Stell dir vor, dein Mountainbike hängt neben dir am Sessellift, baumelt sanft über den Baumwipfeln, und unter dir zieht ein Hang vorbei, auf dem seit 1996 Downhill-Geschichte geschrieben wird. Oben, an der Bergstation auf 1.026 Metern, wartet die Startrampe. Unten im Tal, 662 Meter über dem Meer, liegt das Ziel. Dazwischen: Wurzeln, Fels, Anlieger, Sprünge und dieses Kribbeln im Bauch, das du so schnell nicht wieder loswirst.
Der älteste Bikepark Deutschlands
Der Bikepark Todtnau am Hasenhorn ist kein gewöhnliches Ausflugsziel. Er ist der älteste Bikepark Deutschlands, eröffnet 1996, und in der Szene hat dieser Berg einen fast mythischen Klang. Fachleute vergleichen seine Bedeutung für den deutschen Downhill-Sport mit der Pipeline auf Hawaii für Wellenreiter. Wer hier oben am Starthügel steht, steht auf historischem Boden: Der europäische IXS Downhill Cup machte am Hasenhorn Station, 2015 wurden hier die Deutschen Meisterschaften im Downhill ausgetragen, und Lokalmatador Marcus Klausmann hat auf diesen Strecken Generationen von Fahrern gezeigt, wie schnell man einen Berg hinunterkommen kann.
Dabei hat sich der Park gewandelt. Was in den späten Neunzigern eine raue, kompromisslose Rennstrecke für Spezialisten war, ist heute eine Anlage mit drei Linien für unterschiedliche Könnensstufen. Seit der Übernahme durch den Betreiber 2-Cycle im Jahr 2018 werden die Strecken professionell gepflegt, gerölllastige Passagen wurden zugänglicher gestaltet. Der raue Kern aber ist geblieben. Genau das macht den Reiz aus: Du fährst keinen sterilen Freizeitpark, du fährst einen echten Berg im Südschwarzwald, eingebettet zwischen Feldberg und Belchen.


Über 420 Höhenmeter zwischen Startrampe und Ziel, und jede einzelne Kurve davon will verdient sein.
Drei Strecken, ein Berg
Knapp 5,4 Kilometer Streckennetz verteilen sich auf drei Hauptlinien, und jede erzählt eine andere Geschichte. Das Herzstück ist die legendäre Downhill-Strecke: 2,7 Kilometer, 450 Tiefenmeter, Schwierigkeitsgrad schwarz. Sie ist weitgehend naturbelassen, verblockt und gespickt mit Sektionen, deren Namen in der Rennszene jeder kennt: der 2-Cycle Drop, der Rothaus-Drop, die Achterbahn, die Anaconda. Dazu Road-Gaps, bei denen Fahrer kreuzende Forstwege überspringen. Diese Linie ist Experten vorbehalten, und das ist ernst gemeint: Steilabfahrten, Schieferplatten und Wurzelteppiche verzeihen keine Fehler.
Ganz anders der Wildride: 2,6 Kilometer, ebenfalls 450 Tiefenmeter, aber rot markiert und als moderne Jumpline gebaut. Nach Umbauphasen 2012 und ab 2017 reiht er Tables, Step-Ups, Step-Downs, Wellen und große Steilkurven aneinander. Das Schöne daran: Jedes Hindernis lässt sich über sogenannte Chickenways umfahren oder bei langsamer Geschwindigkeit einfach abrollen. Profis holen sich hier Airtime, sichere Einsteiger tasten sich heran. Als dritte Linie verbindet der Downhill Flow, ebenfalls 2,6 Kilometer und rot klassifiziert, die Geschwindigkeit der klassischen Abfahrt mit flüssigen, modernen Elementen.
Der Lift, der dich entschleunigt
Hinauf geht es mit dem Hasenhorn-Sessellift, und der ist in der Gravity-Community selbst eine kleine Legende. Dein Bike wird an speziellen Vorrichtungen am Sessel eingehängt und schwebt neben dir den Berg hinauf. Der Lift fährt gemächlich, an sonnigen Wochenenden brauchst du in der Warteschlange etwas Geduld. Doch genau diese Gemächlichkeit hat einen Vorteil, den du nach der ersten Abfahrt zu schätzen lernst: Die Strecken selbst sind selten überlaufen, Staus oder gefährliche Auffahrsituationen auf den Trails sind die Ausnahme. Die Liftfahrt wird zur Verschnaufpause, in der du die letzte Abfahrt im Kopf noch einmal durchgehst.
Wer es genau wissen will, leiht sich an der Liftstation eine Freelap-Uhr für 3 Euro pro Stunde. Das funkgestützte Zeitnahmesystem stoppt deine Abfahrt auf die Zehntelsekunde, und du kannst deine Zeit mit den Referenzwerten von Profis wie Marcus Klausmann oder Geschäftsführer Noah Grossman vergleichen. Spätestens dann weißt du, wie viel Luft zwischen dir und einem World-Cup-Fahrer liegt. Und genau dieser Vergleich treibt viele dazu, noch eine Runde zu drehen, und noch eine.
Ein Tag am Hasenhorn
Ein Tag im Bikepark Todtnau hat seinen eigenen Rhythmus. Morgens um zehn öffnet der Lift, und die ersten Abfahrten gehören dem Kennenlernen: Linien einprägen, Bremspunkte finden, Vertrauen aufbauen. Mit jeder Runde wirst du flüssiger, traust dich an den nächsten Table, hältst in der Steilkurve mehr Geschwindigkeit. Wenn du kein eigenes Material hast, steht an der Talstation ein Testcenter mit gepflegten High-End-Downhill-Bikes bereit, darunter Modelle von Santa Cruz, Trek, Cannondale und Mondraker, inklusive des legendären Santa Cruz V10. Auch die komplette Schutzausrüstung kannst du leihen: Full-Face-Helm, Rückenpanzer, Knie- und Schienbeinschoner. Ohne sie kommst du nicht in den Lift, die Protektorenpflicht gilt ausnahmslos.
Dazwischen lockt der Fuchsbau Kiosk direkt an der Talstation, den Besucher für seine Bratwürste, Pommes und frischen Kuchen loben. Eine Bike-Wash-Anlage befreit dein Rad am Ende des Tages vom Schwarzwald-Schlamm, die Werkstatt des 2-Cycle-Shops hilft bei Defekten sogar sonntags. Und wenn um 16:30 Uhr der Lift schließt und die Beine brennen, kennt die Szene nur ein Ziel: Andi's Pfeffermühle, in der ganzen Region berühmt für üppige Schnitzel-Portionen zu fairen Preisen.
Für Einsteiger und sportliche Familien
Eines muss klar sein: Der Bikepark Todtnau ist eine ernsthafte Sportstätte im alpinen Gelände, kein Spielplatz. Für untrainierte Anfänger ohne jede Trail-Erfahrung ist er ungeeignet. Aber wenn du sicher auf dem Mountainbike sitzt, ist der Wildride dein Einstieg: Alle Sprünge sind abrollbar oder umfahrbar, und der Betreiber rät, die Strecke bei der ersten Fahrt ganz langsam zu besichtigen, um kritische Stellen zu erkennen. Die hauseigene Fahrtechnikschule bietet Kurse für verschiedene Niveaus an, in denen du Gewichtsverlagerung und Bremstechnik von Grund auf lernst.
Auch sportliche Familien finden hier ihren Platz. Leihmaterial gibt es in der Regel ab etwa acht Jahren, für jüngere Kinder lohnt vorab ein Anruf beim Verleih. Wichtig: Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren brauchen beim Ticketkauf eine unterschriebene Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten im Original. Und für Gäste mit Hochschwarzwald Card gibt es ein besonderes Angebot: Freie Liftfahrten oder Tageskarten enthält die Card hier zwar nicht, dafür einmalig einen begleiteten Schnupperkurs im Bikepark, der perfekte erste Kontakt mit dem Gravity-Sport. Den Termin buchst du vorab über mein.hochschwarzwald.de.
Ausflugsziele in der Nähe
Todtnau ist ein kleines Abenteuer-Drehkreuz, und das macht den Ort auch für gemischte Gruppen spannend. Wer nicht mit aufs Bike steigt, fährt mit demselben Lift hinauf zum Hasenhorn-Coaster, einer der längsten und spektakulärsten Sommerrodelbahnen Deutschlands. In kurzer Distanz warten die Blackforestline Hängebrücke, die Todtnauer Wasserfälle und der familienfreundliche Steinwasen-Park in Oberried, allesamt Inklusivleistungen der Hochschwarzwald Card. So wird aus einem Biketag ein ganzes Erlebniswochenende: Du jagst den Wildride hinunter, während der Rest der Familie über der Schlucht schwebt oder die Wasserfälle bestaunt. Abends sitzt ihr alle zusammen beim Schnitzel und erzählt euch, wer den aufregenderen Tag hatte. Pack die Protektoren ein, sichere dir deinen Termin über mein.hochschwarzwald.de und finde es heraus.
Vom 11. bis 13. September 2026 finden am Hasenhorn die Deutsche Meisterschaft im Downhill und die HOT-TRAIL Series als gemeinsames Event statt. In diesem Zeitraum ist mit deutlich mehr Besuchern, gesperrten Downhill-Strecken für den regulären Betrieb und abweichenden Parkregelungen zu rechnen.
Gut zu wissen
Wenn du ein Leihbike willst, reserviere es mindestens zwei Tage im Voraus online, besonders fürs Wochenende, denn der Shop mit Verleih hat regulär nur an Wochenenden sowie Feier- und Brückentagen geöffnet. Und plane den Abschluss gleich mit: Nach Liftschluss um 16:30 Uhr gehört ein Schnitzel in Andi's Pfeffermühle zum Biketag in Todtnau einfach dazu.