AusflugszieleHerrischried

Freilichtmuseum Klausenhof Herrischried

Herrischried · Hochschwarzwald
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Reetgedecktes Schwarzwaldhaus mit weißer Fassade und Kruzifix, Klausenhof Herrischried
Foto: Stefan Karl / CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
Start Attraktionen Freilichtmuseum Klausenhof Herrischried

Stell dir vor, du duckst dich unter einem niedrigen Türsturz hindurch und stehst plötzlich in einer rußgeschwärzten Rauchküche, als wäre die Bäuerin nur eben vor die Tür gegangen. Kein Glaskasten, keine Absperrung, kein steriler Museumsgang. Im Freilichtmuseum Klausenhof in Herrischried betrittst du das letzte erhaltene originale Hotzenhaus des Schwarzwaldes, dessen Ursprung bis ins Jahr 1424 zurückreicht, und das riecht, knarrt und atmet sechshundert Jahre Geschichte.

Ein Haus, das einmal sterben sollte

Lange stand dieses Bauwerk im Ortsteil Großherrischwand leer und verfiel. Ende der 1970er Jahre schien sein Schicksal besiegelt, das letzte strohgedeckte Hotzenhaus drohte für immer verloren zu gehen. Dann kam die Rettung: Zwischen 1979 und 1981 trug man das gesamte Gebäude Balken für Balken und Stein für Stein ab, versetzte es rund 200 Meter und baute es originalgetreu wieder auf. Heute steht es als Heimat- und Freilichtmuseum offen für jeden, der wissen will, wie das bäuerliche Leben im Hotzenwald wirklich war.

Was diesen Haustyp so besonders macht, spürst du, sobald du drinnen bist. Der Eindachhof vereint Wohnung, Stall und Scheune unter einem einzigen, fast bis zum Boden gezogenen Strohdach. Auf rund 1.000 Metern Höhe war das kein Zufall, sondern bittere Notwendigkeit: Die Körperwärme des Viehs im Wirtschaftsteil heizte in den eisigen Wintern die Wohnstuben der Familie passiv mit. Eine geniale, archaische Heizung aus einer Zeit, in der jeder Funke Wärme zählte.

Die niedrigen Stuben sind so eingerichtet, als hätten die Bewohner das Haus erst vor wenigen Augenblicken verlassen.

Vom rasselnden Sägewerk bis zur Schmiedeglut

Das Gelände ist kein einzelnes Haus, sondern ein ganzes kleines Dorf aus der Vergangenheit. Direkt am Wohngebäude steht die historische Lindauer Säge, ein wasserkraftbetriebenes Sägewerk, eine sogenannte Hochgangsäge. Erstmals 1595 urkundlich erwähnt, stammt sie ursprünglich aus dem Todtmooser Ortsteil Lindau und stand tatsächlich bis 1950 im regulären Betrieb. Bei Vorführungen darfst du die rasselnde Säge in voller Aktion erleben und verstehst sofort, wie laut und kraftvoll vorindustrielle Holzverarbeitung war.

Wer über das Areal streift, entdeckt eine originalgetreu eingerichtete Dorfschmiede, in der bei Festen die Kohle wieder glüht, einen Wagenschopf als Unterstand für alte Fuhrwerke und ein funktionsfähiges Backhaus, aus dem an Markttagen der Duft von frischem Bauernbrot zieht. Ein bepflanzter Bauerngarten erzählt vom Wissen über Nutz- und Heilpflanzen, die einst das Überleben sicherten. Und zwischen den Gerätschaften steht ein echter Hingucker: ein originaler Schweizer Kanonenwagen von 1880, stummer Zeuge der engen Bindung dieser Grenzregion zur nahen Schweiz.

Geschichte, die dich anspricht

Der Klausenhof verzichtet bewusst auf endlose Texttafeln. Stattdessen wird dein Smartphone zum unsichtbaren Museumsführer. Eine vom Naturpark Südschwarzwald geförderte digitale Audio-Tour führt dich an zehn Stationen über das Gelände, du scannst QR-Codes und bekommst Hintergründe, Fakten zur Bauweise und atmosphärische Hörspiele direkt aufs Ohr. Im kostenfreien WLAN funktioniert das auch ohne eigenes Datenvolumen.

Am intensivsten wird es bei den inszenierten Rollenspiel-Führungen. Beim Heidewiebli schlüpft eine Darstellerin in die Rolle der Magdalena Schmidt, geboren am 22. Juli 1799 in Rickenbach. Sie trug Männerhosen, rauchte Pfeife und tapezierte ihre Fischerhütte mit den Strafzetteln, die ihr die Obrigkeit für illegalen Fischfang schickte. Mit losem Mundwerk und Charme erzählt sie vom Alltag des 19. Jahrhunderts, meist in den frühen Abendstunden gegen 17 Uhr. Die Salpeterer-Tour wiederum führt dich der Bauer Michael Eckert durch eine politisch brodelnde Epoche: Es geht um die Salpeterer-Aufstände, um Bauern, die gegen die Macht des Klosters St. Blasien aufbegehrten, und um frühe Formen von Demokratie und Menschenrechten. Wegen der dichten Thematik wird sie für Teilnehmer ab 12 Jahren empfohlen und kostet rund 28 Euro inklusive Museumseintritt und einem deftigen Salpeterer-Schmaus.

Was du mitnimmst

Eine ganz eigene Romantik liegt in der gemütlichen Bauernstube, dem Herzstück des Hauses. Sie ist nicht nur Museumsraum, sondern offizielles Trauzimmer der Gemeinde Herrischried. Paare geben sich hier im knarrenden Holz-Ambiente das Ja-Wort. Wo sonst sagst du Ja zwischen sechshundertjährigen Balken?

Plane für die reine Besichtigung etwa ein bis zwei Stunden ein, mit einer Themenführung und einem zünftigen Schwarzwälder Vesper aus Speck, Wurst und Bauernbrot werden daraus entspannte zwei bis drei Stunden. Und keine Sorge vor dem Wetter: Weil sich fast alles unter dem riesigen Strohdach verbirgt, bleibst du auch im Regen trocken. An extrem heißen Tagen wirken die meterdicken Steinmauern wie eine natürliche Klimaanlage und halten die Luft im Inneren angenehm kühl.

Ausflugsziele in der Nähe

Der schönste Anschluss liegt direkt gegenüber: Die offene Glaswerkstatt von Dirk Bürklin, einem der letzten Glasmacher des Schwarzwaldes. Bei freiem Eintritt schaust du zu, wie die Glasmasse im Ofen bei rund 1.200 Grad verflüssigt und mit Holzmodeln und Zangen zu bunten Kunstwerken geformt wird. In den Sommerferien dürfen Kinder hier sogar eigene Glaskugeln blasen. Für Panoramahungrige lohnt der Gugelturm auf 998 Metern: 90 Stufen und 16 Höhenmeter bis zur Plattform, dann reicht der Blick an klaren Tagen bis zu den Schweizer Alpen. Familien zieht es ins Freizeitzentrum Herrischried mit Minigolf, Freiluftschach, Boule-Bahn und dem Stehlesee samt Wassertretbecken und Barfußpfad. Und nur rund 10 Kilometer entfernt stürzt im Nachbarort das Rüttebächle als Todtmooser Wasserfälle in mehreren Kaskaden in die Tiefe.

Wer den Radius weiter zieht, findet im Hochschwarzwald zusätzliche Ziele: einen Abstecher wert sind der Bikepark Todtnau, die Blackforestline Hängebrücke und der Wichtelpfad Feldberg, und auch Müllers Bootsvermietung an der Staumauer - Tretbootverleih lässt sich gut zu einer größeren Rundtour verbinden. Pack also Bargeld ein, plane einen halben Tag und mach den Klausenhof zum Auftakt eines vollen Hotzenwald-Tages.

Aktueller Hinweis

2026 verwandelt ein dichtes Veranstaltungsprogramm den Hof regelmäßig in ein lebendiges Zentrum: monatliche Markt-Treffs, der KUNSTSTÜCKCHENmarkt zwei Wochen nach Pfingsten, der große Naturpark-Markt am 28. Juni (11–17 Uhr) und der traditionelle ErnteMarkt im Oktober mit rund 50 Ständen. Dazu kommen kleinere Termine wie Kräuter-Workshops oder das Hotzenwälder Reparatur-Café. Themenführungen wie Heidewiebli und Salpeterer haben begrenzte Plätze und erfordern Anmeldung.

Gut zu wissen

Erbaut
1424, ältestes erhaltenes Hotzenhaus des Schwarzwaldes
Höhenlage
rund 1.000 m, Eindachhof unter einem Strohdach
Besuchsdauer
1–2 Std., mit Führung und Vesper 2–3 Std.
Eintritt
Erwachsene 4,50 €, ermäßigt mit Gästekarte 4,00 €, Kinder 2,50 €
Familienticket
11,00 €, mit Hochschwarzwald Card freier Eintritt
Zahlung
ausschließlich Barzahlung, keine Karte
Parken
kostenfrei vor dem Haus und am Schotterplatz gegenüber, Bushaltestelle 100 m
Insider-Tipp

Wenn dein Zeitplan es zulässt, komm nicht am Nachmittag, sondern buch eine der Abendführungen und gleich das optionale Vesper für 19,00 € dazu. Nach der Tour in der knarrenden Bauernstube zu sitzen, mit Speck, Landjäger und frischem Bauernbrot, ist das authentischste Erlebnis, das der Klausenhof zu bieten hat. Vegetarische Alternativen gibt es auf Voranmeldung.

Häufige Fragen

Lohnt sich der Klausenhof mit Kindern?
Sehr. Kinder beobachten die wasserbetriebene Lindauer Säge, sehen Feuer und Handwerk in der Schmiede und erkunden das Gelände per Audio-Tour auf dem Smartphone. Das überschaubare Areal überfordert nicht. Das Familienticket kostet 11,00 €.
Kann ich bei Regen hingehen?
Ja. Weil sich fast alle Räume vom Wohnteil bis zum Wagenschopf unter dem riesigen Strohdach befinden, lässt sich der Klausenhof auch an Regentagen trocken besichtigen. An Hitzetagen kühlen die dicken Steinmauern das Innere angenehm herunter.
Wie komme ich hin und wo parke ich?
Direkt vor dem Museum und auf dem Schotterplatz schräg gegenüber gibt es kostenfreie Parkplätze, auch für Busse und Räder. Die Bushaltestelle Großherrischwand Klausenhof liegt nur rund 100 Meter entfernt. Mit der KONUS-Gästekarte fährst du Busse und Regionalbahnen im Schwarzwald kostenlos.
Ist der Klausenhof barrierefrei?
Nur sehr eingeschränkt. Vor dem Haus gibt es ausgewiesene Parkplätze, doch das fast 600 Jahre alte Gebäude hat steile Treppen, hohe Türschwellen, schmale Durchgänge und unebene Dielen. Ein Befahren mit Rollstuhl oder Rollator ist im Innenbereich kaum möglich, auch die Themenführungen sind nicht barrierefrei.
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