Stell dir vor, du stehst an einem Gehege, groß wie zwei Fußballfelder, und auf der anderen Seite hebt ein sibirischer Tiger gemächlich den Kopf. Dahinter, nur ein paar Schritte weiter, kreischen Kinder im freien Fall von einem 32 Meter hohen Turm, der über die Baumwipfel des Hochschwarzwalds blickt. Genau diese Mischung macht Tatzmania in Löffingen aus: ein Ort, an dem Löwengebrüll und Achterbahn-Quietschen zur selben Luft gehören.
Vom verblassten Wildpark zum exotischen Zoo
Die Geschichte dieses Geländes ist eine Geschichte vom Neuanfang. 1969 als schlichter Wildpark eröffnet, wurde das Areal über Jahrzehnte als Schwarzwaldpark bekannt, verlor aber zusehends an Glanz. 2017 übernahm die Unternehmerfamilie Braun aus Teningen, die schon den Steinwasen-Park bei Oberried betreibt, das renovierungsbedürftige Gelände. Statt einen weiteren heimischen Wildpark zu betreiben, entschieden sie sich für etwas Radikales: einen modernen Zoo mit exotischem Fokus, gepaart mit echten Fahrgeschäften.
Über 15.000 Kubikmeter Erde wurden bewegt, die alte Go-Kart-Bahn verschwand restlos, die Gehege wurden komplett neu strukturiert. Im Spätsommer 2018 öffnete der Park unter dem neuen Namen Tatzmania. Heute erstreckt er sich über 46 Hektar und beherbergt zwischen 20 und 27 Tierarten. Der Name ist Programm, denn hier steht eine der größten Raubtieranlagen Europas.







Die Tatzen, die dem Park den Namen gaben
Das Herzstück sind die Großkatzen, und hinter ihnen steht eine bewegende Geschichte. Cheftierpfleger Christian Walliser arbeitete rund 20 Jahre als Raubtierdompteur in großen Zirkussen, bis ihn ein schwerer Unfall bei einer Dinnershow in Hamburg zur Aufgabe zwang. Er siedelte sich im Hochschwarzwald an und baute ab 2015 zunächst auf dem Gelände einer ehemaligen Stadtsäge seinen Raubtierhof auf. Mit der Übernahme durch die Familie Braun zogen seine Tiere auf das weit größere Parkgelände. Heute finden ehemalige Zirkustiger und -löwen hier ihren artgerechten Ruhestand, auf Flächen, die weit über den gesetzlichen Mindeststandards liegen.
Vier afrikanische Löwen bewohnen ein Gehege von einem ganzen Hektar, sieben sibirischen Tigern stehen sogar 1,9 Hektar zur Verfügung. Wenn du Glück hast, triffst du eine der moderierten Schautierfütterungen, bei denen Walliser und sein Team nicht nur füttern, sondern in lebendigen Vorträgen vom Verhalten der Tiere und vom globalen Artenschutz erzählen. Bei einzelnen Arten wie den Trampeltieren darfst du unter Anleitung sogar selbst füttern. Diese Momente sind das edukative Rückgrat des Parks, kein bloßes Beiwerk.
Hier grasen Zebras, Kudus und mächtige Watussirinder friedlich nebeneinander, während du auf der Terrasse dein Schnitzel im Brötchen isst.
Afrikanische Savanne mitten im Schwarzwald
Ein architektonisches Glanzstück ist die Afrikanische Savanne, ein großzügiges Gemeinschaftsgehege, in dem Steppenzebras, große Kudus und imposante ostafrikanische Watussirinder zusammenleben. Das vermittelt ein erstaunlich echtes Safari-Gefühl, mitten im Hochschwarzwald. Vom Restaurant Erongo, gehalten im Stil einer afrikanischen Lodge, blickst du von der Außenterrasse direkt über den Teich auf diese Szene. Eltern lieben den vorgelagerten Spielplatz, weil die Kinder im Blick bleiben, während es Currywurst mit Pommes oder Spätzle mit Pilzrahmsoße gibt. An Wochenenden und in den Ferien ergänzen eine Grillhütte, Kioske und ein Saft- und Weinstand das Angebot, damit die Wartezeiten kurz bleiben.
Drumherum lebt eine bunte Tierwelt: Europäische Wölfe und Bisons, Erdmännchen und Zebramangusten, Berberaffen, Lamas, Alpakas und Kamerunschafe, dazu Bennett-Kängurus und eine vielfältige Vogelwelt aus Emus, Straußen und Blauen Pfauen. Weil die Tiere in Großgehegen leben, sind die Wege zwischen den Aussichtspunkten lang. Bring also Lust am Gehen mit, und plane ruhig den ganzen Tag ein. Praktisch: Die Wege sind konsequent barrierefrei, rollstuhl- und kinderwagentauglich ausgebaut, was den Park für Mehrgenerationen-Ausflüge prädestiniert.
Adrenalin für die Großen, Kidsmania für die Kleinen
Wer Nervenkitzel sucht, wird zwischen den Gehegen fündig. Der Gold Rusher, ein Bobsled-Coaster von 2019, jagt dich durch enge Kurven und steile Abfahrten, ganz ohne Überschläge. Im African Spin drehen sich die Gondeln frei um die eigene Achse, sodass keine Fahrt der anderen gleicht. Der Papageienflug lässt dich per Steuerhebel selbst nach links und rechts schwingen, bei genug Geschick sogar mit Überschlag. Ruhiger geht es im Wellenflieger zu, einem großen Kettenkarussell im afrikanischen Design, und auf der Wasser-Floßfahrt Venture River, die an heißen Tagen für Abkühlung sorgt. Und der Panorama Freefall Tower schenkt dir vor dem Sturz einen weiten Blick über die Gehege und den Schwarzwald.
Für die Kleinsten gibt es Kidsmania auf dem Gelände der alten Go-Kart-Bahn, mit sechs altersgerechten Fahrgeschäften. Begleitet von einem Erwachsenen dürfen Kinder schon ab zwei Jahren mitfahren, etwa auf der schienengeführten Jeep Safari, im Ballonkarussell oder in den Tassen, während es für die etwas Mutigeren ab vier Jahren einen kleinen Mini Freefall Tower gibt. Und wenn das Wetter umschlägt, rettet das Dschungelland den Tag: eine beheizte Indoor-Halle von fast 2.000 Quadratmetern mit Kletterbergen, Röhrenrutschen, Trampolinen und einem geschützten Bereich nur für Kleinkinder.
Ausflugsziele in der Nähe
Löffingen liegt strategisch günstig für einen ganzen Schwarzwald-Tag. Direkt ans Stadtgebiet grenzt die Wutachschlucht, eines der wildesten Wandergebiete Deutschlands. Ein Vormittag bei den Tigern lässt sich wunderbar mit einer abenteuerlichen Nachmittagswanderung verbinden, besonders mit wanderfesten Kindern. Nur 15 bis 20 Autominuten über die B31 entfernt locken Titisee-Neustadt und das BADEPARADIES SCHWARZWALD als nasses Kontrastprogramm, ideal nach einem Tag auf den Beinen. Rund um den nahen See lohnt sich zudem ein Abstecher zum Titisee-Rundweg oder zu den Bootsrundfahrten Drubba Titisee. Wer danach Ruhe sucht, findet sie am nahen Kirnbergsee oder bei einem Spaziergang zur Wallfahrtskirche Witterschnee. Pack die Familie ins Auto, plane den Park als Herzstück und häng dir ein zweites Ziel dran, dann wird aus dem Tag ein richtiges Erlebnis.
Achtung Wintersaison: Von Anfang November bis Mitte April sind sämtliche Fahrgeschäfte im Außenbereich aus Sicherheits- und Witterungsgründen geschlossen, und kälteempfindliche Tiere wie die Zebras ziehen in nicht einsehbare Winterquartiere. Im Winter öffnet nur die Indoor-Halle Dschungelland (Mi–Fr 14–19 Uhr, Sa/So 11–19 Uhr). Wer wegen der Achterbahnen kommt, plant seinen Besuch besser in der Sommersaison.
Gut zu wissen
Frag direkt bei der Ankunft nach den Zeiten der Schautierfütterungen, die meist zweimal täglich stattfinden, und plane deinen Rundgang darum herum. So sparst du dir lange Wege zurück und erlebst Tiger, Löwen und Zebramangusten genau dann, wenn Christian Walliser erzählt. Wer im Schwarzwald übernachtet, sollte unbedingt seine Hochschwarzwald Card mitnehmen, denn damit ist der Eintritt einmal komplett kostenlos.