als die Edeka-Schmidts-Märkte in Bonndorf beliefert wurden; daraus wuchs das heutige Kornhaus mit rund 30 Mitarbeitenden. Als Partner des Naturparks Südschwarzwald ist die Mühle außerdem Getreidesammelstelle und Lohnaufbereiter für die Landwirte der Umgebung und hält damit eine gesunde Fruchtfolge auf den Höfen am Leben.
Wer tiefer einsteigen will, bucht einen Backkurs in der Schaubackstube. Das Programm reicht von Brot & Zopf über Laugengebäck bis zur Sauerteig-Masterclass, in der ohne Backhefe allein mit Roggen- und Weizensauerteig sowie Lievito Madre gearbeitet wird. Angeleitet wird von Daniel Blattert selbst oder von Dozentinnen wie Sabrina Helber und Veronika Rinklin. Vier bis viereinhalb Stunden solltet ihr einplanen, manche Spezialkurse laufen sogar über Samstagabend und Sonntagmorgen. Mit der Hochschwarzwald Card ist zusätzlich das kleine Brezel 1x1 einmalig inklusive, montags um 9:00 Uhr, hier allerdings nur mit vorheriger Buchung über das Portal der Vorteilskarten oder direkt bei der Mühle.
Die Backkurse sind so gefragt, dass neue Termine oft binnen kurzer Zeit restlos ausgebucht sind. Die Mühle setzt laufend zusätzliche Kurse an. Wer einen Platz will, legt sich im Onlineshop ein Kundenkonto an und aktiviert die Benachrichtigung beim Wunschkurs, dann kommt die Mail in dem Moment, in dem ein Platz frei wird oder ein Zusatztermin öffnet.
Gut zu wissen
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Wellendingen liegt günstig für einen ganzen Tag. Der Luftkurort Bonndorf befindet sich nur rund zwei Kilometer südlich der Wutachschlucht, einem der größten Naturschutzgebiete des Landes. Daraus wird ein runder Plan: vormittags durch das kühle Mikroklima der Schlucht wandern, nachmittags ins Kornhaus-Café auf eine Quiche und ein Stück Kuchen, danach den Einkauf für die Ferienwohnung erledigen. Wer noch mehr Fels und Wasser will, hängt die Lotenbachklamm an, die von dort aus schnell erreichbar ist, oder plant an einem zweiten Tag die Gauchachschlucht ein.
Mit kleineren Kindern lohnt der Anschluss direkt vor Ort. Nur 252 Meter vom Kornhaus entfernt liegt der Spielplatz Wellendingen mit Schaukeln, Rutsche und Klettergerüst, genau richtig, um nach dem Rätseln die restliche Energie loszuwerden. An warmen Tagen ist außerdem das Städtische Freibad Bonndorf nur wenige Minuten entfernt einen Abstecher wert. Verkehrsgünstig erreichbar ist zudem das Badeparadies Schwarzwald in Titisee-Neustadt.
Am schönsten funktioniert der Besuch, wenn ihr die Hochschwarzwald Card einsteckt und an einem Freitagnachmittag kommt. Die Schnitzeljagd kostet euch dann nichts, der Brotzeit-Markt läuft vor der Tür, und ihr fahrt mit warmem Brot und einem Hefezopf auf dem Rücksitz wieder heim.
Für Mürbeteig rät Müllermeister Daniel Blattert zu Dinkelmehl 405 oder 630 statt Standardweizen. Die Dinkeleiweiße binden den Teig hervorragend, und Obstkuchen, Quiche oder Plätzchen bekommen eine feine, nussige Note. Ein Beutel passt in jede Reisetasche. Für Weizen- und Weizenmischbrote gilt zu Hause: am Vortag einen Vorteig mit 20 bis 30 Prozent der Mehlmenge ansetzen, und großzügig Wasser rechnen, denn die kleberstarken Mehle vertragen 600 bis 700 Milliliter pro Kilogramm.