Stell dir vor, du stehst oben auf der 240 Meter langen Mauerkrone, der Wind zieht über das Wasser, und tief unter dir liegt der größte See des Schwarzwaldes wie ein blaues Tuch zwischen den dunklen Hängen. Genau hier, am südöstlichen Ufer bei Seebrugg, schaukeln an blauen Stegen die Boote von Müller. Du musst nur einsteigen, ablegen, und schon bist du dein eigener Kapitän auf 930 Metern Höhe.
Freizeitkapitän für einen Nachmittag
Bei Müllers Bootsvermietung an der Staumauer gibt es keine geführte Tour, keinen festen Fahrplan, niemanden, der dir sagt, wo es langgeht. Du bestimmst den Kurs selbst. Steig in eines der umweltfreundlichen Elektroboote, dreh den Schlüssel, und lautlos gleitest du hinaus. Die Motoren sind auf 10 Kilometer pro Stunde gedrosselt, führerscheinfrei und angenehm leise, sodass du nur das Plätschern am Bug und vielleicht einen Bussard über den Wäldern hörst. Bis zu sechs Personen passen an Bord, also nimmst du die ganze Familie mit.
Wie weit du kommst, entscheidest du. Den kompletten See umrundest du mit dem Elektroboot in rund zwei Stunden, vorbei an dicht bewaldeten Hängen und den weiten Buchten des Reservoirs. Hast du weniger Zeit, tuckerst du von der Staumauer hinüber bis in die Bucht des Kernortes Schluchsee und wieder zurück, eine knappe halbe Stunde. Wer es sportlich mag, greift zum Tret- oder Ruderboot. Dann gibt nicht der Motor den Takt vor, sondern deine eigenen Beine.
Müller ist nicht nur hier an der Staumauer zu Hause, sondern an drei Stegen rund um den See: an der Staumauer bei Seebrugg, in der Wolfsgrundbucht beim Ort Schluchsee und am Strandbad Aqua Fun. An jedem der drei Standorte liegt dein Boot bereit, du wählst einfach den Startpunkt, der dir am nächsten liegt.



Der See gehört dir, solange du an Bord bleibst. Ablegen am fremden Ufer ist tabu, und das ist auch gut so.
Ein Bad mitten auf dem See
Das schönste Boot für heiße Sommertage ist das Badetretboot. Klassische Tretboote bringen dich nur von A nach B, doch dieses hat am Heck eine fest montierte Leiter. Du trittst hinaus auf die offene Wasserfläche, weit weg von den vollen Stränden, stoppst, und springst mitten im sauberen Stausee ins kühle Nass. Nach dem Schwimmen kletterst du über die Leiter bequem wieder an Bord, ohne Klimmzug und ohne fremde Hilfe. Das ist Baden, wie es sonst niemand bekommt, ein kleines privates Schwimmbecken auf 5,14 Quadratkilometern.
Schon das klassische Tretboot kostet dich nur 9 Euro für die halbe Stunde, und das Badetretboot zum gleichen Preis schenkt dir die Freiheit, jederzeit ins Wasser zu gehen. Pack ein Handtuch ein, denn der erste Sprung in den Bergsee ist frisch, aber genau das macht den Sommer hier oben aus.
Für geübte Hände: der Kielzugvogel
Hinter den gemütlichen Tretbooten verbirgt sich ein Boot für echte Könner: ein Segelboot vom Typ Kielzugvogel, zugelassen für ein bis vier Personen. Der Schluchsee liegt in einer Kessellage, und genau das macht ihn unter Seglern berühmt. Die Winde drehen rasch und färben sich zu tückischen Fallwinden, die Unerfahrene schnell in die Klemme bringen. Hart am Wind segeln oder kreuzen ist hier möglich, aber nur, wenn du wirklich weißt, was du tust. Die Müller weisen ausdrücklich darauf hin: sehr gute Segelkenntnisse sind Pflicht.
Wer den Wind lesen kann, findet auf diesem Wasser ein außergewöhnlich interessantes Revier. Wer nicht, bleibt besser beim leisen Elektroboot und genießt die Ruhe. Beides hat seinen Reiz, und beides startet am selben Steg unter der wuchtigen Betonmauer.
Eine Mauer mit Geschichte und ein wachsamer Hirsch
Bevor du ablegst, lohnt der Blick auf das Bauwerk, das diesen See überhaupt erst geschaffen hat. Zwischen 1929 und 1932 errichteten rund 2.800 Notstandsarbeiter die Schluchsee-Talsperre, die älteste Beton-Staumauer Deutschlands. Sie ist 63,5 Meter hoch, von denen 35 Meter luftseitig sichtbar sind, und ihre Krone ist 240 Meter lang und 3,70 Meter breit. Durch die Aufstauung wuchs der einst drei Kilometer lange Gletschersee auf das Dreieinhalbfache und wurde zum größten Stromspeicher Deutschlands. Bei Sprengarbeiten 1930 kam sogar ein Einbaum aus dem Jahr 650 nach Christus zum Vorschein, ein Beleg, dass dieser See schon im frühen Mittelalter befahren wurde.
Direkt über den Steganlagen thront auf einem Felsvorsprung der Staumauer-Hirsch. Die Müller stellten ihn 2017 zum 25-jährigen Firmenjubiläum auf, und seither wacht er über Boote und Biergarten. Er ist zum beliebtesten Fotomotiv des Platzes geworden, also halt die Kamera bereit, wenn du über die Mauerkrone zu den Booten läufst.
Entspannt mit Kindern und Hund
Familien haben es hier leicht. Für Nichtschwimmer und Kinder unter acht Jahren liegen passgenaue Rettungswesten bereit, kostenlos und ohne Bürokratie, du musst also nichts von zu Hause mitschleppen. Das nimmt Eltern den Stress, und die Kleinen sitzen sicher an Bord, während ihr über den See gleitet. Auch der Familienhund darf mit, ganz selbstverständlich und ohne Aufpreis, auf Elektro-, Tret- und Ruderbooten.
Eine Regel solltest du dir merken: Anlegen am Ufer oder an fremden Stegen ist überall am See verboten, und du musst mindestens 80 Meter Abstand zum Ufer halten. Das schützt die empfindlichen Uferzonen, und Wasserpolizei wie Naturschutz kontrollieren das durchaus. Du fährst also schön über die Mitte und kehrst am Ende zur Startstation zurück. So einfach ist das Spiel.
Ausflugsziele in der Nähe
Ein Bootsausflug füllt selten einen ganzen Tag, und drumherum gibt es viel. Der naheliegendste Spaziergang führt über die Mauerkrone selbst, mit spektakulären Blicken hinab ins luftseitige Gelände. Von dort geht es nahtlos weiter auf den 18 Kilometer langen Seerundweg, dessen ebene Abschnitte sogar kinderwagentauglich sind. Wer die Perspektive wechseln will, steigt am Steg der MS Schluchsee zu, dem Ausflugsschiff im Linienverkehr. Beim Bahnhof Seebrugg, rund 15 Gehminuten entfernt, baut die IG 3-Seenbahn ein Freilichtmuseum mit historischen Eisenbahnfahrzeugen aus den Jahren 1945 bis 1960 auf. Im Ortsteil Blasiwald findest du den rund 600 Jahre alten Steinkreis und die Seehofkapelle Blasiwald-Eisenbreche, die man einst als Floß über den steigenden Stausee an ihren heutigen Standort manövrierte.
Wer noch mehr vom Hochschwarzwald sehen möchte, fährt zum nahen Titisee, wo die Bootsrundfahrten Drubba Titisee und der Titisee-Rundweg locken. Einen Abstecher wert sind außerdem das BADEPARADIES SCHWARZWALD und die Feldbergbahn. Pack also die Wanderschuhe ein, leih dir ein Boot, und mach einen ganzen Tag daraus.
Saison 2026: geöffnet vom 18. April bis 18. Oktober 2026, bei schönem Wetter täglich von 10 bis 18 Uhr, im Oktober bis 17 Uhr. Die Boote sind offen und bieten keinen Wetterschutz. Bei Starkregen, Gewitter, Nebel oder stürmischen Fallwinden bleibt die Station aus Sicherheitsgründen geschlossen, die Zeiten können also wetterbedingt abweichen. Ruf bei unsicherer Lage kurz unter +49 170 3803299 an.
Gut zu wissen
An warmen Wochenenden gilt: Wer zuerst kommt, fährt zuerst, denn reservieren kannst du nicht. Sei möglichst zur Öffnung um 10 Uhr da, dann sparst du dir das Warten in der Mittagssonne. Und denk an genug Bargeld, der nächste Geldautomat liegt erst im Kernort Schluchsee.