Naturkundemuseum Prof. Dr. Kalchreuter Glashütte

Bonndorf · Hochschwarzwald
gratis mit Card KulturIndoorNatur
Teich mit Schilf und Trauerweide in einem Park, im Hintergrund eine Sitzterrasse
Foto: Flominator / CC BY-SA 2.0 via Flickr (flickr.com/photos/23918957@N00/401976729)
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„Ihr müsst am ersten Samstag kommen, nachmittags, sonst steht ihr vor einer verschlossenen Tür." So klingt es, wenn im Hochschwarzwald die Rede auf das Naturkundemuseum Prof. Dr. Kalchreuter Glashütte kommt. Sechs Nachmittage im Jahr, mehr sind es für Spontanbesucher nicht. Wer den Termin trifft, steht kurz darauf einem afrikanischen Elefantenkopf gegenüber, daneben ein Grizzlybär, ein Eisbär, ein Luchs, alles im Obergeschoss eines unscheinbaren Hauses unterhalb des Höhengasthofs Glashütte, ein paar Kilometer östlich vom Schluchsee. Es ist keine Gemeindeschau, sondern das Lebenswerk eines Mannes, der von sechs Kontinenten mitbrachte, was hier heute ausgestellt ist.

Drei Euro für ein ganzes Forscherleben

Fangen wir mit dem an, was der Besuch kostet: Erwachsene zahlen 3,00 Euro, Kinder von 6 bis 15 Jahren 2,00 Euro. Das ist kein Tippfehler und keine Sonderaktion, sondern ein symbolischer Beitrag, mit dem die Präparate gepflegt und konserviert werden. Ein eigenes Familienticket wird in den Quellen nicht ausgewiesen, bei diesen Beträgen fällt das kaum ins Gewicht.

Hast du die Hochschwarzwald Card, wird daraus null. Der Eintritt ist für Card-Gäste einmalig frei, dasselbe gilt für Einheimische mit der WälderCard. Einmalig heißt genau das: einmal während deines Aufenthalts, nicht täglich, und nur innerhalb der regulären Öffnungszeiten.

Getragen wird das Museum von einer Stiftung, vom Ehrenamt und von den Verbänden dahinter. Genau das erklärt den einzigen wirklich unbequemen Punkt an diesem Ausflugsziel, und den solltest du kennen, bevor du losfährst.

Sechs Nachmittage im Jahr, oder acht Leute

Die Regel ist streng: Von Mai bis Oktober öffnet das Museum am ersten Samstag im Monat von 14 bis 16 Uhr. Sonst nicht. Von November bis April bleibt es für Einzelgäste vollständig geschlossen. Wer spontan an einem Mittwoch im Juli nach Glashütte fährt, steht vor einer verschlossenen Tür.

Der Grund liegt in der Trägerstruktur: Hinter dem Haus stehen die Stiftung Naturkundemuseum Professor Kalchreuter, der Landesjagdverband Baden-Württemberg, der Deutsche Jagdverband und die Stadt Bonndorf. Einen festen Personalstamm für täglichen Publikumsverkehr gibt es nicht, sondern Kustoden, die ihre Zeit einbringen.

Es gibt allerdings eine Hintertür, und sie ist erstaunlich weit offen. Ab acht Personen öffnet das Museum nach vorheriger Vereinbarung auch außerhalb der regulären Zeiten, telefonisch oder schriftlich über die Touristinformation Bonndorf. Dann bekommt ihr eine rund einstündige Sonderführung durch die Kustoden, exklusiv für eure Gruppe. Auch Wintergäste, die im Januar am Feldberg Ski fahren, kommen ausschließlich über diesen Weg hinein.

Mit der Buslinie 7343 nach Glashütte

Glashütte ist ein winziger Weiler, und trotzdem ist die Anfahrt unkompliziert. Mit dem Auto kommst du über die B 315 aus Richtung Schaffhausen beziehungsweise Stühlingen oder über die landschaftlich schönen Nebenstrecken vom Schluchsee her. Geparkt wird direkt an der Höhenpension Glashütte oder am nahegelegenen offiziellen Wanderparkplatz Glashütte.

Noch entspannter geht es mit dem Bus, und für Übernachtungsgäste ist das umsonst. Mit der Kurtaxe bekommst du die KONUS-Gästekarte, die als Freifahrtticket für Busse und Bahnen in der gesamten Ferienregion gilt, von Pforzheim bis Basel, über neun Verkehrsverbünde hinweg. Zuständig ist die SBG-Linie 7343 auf der Achse Bonndorf nach Schluchsee beziehungsweise Lenzkirch. Die Haltestelle heißt schlicht „Glashütte".

Genau diese Kombination macht das Museum zum verlässlichen Plan B, wenn das Wetter kippt. Die Ausstellung liegt vollständig im Innenraum und wird von den Tourismusverbänden ausdrücklich als bei Regenwetter geeignet geführt. Fällt der Badetag am Schluchsee ins Wasser und ist gerade der erste Samstag im Monat, hast du zwei trockene Stunden mit Inhalt.

Elefantenkopf, Grizzly und Luchs auf 260 Quadratmetern

Die Ausstellung misst rund 260 Quadratmeter im Obergeschoss. Auf dieser überschaubaren Fläche stehen mehr als 600 Tierpräparate aus aller Welt, dicht an dicht, in typischen oder dynamischen Haltungen konserviert. Der Reiz liegt im Kontrast: Heimische Wildtiere stehen unmittelbar neben exotischer Megafauna. Der afrikanische Elefantenkopf bildet das optische Zentrum, daneben führen ein nordamerikanischer Grizzlybär und ein arktischer Eisbär vor Augen, wie unterschiedlich sich Raubtiere an extreme Lebensräume angepasst haben.

Dagegengesetzt sind die heimlichen Jäger der europäischen Wälder, Wolf und Luchs, dazu Pumas, Krokodile, Trophäen, Geweihe und Verweise auf die prähistorische Tierwelt. Für Kinder ist der Moment entscheidend, in dem sie merken, dass zwischen ihnen und dem Grizzly teilweise keine Glasscheibe steht. Anfassen ist trotzdem in der Regel nicht erlaubt, die Sammlung ist empfindlich.

Große Schautafeln spielen hier keine Hauptrolle, das Erlebnis entsteht durch die Führung. Die Kustoden ordnen die Präparate wieder in ihre Lebensräume ein und arbeiten mit Fragen statt mit Vorträgen: Welches Tier ist das schnellste, welcher Vogel der kleinste der Welt, hat der Eisbär im Klimawandel eine Überlebenschance? Rund eine Stunde dauert der Rundgang, gut geeignet ist er ab dem Grundschulalter.

Im Naturkundemuseum Prof. Dr. Kalchreuter Glashütte steht die Werkstatt noch offen

Der ungewöhnlichste Teil des Hauses ist nicht die Tierhalle, sondern zwei persönliche Räume: das Arbeitszimmer des Wissenschaftlers und die originalgetreue Werkstatt des Präparators. Kalchreuter hat die Tiere von seinen Reisen weitgehend eigenhändig präpariert, hier siehst du das Handwerk dahinter.

Heribert Kalchreuter wurde am 13. März 1939 in Heidenheim an der Brenz geboren und starb am 14. März 2010 in der Dominikanischen Republik. Er studierte Geologie in München und Forstwissenschaften in Freiburg, wo er 1970 mit einer Arbeit über Populationen der Rabenkrähe promovierte. Danach führten ihn Forschungsreisen auf alle sechs Kontinente, 1977 machte ihn sein Buch „Die Sache mit der Jagd" weit über Fachkreise hinaus bekannt.

Unumstritten war er nie: In ornithologischen und naturschützerischen Kreisen stieß dasselbe Buch auf scharfe Kritik, ihm wurde eine einseitige Verteidigung der Jagd vorgeworfen. Das macht den Besuch eher interessanter, du siehst hier ein Stück deutscher Wissenschafts- und Jagdgeschichte in Originalräumen, konserviert wie die Tiere selbst.

Ausflugsziele in der Nähe

Eine Stunde Museum füllt keinen Tag, und das ist gut so. Wenige Kilometer westlich liegt der Schluchsee, der größte See des Schwarzwaldes, und mit ihm gleich mehrere Ziele in erreichbarer Nähe: aqua fun Schluchsee und Müllers Bootsvermietung an der Staumauer - Tretbootverleih. In die andere Richtung wartet die Kernstadt Bonndorf mit dem Schloss und seinen berühmten Narrenstuben, in denen die alemannische Fastnacht lebendig bleibt, dazu der Japanische Garten für eine ruhige Runde.

Etwas weiter nördlich in Grafenhausen ist der Brauereigasthof Rothaus - Zäpfle Heimat einen Abstecher wert, dort locken außerdem das Heimatmuseum Hüsli und der Erlebnispfad mit seinen Holzskulpturen. Wer nach den 600 stillen Präparaten Lust auf lebendige Artenvielfalt hat, wandert in die nahe Wutachschlucht, ein Naturschutzgebiet von europäischem Rang, in deren Nähe auch die Lotenbachklamm liegt.

Der beste Plan bleibt einfach: Markiere dir den ersten Samstag im Monat zwischen Mai und Oktober, pack die Hochschwarzwald Card ein und komm gegen 14 Uhr nach Glashütte. Wenn du gegen 16 Uhr wieder herauskommst, sind es nur ein paar Schritte hinauf in den Höhengasthof Glashütte, für Kaffee und Schwarzwälder Kirschtorte. Bist du zu acht, ruf vorher bei der Touristinformation Bonndorf an.

Gut zu wissen

Sammlung
Über 600 Tierpräparate aus aller Welt, von Heribert Kalchreuter größtenteils selbst präpariert
Ausstellungsfläche
Rund 260 Quadratmeter im Obergeschoss, kompakt und ohne lange Wege
Besuchsdauer
Geführter Rundgang rund eine Stunde, ohne Führung meist 30 bis 45 Minuten
Träger
Stiftung Naturkundemuseum Professor Kalchreuter, Landesjagdverband Baden-Württemberg, Deutscher Jagdverband und Stadt Bonndorf
Eröffnet
13. April 2013, rund 90 Gäste bei der Einweihung
Empfohlen ab
Grundschulalter; für sehr lebhafte Kleinkinder kann die einstündige Zuhör-Führung herausfordernd sein
WälderCard
Einheimische mit WälderCard haben wie Card-Gäste einmalig freien Eintritt
Insider-Tipp

Wenn dein Navi mit der Hausnummer hadert: Ältere Flyer des Jagdverbandes führen das Museum unter „Glashütte 3", moderne Datenbanken unter „Glashütte 4". Beide Eingaben landen im selben winzigen Weiler beim selben Haus. Punktgenau wird es mit der what3words-Adresse ///gelände.weizen.kalb.

Häufige Fragen

Zahlen Kinder auch Eintritt, und gilt die Hochschwarzwald Card?
Erwachsene zahlen 3,00 Euro, Kinder von 6 bis 15 Jahren 2,00 Euro. Mit der Hochschwarzwald Card ist der Eintritt einmalig frei, ebenso mit der WälderCard. Ein Familienticket wird in den Quellen nicht ausgewiesen; bei diesen Beträgen fällt das kaum ins Gewicht.
Ab welchem Alter haben Kinder wirklich etwas davon?
Ab dem Grundschulalter. Die Führung arbeitet mit Fragen statt mit Vorträgen, und Grizzly, Eisbär oder Wolf aus wenigen Zentimetern Entfernung wirken stärker als jedes Schulbuch. Für sehr lebhafte Kleinkinder im Vorschulalter kann die Stunde Zuhören anstrengend werden, angefasst werden darf nichts.
Kommt man ohne eigenes Auto nach Glashütte, und wo stellt man den Wagen sonst ab?
Ja. Die SBG-Buslinie 7343 fährt zwischen Bonndorf und Schluchsee beziehungsweise Lenzkirch und hält direkt an der Haltestelle „Glashütte". Mit der KONUS-Gästekarte, die du über die Kurtaxe bekommst, kostet die Fahrt nichts. Mit dem Auto parkst du an der Höhenpension Glashütte oder am offiziellen Wanderparkplatz Glashütte.
Taugt das Museum als Programm für einen verregneten Urlaubstag?
Sehr gut, sofern der Termin passt. Die Ausstellung liegt komplett im Innenraum und wird ausdrücklich als bei Regenwetter geeignet geführt. Der Haken: Für Einzelgäste ist nur am ersten Samstag im Monat von 14 bis 16 Uhr geöffnet, und das nur von Mai bis Oktober. Ab acht Personen lässt sich ein eigener Termin über die Touristinformation Bonndorf vereinbaren.
Dürfen Hunde mit in die Ausstellung?
Dazu machen die offiziellen Museumsinfos keine Angabe, wir wollen hier nichts behaupten. Es handelt sich um eine empfindliche Präparate-Sammlung in engen Räumen, teils ohne trennendes Glas. Frag am besten vorab bei der Touristinformation Bonndorf nach, dort laufen alle Anfragen zum Museum zusammen.

Übernachten

Und wo schläfst du?

Der Elefantenkopf, der Grizzly, das Lebenswerk eines Sammlers: Wer so etwas gesehen hat, will den Tag nicht mit der Heimfahrt beenden. Unsere Partnerhäuser liegen mitten in der Region.

Transparenz: Hotel Hochfirst und Hotel Sonnenberg gehören zur H24-Gruppe, die SchwarzwaldNavi betreibt.

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