AusflugszieleSt. Märgen

Zweribachwasserfälle

St. Märgen · Hochschwarzwald
Eintritt frei NaturWandern
Wasserfall in der Nähe von St. Märgen
© Hochschwarzwald Tourismus GmbH
Start Attraktionen Zweribachwasserfälle

Stell dir vor, du kletterst über einen quer gestürzten Baumriesen, deine Hand findet Halt an einer moosgrünen Felskante, und dann hörst du es schon: ein tiefes Donnern, das dir durch die Brust geht. Noch ein paar Schritte den schmalen Pfad hinab, und der Wald gibt den Blick frei auf drei Kaskaden, die knapp 40 Meter in die Tiefe stürzen. Das sind die Zweribachwasserfälle, eines der wildesten Stücke Schwarzwald, das du zu Fuß erreichen kannst.

Wo das Wasser über drei Stufen springt

Rund 20 Kilometer östlich von Freiburg, im Simonswälder Tal, hat sich der Zweribach in einen eiszeitlichen Talkessel gegraben. Über 300 Meter tief ist dieses Kar, das größte seiner Art in der Region, von Gletschern aus dem Boden gehobelt. Auf etwa 800 Metern Höhe erreicht der Bach die Abbruchkante und stürzt in drei markanten Stufen hinab: oben 8 Meter, in der Mitte knapp 3, und dann die mächtige untere Stufe mit 15 Metern. Zusammen kommen die Kaskaden auf eine Fallhöhe von knapp 40 Metern.

Dass hier ganzjährig so kraftvoll Wasser fließt, hat einen Grund: Die montane Hanglage fängt mindestens 1.800 Millimeter Niederschlag im Jahr. Schmale Pfade, ein paar Treppen und kleine Holzbrücken führen dich unmittelbar an die Fälle heran, so nah, dass dir die Gischt ins Gesicht weht. Hier gibt es keine Geländer-Choreografie und kein Drehkreuz. Du erlebst die Urgewalt des Wassers roh und ungefiltert.

Ein Urwald von morgen

Das Besondere an diesem Ort ist, was rundherum NICHT passiert. Die Zweribachwasserfälle liegen mitten im Naturschutzgebiet Zweribach, einem Bannwald, der schon seit 1952 sich selbst überlassen wird und 1970 offiziell als Naturwaldreservat ausgewiesen wurde, eines der ältesten in Deutschland. Kein Förster greift hier ordnend ein. Abgestorbene Bäume bleiben als Totholz liegen, Farne wuchern über die Pfade, vermooste Felsen und quer liegende Stämme prägen das Bild. Die Wissenschaft beobachtet hier, wie aus einem Wald langsam wieder Urwald wird.

Genau diese Wildnis macht den Reiz aus, fordert dir aber Respekt ab. Die Wege sind oft kaum breiter als ein Trampelpfad, wurzeldurchsetzt und fallen an den Flanken steil ab. Knöchelhohe, gut profilierte Schuhe und Trittsicherheit sind keine Empfehlung, sondern Voraussetzung. Bei Nässe verwandeln sich Steine und Wurzeln in Rutschbahnen, dann gehört der Bannwald zu den Orten, die man besser einem trockeneren Tag überlässt.

Hier räumt niemand auf. Genau das ist der Punkt: Du läufst durch einen Wald, der wieder Wald sein darf.

Mehr als nur ein Wasserfall

Wer hierher kommt, bekommt ein ganzes Ensemble. Gleich nebenan rauscht der Hirschbachfall, der gern als kleiner Bruder des Zweribachs bezeichnet wird. Er liegt in einem Seitental, das nachmittags oft im Schatten ruht, wildromantisch und still, weil sich kaum jemand hierher verirrt. Auf dem Weg durch den Bannwald lohnt der Abstecher zum Hohwartfelsen, einem freiliegenden Felsvorsprung, der wie ein natürlicher Balkon über dem Tal der Wilden Gutach hängt und dir eine unverbaute Weitsicht schenkt.

Rund 500 Meter vor den Fällen öffnet sich der Wald zu einer sanften Wiese mit einer mächtigen Linde. Hier stand bis zu einem Brand 1984 der Brunehof. Heute markieren eine kleine Kapelle, Holztische, Bänke und eine Schutzhütte diesen idyllischen Rastplatz. Und hier wartet eine charmante Überraschung: Die Betreiberfamilie des Haldenschwarzhofs pflegt einen Brunnentrog, in dem Kaltgetränke lagern. Bezahlt wird über eine Vertrauenskasse. Eine Waldbar mitten im Schutzgebiet, ehrlicher geht Schwarzwald kaum.

Industriegeschichte über den Fällen

Nur wenige hundert Meter oberhalb der Kaskaden, auf der sogenannten Platte, wechselt die Szene abrupt von unberührter Natur zu Ingenieurskunst. Hier steht das Zweribach-Kraftwerk, 1924 bis 1925 für die Textilfabrik Gütermann & Co. errichtet, eines der bemerkenswertesten Wasserkraft-Industriedenkmäler Deutschlands. Der Plattensee fasst als Oberbecken 150.000 Kubikmeter Wasser, das durch eine 2,5 Kilometer lange Druckrohrleitung über eine Fallhöhe von 470 Metern ins Tal schießt und dort einst zwei Pelton-Turbinen antrieb. Das architektonisch eindrucksvolle Maschinenhaus passt sich erstaunlich elegant in die Landschaft ein.

Auch die Kultur des Schwarzwalds findest du auf dem Weg. Am Ortsrand von St. Märgen steht die Rankmühle von 1736, eine original erhaltene Mahlmühle mit oberschlächtigem Wasserrad, über Jahrhunderte zugleich Wohnhaus von Tagelöhnerfamilien. Künstler wie Hermann Dischler machten sie um 1900 zum bekannten Postkartenmotiv. Etwas abseits, zwischen Hirschmattenweg und Kapfenkapelle, kauert die winzige Vogesenkapelle, errichtet im Gedenken an einen gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs, mit einem Panoramablick bis zu den Vogesen.

Welcher Weg passt zu dir

Die große Bannwald-Runde ab St. Märgen ist die Königstour: 12 bis 14 Kilometer, rund vier Stunden reine Gehzeit, über 500 Höhenmeter auf und ab. Sie führt vorbei an der Rankmühle, steil hinab zum Hohwartfelsen und den Hirschbachfällen, über den Brunehof zu den Wasserfällen und auf einem Panoramaweg über das Rote Kreuz und die Kapfenkapelle zurück. Sportlicher ist der lange Aufstieg aus der Talsohle ab dem Gasthaus Engel in Obersimonswald, rund 10 Kilometer durch das tosende Tal der Wilden Gutach.

Du willst es kürzer? Vom Plattenhof auf der Hochebene sind es nur 1,7 Kilometer und etwa 30 Minuten hinab in die Nähe der oberen Fälle. Der Weg beginnt asphaltiert, ist breiter und führt bergab, die familienfreundlichste und gelenkschonendste Variante. Am Plattenhof grasen oft Kälber, Ziegen und Schweine, was die Kleinen begeistert. Und wer danach Hunger hat, kehrt im Gasthaus Plattenhof ein, bekannt für sein Holzfällersteak mit Brägele und hausgemachte Bratwürste.

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Die zentrale Lage macht die Zweribachwasserfälle zum perfekten Baustein für mehrere Tage. Die Luftkurorte St. Märgen und St. Peter locken mit barocken Klosterkirchen, das Klostermuseum St. Märgen erzählt von der Schwarzwälder Uhrmacherkunst, und das Naturfreibad bietet nach der Wanderung Abkühlung in chlorfreiem Quellwasser. Serienfans pilgern ins Glottertal zum Carlsbau, der Kulisse der Schwarzwaldklinik, und ins Heimatmuseum Hüsli in Grafenhausen-Rothaus.

Etwas weiter rauscht die fotogene Hexenlochmühle bei Furtwangen-Neukirch, in deren Nähe auch das Deutsche Uhrenmuseum einen Abstecher wert ist. Nur ein Sprung weiter liegt der Titisee, wo der Titisee-Rundweg zu einer entspannten Runde und die Bootsrundfahrten Drubba Titisee aufs Wasser einladen; bei wechselhaftem Wetter ist das BADEPARADIES SCHWARZWALD die sichere Bank. Wer mit Kindern unterwegs ist, findet im Steinwasen-Park ein weiteres lohnendes Ziel. Pack also die Wanderschuhe ein, lade dir eine Tour aufs Handy und plane einen Tag, an dem das Wetter trocken bleibt. Die Zweribachwasserfälle belohnen jeden Schweißtropfen mit einem Donnern, das du so schnell nicht vergisst.

Aktueller Hinweis

Das historische Zweribach-Kraftwerk ist seit Herbst 2020 stillgelegt, der Plattensee wurde für Sanierungsarbeiten an der Staumauer abgelassen. Das markante Maschinenhaus bleibt erhalten und von außen besichtigbar, Strom liefert es vorerst nicht. Die Rankmühle in St. Märgen läuft 2026 wieder im Konzept offene Mühle, regelmäßig auch ohne Voranmeldung in Betrieb zu sehen. Im Bannwald selbst bleibt der Wegzustand bewusst rustikal: abgerutschte Ränder, marode Geländer und quer liegende Stämme gehören dazu.

Gut zu wissen

Fallhöhe
Knapp 40 m über drei Stufen (8 m, 3 m, 15 m), auf ca. 800 m Höhe
Schutzstatus
Bannwald seit 1970, sich selbst überlassen seit 1952, eines der ältesten Naturwaldreservate Deutschlands
Dauer
Halber bis ganzer Tag; kurze Variante ab Plattenhof ca. 30 Min, große Bannwald-Runde ca. 4 Std
Für Kinder
Steile Pfade erst ab ca. 10 Jahren; Kinderwagen und Buggys im Bannwald absolut unbrauchbar
Ausrüstung
Knöchelhohe, profilierte Schuhe und Trittsicherheit Pflicht; im Winter zwingend Grödel (Schuhspikes) oder Wanderstöcke, da Pfade und Gischt dann spiegelglatt vereisen
Beste Wasserführung
Schneeschmelze im Frühjahr und nach Herbstregen; im trockenen Hochsommer weniger Wasser
Card
Kein Hochschwarzwald-Card-Partner, da der Besuch ohnehin kostenfrei ist
Insider-Tipp

Hundebesitzer und Familien fahren am entspanntesten zum Plattenhof und steigen von oben ab, der Weg ist weicher und breiter. Egal von wo: Leine konsequent dran, der Bannwald ist Rückzugsraum für bedrohte Arten. Und plane den Brunehof als Rastpunkt ein, der kühle Drink aus dem Brunnentrog gegen einen Obolus in die Vertrauenskasse ist das beste Souvenir.

Häufige Fragen

Was kostet der Eintritt zu den Zweribachwasserfällen?
Nichts. Die Fälle liegen in einem öffentlich zugänglichen Naturschutzgebiet und sind ganzjährig rund um die Uhr kostenlos zugänglich. Es gibt weder Kassenhäuschen noch Öffnungszeiten.
Sind die Wasserfälle für Kinderwagen oder barrierefrei?
Nein, in beiden Fällen. Das Gebiet ist nicht barrierefrei und für Rollstühle oder Rollatoren ungeeignet. Kinderwagen, Buggys und Bollerwagen sind auf den schmalen, wurzeligen Bergpfaden absolut unbrauchbar.
Kann ich mit dem Hund hin?
Ja, Hunde sind willkommen. Da es sich um ein streng geschütztes Totalreservat handelt, solltest du deinen Hund aber während der gesamten Tour an der Leine führen.
Wo parke ich am besten?
Am kürzesten ist der Waldparkplatz Haldenschwarzhof (ca. 2 km steiler Aufstieg), der aber an Wochenenden schnell überfüllt ist. Familienfreundlich ist der Plattenhof oben auf der Hochebene. Im Winter und als Ausweichoption gilt der Wanderparkplatz Potsdamer Platz nahe St. Peter als verkehrssichere Wahl.
Komme ich mit Bus und Bahn hin?
Ja. Mit der KONUS-Gästekarte fährst du als Übernachtungsgast kostenlos: aus Richtung Freiburg per S-Bahn S1 bis Hinterzarten oder Kirchzarten, dann mit Bus 7216 bis St. Märgen Post. Für den Aufstieg aus dem Tal fährt Linie 7272 bis Engel in Obersimonswald.
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