Kaiserstuhl (Badberg & Burkheim)

Vogtsburg · Hochschwarzwald
NaturWandernAusflug
Burgruine Burkheim auf bewaldeten Hügel über dem Dorf Burkheim, blauer Sommerhimmel
Bild: kalliur (gemeinfrei / CC0) via Flickr (flickr.com/photos/90649494@N05/24554090709)
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Stell dir vor, du stehst auf einem baumlosen Bergkamm, die Weinterrassen fallen unter dir in die Rheinebene, und der dunkle Vulkanboden unter deinen Schuhen heizt sich an einem Augusttag auf bis zu 70 Grad auf. Genau hier, am Kaiserstuhl, blühen Orchideen, die sonst fast nirgends in Deutschland zu finden sind, und nur ein paar Kilometer weiter ruht ein mittelalterliches Weinstädtchen auf einem Vulkansporn, als hätte die Zeit es vergessen. Zwei Welten, ein Ausflug, und beide kosten dich keinen Eintritt.

Der Badberg, der heißeste Hügel im Kaiserstuhl

Der Badberg liegt im Herzen des Kaiserstuhls, eingebettet zwischen Alt-Vogtsburg, Oberbergen und Schelingen, und er gehört zu den wertvollsten Naturschutzgebieten für Trocken- und Halbtrockenrasen in ganz Deutschland. Seine Südwest-Ausrichtung und die fast völlige Baumlosigkeit machen ihn zu einem Glutofen: An heißen Sommertagen klettert die Temperatur an der Erdoberfläche stellenweise auf 70 Grad. Dieses mediterrane Mikroklima mitten im Südwesten hat die Bundesregierung dazu bewogen, den Berg gemeinsam mit dem benachbarten Haselschacher Buck in das Förderprogramm für Gebiete von nationaler Bedeutung aufzunehmen.

Was hier wächst, suchst du anderswo vergeblich. Das Affen-Knabenkraut, eine Orchidee, deren winzige Einzelblüten bei genauem Hinsehen die Form kleiner Affen tragen, gedeiht in Deutschland fast ausschließlich auf diesem Hügel. Im Frühjahr überziehen Küchenschellen, Kaiserstuhlanemonen und ganze Schlüsselblumenwiesen die Hänge, im Herbst verwandelt die leuchtend gelbe Goldaster die sogenannten Degenmatten in einen dichten, goldenen Teppich. Du wanderst hier nicht einfach durch Grün, du blätterst durch ein botanisches Bilderbuch.

Auch die Tierwelt spielt mit. Im schützenden Gebüsch der Kleinterrassen versteckt sich die Smaragdeidechse, groß und in Grün bis Türkis schillernd. In den Spätsommermonaten, vor allem im August, sitzen Gottesanbeterinnen reglos in den heißen Wiesen, und am Übergang zu den Lösswänden nisten farbenprächtige Bienenfresser. Wer die Augen offen hält, entdeckt am angrenzenden Wasser sogar den blau schimmernden Eisvogel.

Ein Berg, auf dem Affen-Orchideen blühen und Eidechsen in Türkis schillern, und das alles ohne Kasse am Eingang.

Burkheim, das Weinstädtchen auf dem Vulkansporn

Fährst du vom Badberg an den westlichen Rand des Gebirges, landest du in Burkheim, einem Ort, der sich abseits des Durchgangsverkehrs auf den letzten Vulkansporn drückt. Die Geschichte reicht tief: Schon zwischen 1200 und 800 vor Christus siedelten hier Menschen, die Römer bauten in der Nähe ein Kastell, und am 13. März 762 taucht der Ort erstmals in einer Urkunde auf, als Bischof Heddo Besitz in Burchheim verschenkte. Um 1316 erhielt Burkheim die Stadtrechte. Heute teilt sich der Ort sichtbar in drei Ebenen: die enge Oberstadt, die repräsentative Mittelstadt und die Unterstadt unten in der Rheinebene, wo einst die Fischer wohnten.

Über allem thront die Schlossruine. Der kaiserliche Feldobrist Lazarus von Schwendi bekam Burkheim 1560 als Dank für seine Verdienste in den Türkenkriegen und ließ die im Bauernkrieg zerstörte Burg ab 1561 im Renaissance-Stil neu errichten. Lange hielt die Pracht nicht: 1672 fiel sie den Eroberungskriegen Ludwigs XIV. zum Opfer und blieb Ruine. Heute steht sie weithin sichtbar in einer Spitzen-Weinlage, und wenn du durch die Mittelstadt gehst, säumen Fachwerkhäuser, spätgotische Bauten und barocke Fassaden den langen, gepflasterten Platz.

Nimm dir Zeit für die Details: das wieder aufgebaute Stadttor als östlichen Zugang, das Renaissance-Rathaus mit seinen ungewöhnlich schrägen Turmfenstern, die spätgotische Pfarrkirche St. Pankratius mit ihrer reich verzierten Turmhalle. Und wenn du Glück hast, stolperst du an einem Feldweg über das versteckte Hexenhäuschen, einen Geheimtipp, den sonst nur vorbeiradelnde Ausflügler bemerken.

350 Jahre Korkenzieher in einer alten Scheune

Im Kirchgässle der Altstadt verbirgt sich hinter einer unscheinbaren Tür ein kleines Wunder: das Korkenziehermuseum Kaiserstuhl, das erste und einzige Museum seiner Art in Deutschland. Untergebracht in einer ehemaligen landwirtschaftlichen Scheune, erzählt es 350 Jahre Kulturgeschichte rund um eine einzige Frage, wie man eine Weinflasche öffnet.

Hinter der Sammlung steht Bernhard Maurer, dessen Leidenschaft ein Flohmarktfund im schweizerischen Vevey entfachte. Heute zeigt er über 1.000 ausgewählte Exponate, die aus mehr als 3.000 weltweiten Patenten stammen. Du wanderst von rudimentären mechanischen Helfern aus dem 18. Jahrhundert bis zu aufwendigen figürlichen, royalen und kuriosen Designerstücken. Im Kellergewölbe desselben Winzerhauses wartet der Kaiserstuhlshop mit Wein- und Barzubehör, und nur wenige Gehminuten entfernt führt dich der Burkheimer Kräuterhof auf eine Reise durch Düfte orientalischer Gewürze, ätherischer Öle und regionaler Heilkräuter.

Mit Laterne und Hellebarde durch die Nacht

Wenn die Dämmerung über Burkheim fällt, beginnt die wohl schönste Zeitreise des Ortes. Beim Nachtwächterrundgang begleitest du einen historisch gekleideten Wächter mit Laterne und Hellebarde durch die dunklen Gassen der Altstadt. Früher war das ein bitterernster Job: Der Nachtwächter musste die dicht gebaute Stadt vor Feuersbrünsten und nächtlichen Angreifern warnen, und wer einnickte, dem drohte eine empfindliche Geldstrafe von bis zu einem Schilling.

Heute ist daraus eine einstündige Führung voller Anekdoten geworden, bei der traditionelle Nachtwächterlieder in alemannischer Sprache erklingen und am Ende oft ein Glas Burkheimer Wein wartet. Gerade Kinder hängen an den Lippen des Wächters, die authentische Atmosphäre und die spannenden Erzählungen ziehen sie sofort in den Bann. Plan ihn aber bewusst ein: Der Rundgang findet nur von Karsamstag bis Ende Oktober statt, jeden Samstag um 22 Uhr, Treffpunkt ist das Torhäusle am Stadttor (5 Euro, Kinder und Jugendliche unter 16 frei, keine Voranmeldung nötig). Hunde dürfen mit Rücksicht auf die Gruppe nicht mit.

Wandern, Wassertreten und weite Blicke

Der Badberg ist ein Berg für die Beine. Die ehrgeizigste Tour ist der Badbergpfad, ein rund 15,5 Kilometer langer Qualitätswanderweg, der von Nimburg über den höchsten Grat bis nach Oberrotweil führt und für den du etwa 4,5 Stunden Gehzeit und 277 Höhenmeter einplanen solltest. Wer es kompakter mag, steigt direkt von Alt-Vogtsburg oder vom Wanderparkplatz Schelinger Höhe auf. Oben läufst du von Kuppe zu Kuppe über den baumlosen Kamm, und der Blick reicht über das Totenkopfmassiv und die Rheinebene bis zu den Vogesen und dem Schwarzwald. Festes Schuhwerk, eine Kopfbedeckung und genug Trinkwasser gehören ins Gepäck.

Die schönste Belohnung wartet am Fuß des Berges: das Badloch. Diese leicht radonhaltige Thermalquelle führt ganzjährig konstant 21 Grad warmes Wasser, und schon die römischen Besatzer sollen seine Heilkraft geschätzt haben. 1926 wurde die Quelle neu gefasst und in ein massives Kneippbecken geleitet. Nach einer heißen Wanderung steigst du hier hinein und trittst Wasser, bis die Füße wieder leicht sind. Ein Erlebnis für Groß und Klein.

Den schönsten Abschluss findest du an der Mondhalde, einem Wanderparkplatz zwischen Oberrotweil und Burkheim. Von hier öffnet sich das wohl spektakulärste Abendpanorama der Region: Die Sonne sinkt über die Weinterrassen hinab in die Rheinebene, und du verstehst sofort, warum man diesen Fleck nur ungern wieder verlässt.

Ausflugsziele in der Nähe

Burkheim und der Badberg sind ein idealer Standort, um die ganze Region einzusammeln. Innerhalb von 15 bis 30 Fahrminuten erreichst du die Münsterstadt Freiburg, das am Rhein gelegene Breisach und die Gemeinde Riegel. Mit der KONUS-Gästekarte, die du als Übernachtungsgast über die Kurtaxe automatisch bekommst, fährst du kostenfrei mit Bus und Bahn durch den gesamten Schwarzwald, von Pforzheim bis Basel. Die Bahn bringt dich über die S-Bahn von Freiburg, Breisach oder Riegel-Malterdingen bis Gottenheim oder Endingen, von dort fahren der Tuniberg-Express und die Linie 752 tief in den inneren Kaiserstuhl bis nach Vogtsburg und Burkheim. Wer die Grenze sucht, ist auch schnell im Elsass, in Colmar oder Neuf-Brisach. Pack die Wanderschuhe ein, lade die Familie ins Auto und mach dir einen ganzen Tag frei: Der Kaiserstuhl gibt dir Natur, Geschichte und Wein an einem einzigen Ort.

Aktueller Hinweis

2026 lohnt sich ein Blick in den Kalender: Die Burkheimer Weintage steigen vom 4. bis 6. September 2026 in der historischen Mittelstadt, mit Sonderprogramm zum 20-jährigen Jubiläum der Nachtwächter-Gruppe. Bei den Vogtsburger Weinhöhen (10. Mai bis 14. Juni 2026, außer Pfingstsonntag) wird erstmals auch die Schlossruine Burkheim zum Ausschankort mit Panoramablick.

Gut zu wissen

Korkenziehermuseum
Erstes und einziges seiner Art in Deutschland, über 1.000 Exponate aus mehr als 3.000 Patenten
Kulturgeschichte
350 Jahre rund ums Öffnen der Weinflasche, gesammelt von Bernhard Maurer
Badbergpfad
Rund 15,5 km, etwa 4,5 Std Gehzeit, 277 Höhenmeter
Mikroklima Badberg
Baumloser Südwesthang, Bodentemperatur im Hochsommer bis 70 Grad
Seltene Arten
Affen-Knabenkraut, Smaragdeidechse, Gottesanbeterin, Goldaster
Badloch-Quelle
Ganzjährig 21 Grad warmes, radonhaltiges Wasser, Kneippbecken (1926 gefasst), Wassertreten gratis
Eignung
Natur und Wandern, festes Schuhwerk nötig, am Badberg frühe Morgen- oder späte Nachmittagsstunden
Insider-Tipp

Plane die Badberg-Wanderung an heißen Tagen in die frühen Morgenstunden oder den späten Nachmittag, sonst brennt der baumlose Hang gnadenlos. Danach an die Mondhalde fahren, den Sonnenuntergang über den Weinbergen mitnehmen und zum Abschluss um 22 Uhr am Stadttor in Burkheim zum Nachtwächter stoßen. Ein perfekter Tag, ganz ohne Voranmeldung.

Häufige Fragen

Was kostet ein Besuch am Kaiserstuhl, und hilft die KONUS-Karte?
Der Badberg und das Badloch sind ganzjährig frei zugänglich und kosten keinen Eintritt. Das Korkenziehermuseum in Burkheim ist Mittwoch bis Samstag von 11 bis 18 Uhr geöffnet (Winterpause von Januar bis Ostern) und kostet 2,00 Euro, mit KONUS-Karte 1,50 Euro. Die KONUS-Karte bekommst du als Übernachtungsgast über die Kurtaxe und fährst damit kostenlos mit Bus und Bahn durch den Schwarzwald.
Ist der Ausflug für Kinder geeignet?
Ja. Der abendliche Nachtwächterrundgang mit Laterne und Hellebarde fasziniert Kinder durch seine mystische Inszenierung, und Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sind dabei kostenfrei. Auch das Wassertreten im 21 Grad warmen Badloch begeistert alle Altersklassen. Für kleine Füße gilt: feste Schuhe einpacken.
Darf mein Hund mit?
Beim regulären öffentlichen Nachtwächterrundgang sind Hunde mit Rücksicht auf die Gruppengröße nicht gestattet. Nur bei privat gebuchten Gruppenführungen können Vierbeiner nach Absprache mitkommen. Auf den freien Wegen am Badberg bist du dagegen flexibler unterwegs.
Wo kann ich am Badberg parken?
Gute Einstiege bieten der Wanderparkplatz an der St. Romanus Kirche in Alt-Vogtsburg und der direkte Parkplatz an der Badloch-Quelle. Sehr aussichtsreich ist der gebührenfreie Wanderparkplatz Mondhalde zwischen Oberrotweil und Burkheim, die Zufahrt ist allerdings steil und auf Fahrzeuge bis 2,8 Tonnen beschränkt.
Wie barrierefrei ist Burkheim, und was tun bei Regen?
Die Gassen der historischen Ober- und Mittelstadt sind durchgehend mit Kopfsteinpflaster belegt, das Schieben von Kinderwagen oder Rollstühlen wird dadurch holprig. Robuste Modelle und festes Schuhwerk helfen. Bei Regen verlagerst du den Tag einfach nach drinnen: Das Korkenziehermuseum führt im Trockenen, und die Burkheimer Winzerkeller laden zu Besichtigungen mit Weinproben im historischen Ambiente.

Übernachten

Und wo schläfst du?

Auf dem heißen Vulkanboden vergeht der Tag schnell, aber irgendwo muss die Nacht ja ausklingen. Unsere Partnerhäuser liegen mitten in der Region.

Transparenz: Hotel Hochfirst und Hotel Sonnenberg gehören zur H24-Gruppe, die SchwarzwaldNavi betreibt.

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