Drei Schritte Anlauf, ein Sprung vom Felsen, und dann dieses Gefühl: kühles, kristallklares Wasser auf der Haut, das nicht nach Schwimmbad riecht, sondern nach See. Kein Chlor brennt in den Augen, kein Beckenrand aus Beton, stattdessen Wald, Wiesen und ein Holzsteg. Der Naturena-Badesee Ühlingen-Birkendorf im Südschwarzwald ist ein Freibad, das die Natur selbst sauber hält. Milliarden von Mikroorganismen übernehmen hier die Arbeit, die anderswo die Chemie erledigt. Und mit der Hochschwarzwald Card springst du einmal kostenlos hinein.
Vom alten Waldbad zum Naturena-Badesee Ühlingen-Birkendorf
Wo heute Kinder vom Sprungfelsen ins tiefe Wasser tauchen, stand früher ein ganz gewöhnliches Waldbad. Die Technik war in die Jahre gekommen, und 2002 stand die Gemeinde Ühlingen-Birkendorf vor der Wahl: alte Anlage flicken oder etwas Neues wagen. Sie entschied sich für den mutigen Weg und baute das Bad im Schlüchttal zu einem Naturbadesee um, eingebettet in eine Landschaft aus Wald und Wiesen. Aus dem Provinz-Freibad wurde ein Vorzeigeprojekt für ökologisches Bauen, das bis heute zeigt, wie sanfter Tourismus im Rothauser Land aussehen kann.
Das Herzstück siehst du als Badegast gar nicht direkt: einen räumlich abgetrennten Regenerationsteich mit einem dicken Kiesfilter. Das Wasser aus den Schwimmbereichen fließt dort hindurch, unzählige Mikroorganismen im Kiesbett und die Wurzeln spezieller Wasserpflanzen bauen Verunreinigungen ab und binden Nährstoffe, dann strömt das gereinigte Wasser zurück in den See. Behördliche Wasserproben, täglich beziehungsweise wöchentlich, bestätigen die Qualität. Für dich heißt das: baden ohne rote Augen und gereizte Haut. Gerade Allergiker, Familien mit Kleinkindern und alle, die Chlorgeruch nicht ausstehen können, wissen genau das zu schätzen.


Badeidylle inmitten der Natur: kein Chlor, kein Beton, nur Wald, Wiesen und kristallklares Wasser.
Sprungfelsen, Matschspielanlage und Beachvolleyball
Der See selbst ist organisch in einen Schwimmer- und einen Nichtschwimmerbereich gegliedert. Mutige klettern auf den natürlichen Sprungfelsen und tauchen direkt in die tieferen Bereiche ab, alle anderen steigen gemütlich über den Holzsteg ins Wasser. Sei ehrlich zu dir: Das Wasser ist ungeheizt und wird von einem permanenten Frischwasserzulauf gespeist, selbst im Hochsommer pendelt es sich bei rund 20 Grad ein. Das ist eine echte Erfrischung, keine Badewanne, und genau darin liegt an heißen Tagen der Reiz.
Für die Kleinsten gibt es ein separates Planschbecken und eine Matschspielanlage, an der Kinder mit Sand und Wasser bauen, kneten und experimentieren können, oft stundenlang. Die Anlage ist übersichtlich angelegt, sodass du vom Handtuch aus alles im Blick behältst, und während der regulären Betriebszeiten ist eine Badeaufsicht vor Ort. Ältere Kinder und Jugendliche powern sich derweil auf dem Beachvolleyballfeld aus, für gemütlichere Runden stehen eine Boule-Bahn und Tischtennisplatten bereit. So findet vom Kleinkind bis zu den Großeltern jede Generation ihren Platz.
Der Kugelwaldpfad: Holzkugeln auf Reisen
Direkt an den Badesee knüpft ein zweites Erlebnis an, das den Ausflug zum ganzen Familientag macht: der NATURENA-Kugelwaldpfad. Für einen Euro ziehst du dir am Automaten eine Holzkugel, entweder am Parkplatz Oberholz oder direkt am Badesee. Dann schickst du sie auf überdimensionale Holzkugelbahnen, die sich mit Kurven, Wellen und kleinen Hindernissen durch den Wald schlängeln. Wichtig: Die Automaten nehmen ausschließlich Münzen und wechseln nicht, pack also 1-Euro-Stücke ein.
Zwei Routen stehen zur Wahl. Die kleine Runde "Waldtiere" misst etwa 600 Meter, ist für Kinder von drei bis sechs Jahren gedacht und lässt sich mit dem Kinderwagen befahren. Die große Runde "Holzverarbeitung" führt über 1,5 Kilometer durch unwegsameres Waldgelände, richtet sich an Kinder zwischen sieben und vierzehn Jahren und verlangt Trittsicherheit, Kinderwagen bleiben hier besser unten. Beide Pfade enden in der Nähe des Sees. Die schönste Choreografie für den Tag: vormittags mit der Kugel durch den Wald, danach entfaltet das kühle Wasser seine maximale Wirkung.
Zwischen Liegewiese und NABU-Zentrum
Was diesen Badesee von anderen unterscheidet, entdeckst du im ehemaligen Bademeisterraum: Dort ist heute ein Naturschutzzentrum des NABU untergebracht, Teil eines landesweiten Netzwerks von Stationen in Baden-Württemberg, zu dem auch Standorte am Federsee, in Mössingen und im Taubergießen gehören. Zwischen zwei Schwimmrunden schlenderst du hinein, blätterst durch die Ausstellung und erfährst nebenbei, was in den Wäldern und Wiesen um dich herum lebt. Gelegentlich bietet das Zentrum auch Exkursionen und Veranstaltungen an. So bekommt der Badetag ganz beiläufig eine zweite Ebene.
Auch kulinarisch geht hier mehr als Pommes aus der Friteuse: Der Gastronomiebereich hat einen richtigen Gastraum und eine Außenterrasse, auf der neben Badegästen auch Wanderer und Spaziergänger rasten. Dein Hund darf dich übrigens bis auf die Terrasse begleiten, auf den Liegewiesen und im Wasser gilt dagegen striktes Hundeverbot, denn das empfindliche Gleichgewicht der biologischen Wasseraufbereitung verträgt keine tierischen Gäste. Auf den weitläufigen Liegewiesen findest du auch an vollen Tagen ein ruhiges Plätzchen mit Blick auf Wald und Wasser.
Eintritt, Anfahrt und Parken: so planst du deinen Tag
Die Preise sind bewusst familienfreundlich: Erwachsene ab 16 Jahren zahlen 3,00 Euro für die Tageskarte, Kinder und Jugendliche von 6 bis 15 Jahren 1,50 Euro, unter 6 Jahren ist der Eintritt frei, Ermäßigte zahlen ebenfalls 1,50 Euro. Wer öfter kommt, greift zur Dutzendkarte mit zwölf Tageseintritten (Erwachsene 30,00 Euro, Kinder und Jugendliche 15,00 Euro) oder zur Saisonkarte (Erwachsene 50,00 Euro, Kinder und Jugendliche 25,00 Euro), die Familienkarte für die ganze Saison kostet 75,00 Euro. Mit der Hochschwarzwald Card badest du einmal während deines Aufenthalts kostenlos, auch SchwarzwaldCard und WälderCard werden akzeptiert, Kurkarteninhaber erhalten 50 Prozent Ermäßigung. Ein Hinweis, der dir Ärger erspart: An der Kasse ist keine Kartenzahlung möglich, nimm genug Bargeld mit.
Die Anreise klappt entspannt: Mit der KONUS-Gästekarte nutzt du den ÖPNV im Schwarzwald kostenlos, und wer im Rothauser Land übernachtet, bekommt damit sogar zusätzliche Eintrittsermäßigung. Autofahrer steuern den kostenfreien Wanderparkplatz "Naturena" an, gut 130 Meter entfernt in der Straße Im Tal; für den Kugelwaldpfad gibt es zusätzlich den Parkplatz Oberholz. Bitte stell dein Auto nicht wild in die Kurve der Straße Im Oberholz, dort müssen Holztransporter des Sägewerks und Rettungsfahrzeuge durchkommen. Radfahrer finden Abstellplätze direkt am Haus. Und noch etwas macht die Anlage besonders: Sie ist nach DIN 18040 barrierefrei ausgebaut, mit Einzelumkleidekabinen, Sanitätsraum und kostenlosen sanitären Anlagen, sodass auch Rollstuhlfahrer und Kinderwagen problemlos ans Wasser kommen.
Ausflugsziele in der Nähe
Rund um den Badesee liegt ein dichtes Netz lohnender Ziele. Nur etwa 4,5 Kilometer entfernt wartet das Erlebnismuseum Schwarzwaldhaus der Sinne in Grafenhausen, die perfekte Rettung für verregnete Nachmittage. Knapp 6,7 Kilometer sind es zum Heimatmuseum Hüsli, das als Kulisse der TV-Serie "Schwarzwaldklinik" berühmt wurde. Für den kulinarischen Abschluss bietet sich der Brauereigasthof Rothaus - Zäpfle Heimat in Grafenhausen an, und nur 5,6 Kilometer entfernt liegt der Schlüchtsee & Schlühüwanapark. Ein beliebtes Kombinationsziel ist außerdem die Mühlenbesichtigung mit Streichelzoo an der Tannenmühle, und wer noch Wanderlust übrig hat, für den ist die Wutachschlucht einen Abstecher wert. Spielt das Wetter gar nicht mit, bleiben das Hallenbad Blubb mit Sauna gleich in der Nähe, das ganzjährig geöffnete Badeparadies Schwarzwald am Titisee oder die Fundorena am Feldberg mit Kletterwald, Trampolinpark und Eislaufbahn. Am besten planst du den Naturena-Badesee als Herzstück eines Sommertags im Schlüchttal: Badetasche packen, Bargeld einstecken, und beim ersten Sprung vom Felsen weißt du, warum sich die Fahrt gelohnt hat.
Gut zu wissen
Steck neben der Badetasche unbedingt genug Bargeld ein, am besten ein paar 1-Euro-Münzen: Die Kasse akzeptiert keine Karten, und die Kugel-Automaten am Kugelwaldpfad wechseln nicht. Starte vormittags auf dem Kugelwaldpfad und spring danach ins kühle Wasser, so wirkt die Erfrischung am besten. Und wenn der Hunger größer ist als der Kiosk: Das Gasthaus Waldesruh im Ortsteil Birkendorf liegt nur einen kurzen Fußweg entfernt und serviert regionale Spezialitäten und Wildgerichte aus eigener Schlachtung.