Als Helene Siegfried 1911 mit dem Bau begann, ließ sie sich eine Badewanne aus Frankfurt am Main kommen und einen Steinway-Flügel in die gute Stube stellen. Draußen schleppte sie gerettete Kachelöfen, bemalte Decken und alte Türen aus zerfallenden Bauernhöfen der Umgebung heran. Genau dieser Widerspruch trägt das Heimatmuseum Hüsli bis heute: ein Haus, das aussieht wie ein uralter Schwarzwaldhof und keiner ist.
Die Sängerin, die sich einen Bauernhof erfand
Helene Siegfried-Aichele kam 1867 in Lörrach zur Welt, Tochter eines Fabrikanten, wurde Konzertsängerin und lebte in Berlin. Was sie sich 1911 und 1912 auf dem Hochplateau bei Grafenhausen bauen ließ, war kein Betrieb mit Vieh und Feldern, sondern eine Sommerfrische: ein Ferienhaus, gebaut nach ihren eigenen, reichlich romantischen Vorstellungen davon, wie der Schwarzwald zu sein hat. Das tief heruntergezogene Walmdach und die dunklen Stuben folgen bäuerlichen Vorbildern. Gleichzeitig hatte das Haus von Anfang an Elektrizität und fließendes Warmwasser, und beides war auf einem echten Hof hier oben damals undenkbar.
Dass daraus mehr wurde als die Kulisse einer Städterin, liegt an ihrer Sammelleidenschaft. Über Jahrzehnte zog sie durch die Region und holte heraus, was aus verfallenden Höfen noch zu retten war: Kachelöfen, bemalte Decken, Wandschränke, Türen, alte Fußböden. Diese Stücke ließ sie in ihren Neubau einpassen, bis ein neues Haus aus lauter alten Teilen entstanden war. In den 1920er und 1930er Jahren trafen sich hier Künstler und Gesellschaften, das Hüsli war Erholungsort und Bühne zugleich.
1945 wurde ihre Berliner Wohnung zerstört, danach lebte sie ganz hier oben, bis zu ihrem Tod 1966. Der damalige Landrat des Landkreises Waldshut, Alfred Mallebrein, erkannte den volkskundlichen Wert der Sammlung noch zu ihren Lebzeiten und setzte sich dafür ein, das Erbe zusammenzuhalten. Der Kreis übernahm das Gebäude und betreibt es seither als Heimatmuseum.


Was das Heimatmuseum Hüsli in seinen Stuben zeigt
Vitrinen suchst du hier weitgehend vergeblich. Die Objekte stehen dort, wo Helene Siegfried sie einmal hingestellt hat, mitten im Original-Interieur. Das erzeugt beim Rundgang ein eigenartiges Gefühl: als sei die Hausherrin nur kurz vor die Tür getreten und komme gleich zurück.
Der massivste Fixpunkt ist ein historischer Kachelofen, in der Region Chunnscht genannt. Siegfried rettete ihn aus einer Mühle in Kutterau und ließ ihn passgenau in die Stube einbauen. Eine zweite Eigenheit sitzt oben auf dem Dach: ein kleines Glockentürmchen mit einem Betglöcklein, dessen Mechanismus so gebaut ist, dass sich die Glocke direkt aus der Schlafkammer läuten lässt.
Dazwischen drängt sich die Sammlung, Schwerpunkt 18. und 19. Jahrhundert. Hinterglasbilder hängen neben Exemplaren der seltenen Wismutmalerei, dazu kommen historische Uhren, Porzellan, Glasarbeiten und feine Holzschnitzereien. Handfester wird es beim Arbeitsgerät: ein Nudelstuhl aus dem 18. Jahrhundert, eine Kaffeemühle aus dem Jahr 1786, dazu alte Erntekrüge. Und mitten in diesem bäuerlichen Kosmos steht der Steinway-Flügel, der daran erinnert, dass dieses Haus für Musik und Sommergäste gedacht war.
Wo Professor Brinkmann angeblich wohnte
Ab Herbst 1985 bekam das Haus eine zweite Identität. Das ZDF wählte es als Außenkulisse für das Wohnhaus der Arztfamilie um Professor Dr. Brinkmann in der Schwarzwaldklinik. Wer heute nach dem Drehort sucht, sollte allerdings genau hinschauen: In Grafenhausen stand ausschließlich das private Wohnhaus. Die Klinik selbst war der 1913 und 1914 erbaute Carlsbau im Glottertal bei Freiburg, und die Serien-Hochzeit wurde in der barocken Klosterkirche in St. Peter gedreht.
Für das Museum war die Serie ein Erdbeben. Vorher kamen rund 30.000 Besucher im Jahr, danach bis zu 130.000. Inzwischen liegen die Zahlen wieder bei etwa 30.000, das Erbe wird aber gepflegt: Zum 50-jährigen Museumsjubiläum 2018 kam Barbara Wussow, einer der Serienstars, eigens vorbei.
Fotogen ist das Hüsli in jeder Jahreszeit, entsprechend groß ist die Nachfrage nach Bildern. Der Landkreis Waldshut und die Hochschwarzwald Tourismus GmbH stellen Pressematerial bereit, das Museum selbst teilt auf Facebook Aufnahmen bis hin zu Luftbildern aus einer Heißluftballonfahrt. Auch die Rückmeldungen der Gäste fallen deutlich aus: Bei knapp 900 Google-Bewertungen steht das Haus bei 4,6 von 5 Sternen, gelobt werden vor allem die Authentizität und die Freundlichkeit vor Ort. Auf der Tourenplattform Komoot ist das Hüsli als Wander-Highlight gelistet und wird dort schlicht als alt, romantisch und sehr urig beschrieben.
Die Mittagspause gehört zum Konzept
Für den Rundgang durch das Heimatmuseum Hüsli in Grafenhausen-Rothaus solltest du 45 bis 90 Minuten einplanen. Du gehst in deinem eigenen Tempo durch die Stuben beider Stockwerke, geführte Touren ergänzen die Vermittlung, Sondertermine für Gruppen laufen über das Kulturamt des Landkreises Waldshut. Kinder bekommen ein eigenes Museums-Quiz, das sie durch die Räume schickt und aus dem Rundgang eine Spurensuche macht. Weil alles unter Dach liegt, ist das Haus außerdem die verlässliche Adresse für einen verregneten Nachmittag. Hunde müssen draußen bleiben, dafür sorgen die ungeschützt arrangierten Exponate und die historischen Böden.
Der Eintritt ist bewusst niedrig gehalten: 3,00 Euro für Erwachsene, 2,50 Euro ermäßigt mit Kurkarte oder Gästekarte, 1,50 Euro für Kinder, in Gruppen 2,00 Euro pro Person. Wer eine Hochschwarzwald Card, eine SchwarzwaldCard, eine DreiWelten Card oder den MUSEUMS-PASS-MUSÉE dabeihat, kommt damit einmalig ohne Eintritt hinein, das Hüsli ist Mitgliedsmuseum des Passes. Ein ausgewiesenes Familienticket führt die Preisliste nicht auf; zwei Erwachsene mit zwei Kindern zahlen zusammen 9,00 Euro. Beim Planen zählt vor allem der Takt des Hauses: Montag ist geschlossen, dienstags geht es erst um 13:30 Uhr los, Mittwoch bis Sonntag ist von 10:00 bis 12:00 Uhr und von 13:30 bis 17:00 Uhr geöffnet. Fällt ein Feiertag auf einen Montag, bleibt zu. Und von 1. November bis einschließlich 25. Dezember macht das Museum jedes Jahr Herbstpause.
Die Mittagspause von 12:00 bis 13:30 Uhr ist kein Ärgernis, sondern eine Einladung: Der Brauereigasthof liegt direkt gegenüber. Angefahren wird das Hüsli über den kostenfreien Wanderparkplatz Hüsli unter der Anschrift Hüsli 1A, keine 109 Meter Fußweg entfernt und rund um die Uhr geöffnet, mit ausgewiesenen Busparkplätzen und Stellplätzen für Fahrräder. Ohne Auto klappt es genauso: Vom Bahnknoten Seebrugg am Schluchsee fahren die SBG-Buslinien 7342 und 7343 in dichter Folge zur Haltestelle Rothaus, Grafenhausen, Fahrzeit rund neun Minuten. Übernachtungsgäste fahren mit der KONUS-Gästekarte im Nahverkehr der Region kostenlos mit, gültig ist sie in der 2. Klasse von Bussen und Nahverkehrszügen, nicht in Fernzügen wie IC und ICE.
Gut zu wissen
Was sich in der Nähe noch lohnt
Weil der Wanderparkplatz ganztägig kostenfrei ist, lässt sich der Museumsbesuch bequem zu einem ganzen Tag ausbauen. Am naheliegendsten ist die Badische Staatsbrauerei Rothaus direkt gegenüber, wahlweise mit Werksführung. Wenige Schritte entfernt liegt der Brauereigasthof Rothaus - Zäpfle Heimat, und die Kombination aus Kultur und einem Tannenzäpfle danach taucht in den Besucherberichten so oft auf, dass sie fast schon zum Programm gehört.
Mit Kindern lohnt sich im Anschluss Schlüchtsee & Schlühüwanapark gleich nebenan: Der kinderwagentaugliche Naturerlebnispfad liegt rund einen halben Kilometer entfernt und sorgt nach dem stillen Rundgang drinnen für Bewegung, zum See führt der nach dem Serien-Schauspieler benannte Klausjürgen Wussow-Weg, ein idyllisches Naturschutzgebiet und Badesee. Bleibt es den ganzen Tag nass, ist das Erlebnismuseum Schwarzwaldhaus der Sinne rund 2,7 Kilometer entfernt in Grafenhausen einen Abstecher wert. Ebenfalls in Grafenhausen und damit schnell erreichbar: die Mühlenbesichtigung mit Streichelzoo an der Tannenmühle, dort startet auch der E-Bike Verleih Tannenmühle (Grafenhausen).
Sportlich wird es, wenn du das Hüsli als Etappenziel einbaust: Vom Schluchsee führt eine mittelschwere Runde über Waldwege, offene Wiesen und Brünlisbach nach Rothaus, rund 14,5 Kilometer, 233 Höhenmeter, etwa fünf Stunden. Für welche Variante du dich auch entscheidest: Schau vorher in den Kalender, umgehe den Montag und die Herbstpause, und plane den Besuch am besten auf den Nachmittag ab 13:30 Uhr.
Am Wanderparkplatz Hüsli sitzt ein kleiner Infopunkt der Tourist-Information mit Wanderkarten, Tourenvorschlägen Richtung Mettmatal oder Faulenfürst und regionalen Mitbringseln. Direkt daneben steht ein zum Tausch-Bücherschrank umgebauter, holzverkleideter ehemaliger Kühlschrank. Lohnt sich, bevor du zum Museum hochgehst.