Stell dir vor, du stehst auf einem Holzsteg, unter dir planscht ein Waschbär in seinem eigenen kleinen Canyon, und wenn du den Blick hebst, döst keine zehn Meter weiter ein Luchs in der Sonne. Im Rücken steigt der Hang steil an, vor dir fällt das Elztal ab bis zur Ruine der Kastelburg auf der anderen Talseite. Der Schwarzwaldzoo Waldkirch ist kein Zoo, durch den du hetzt. Er ist einer, in dem du stehenbleibst.
Ein Tierpark, der am Berg klebt
Fünf Hektar, hineingelegt in einen Waldhang am Rande des Naturparks Südschwarzwald, am Fuße des 1.240 Meter hohen Kandel-Massivs. Das ist der erste Eindruck, und es ist auch das Besondere: Der Schwarzwaldzoo verteilt sich nicht in der Ebene, sondern windet sich in Serpentinen den Berg hinauf. Wo immer du gehst, hast du Aussicht. Über die Dächer von Waldkirch, ins tieferliegende Elztal, hinüber zur Kastelburg. Tiere und Panorama, beides auf einmal.
Die Wurzeln reichen weit zurück. Im Dezember 1956 schenkte man der Stadt Waldkirch ein Paar Karpaten-Uhus, und genau daraus wuchs alles: Am 30. Mai 1957 öffnete das erste Gehege. 1982 wurde die Anlage neu konzipiert und unter der Stadt Waldkirch wiedereröffnet. Seit 2013 trägt der gemeinnützige Verein Freundeskreis Schwarzwaldzoo e.V. den Park, getragen von viel ehrenamtlichem Herzblut, finanziert über Eintritt, Spenden und regionales Sponsoring. 2014 kam ein modernes Eingangsgebäude dazu, 2017 knackte der Park die Marke von 60.000 Besuchern im Jahr. Heute leben hier zwischen 55 und 65 Tierarten, gut 320 bis 350 Tiere, der Schwerpunkt klar auf heimischen und europäischen Wildtieren. Statt auf Masse setzt der Verein auf Artenschutz und Umweltbildung: Bei der Nachzucht von Steinkauz, Europäischem Nerz sowie Weiß- und Schwarzstorch verzeichnet die Anlage echte Erfolge.



Hier hetzt dich niemand. Du gehst den Hang hinauf, und bei jeder Kehre wartet ein neues Gehege und ein neuer Blick ins Tal.
Vom Waldrapp bis zur Räuberecke
Der Park verzichtet fast ganz auf große geschlossene Tierhäuser und setzt auf offene, naturnahe Gehege. Eines der Herzstücke ist die begehbare Voliere des Waldrapps, einer stark gefährdeten Ibisart. Sechzehn dieser Vögel leben dort an einer nachgebildeten Felswand mit Bruthöhlen und einem künstlichen Wasserfall, und du stehst mittendrin, ohne trennende Gitter.
Weiter oben kommst du in die sogenannte Räuberecke. Hier zeigt der Zoo heimische Beutegreifer: die Europäischen Luchse Hannes und Elliott, den stark bedrohten Europäischen Nerz, Rotfüchse. Ein massiver Holzsteg führt über das weitläufige Waschbärengehege mit eigenem Bachlauf und Teich, das wie ein kleiner Canyon angelegt ist. Von dieser erhöhten Plattform fällt der Blick direkt in die Luchsanlage. Berühmt ist der Park außerdem für seine Eulen und Greifvögel: imposante Europäische Uhus, die majestätischen Schnee-Eulen, die Kinder gern als Harry-Potter-Eulen erkennen, dazu Bartkäuze und Steinkäuze. Eine Kükenbrutstation lässt dich je nach Jahreszeit frisch geschlüpfte Vögel beobachten.
Füttern, hüpfen, streicheln
Für Kinder ist dieser Zoo wie gemacht. Anders als in einem riesigen Großzoo droht hier keine Reizüberflutung: kompakte Wege, ständig ein Tier in Sicht, kurze Distanzen. Im Zentrum liegt die Spielarena, und ihr unangefochtener Magnet ist ein riesiges, in den Boden eingelassenes Hüpfkissen, flankiert von Rutschen, Wackeltieren und einem Drehteller. Gleich daneben der Streichelzoo, wo Zwergziegen und die besonders kleinen, wolligen Ouessantschafe auf zutrauliche Hände warten.
Das große Thema ist das Füttern. An Kasse und Automaten kaufst du Futterschachteln, und am Gehege steht genau angeschrieben, welche Tiere etwas bekommen dürfen: Sika-Wild, Alpakas, Ziegen, Steinböcke, Ouessantschafe. Mitgebrachtes Essen bleibt tabu, das verträgt der Tiermagen nicht. Dazu kommen kommentierte Schaufütterungen bei Luchsen, Nasenbären, Waschbären und Uhus, bei denen die Pfleger erzählen, wie und was die Tiere fressen. Für den Nachwuchs und das Picknick gibt es sogar Bollerwagen zum Ausleihen. Und exotisch wird es auch: südamerikanische Nandus, Kängurus, kletternde Nasenbären und Stachelschweine mit auffällig geringelten Stacheln. Im terraristischen Bereich leben Höcker- und Klappschildkröten sowie die Aspisviper, eine der wenigen heimischen Giftschlangen im südlichen Schwarzwald, und in den steileren Freigehegen am Hang grasen Steinböcke, Sikahirsche, Walliser Bergziegen, Lamas und Alpakas.
Was du mitnimmst
Du gehst hier nicht hindurch, um Elefanten und Giraffen abzuhaken. Du kommst, um zu entschleunigen. Der Reiz liegt in der romantischen Waldrandlage, im unverfälschten Kontakt zu heimischen Wildtieren und in dieser fast familiären Atmosphäre, die spürbar von ehrenamtlichem Einsatz lebt. Plane zwei bis vier Stunden ein, dann hast du den geteerten, knapp einen Kilometer langen Rundweg in Ruhe geschafft, mit genug Bänken für Pausen. Für die Stärkung zwischendurch gibt es im Eingangsgebäude einen Kiosk mit Eis, hausgemachtem Kuchen und Kaffee, an Wochenenden, Feiertagen und in den Ferien öffnet zusätzlich ein Imbisswagen an der Spielarena.
Der Park trägt das Bildungssiegel der Qualifizierungsoffensive Umweltbildung, und seine Zooschule bietet geführte Programme für Gruppen und Schulklassen. Buchbar sind auch Kindergeburtstage, bei denen das Geburtstagskind ein Tier im Gehege füttern darf. Wenn du mit der Hochschwarzwald Card anreist, kommst du einmalig kostenlos hinein. Pack dem Nachwuchs ein Paar dicke, rutschfeste Socken ein, dann steht dem Hüpfkissen nichts im Weg.
Ausflugsziele in der Nähe
Waldkirch ist ein kleiner Ausflugs-Hub, du kannst den Zoobesuch leicht zum ganzen Tag ausbauen. Direkt benachbart liegt der Baumkronenweg: Über den 1,2 Kilometer langen Sinnesweg steigst du auf, oben führt eine 200 Meter lange Holz-Stahl-Konstruktion bis zu 23 Meter hoch in die Wipfel, und Europas längste Riesenröhrenrutsche mit 190 Metern bringt dich rasant zurück ins Tal. Auf der gegenüberliegenden Talseite thront die Kastelburg, familiär erreichbar über den Ritterwanderweg (1,16 Kilometer, rund 40 Minuten), den neun mannsgroße Ritterfiguren begleiten. Und am Fuß des Hangs wartet der Stadtrainsee mit Tretboot-Verleih, Minigolf, Spielplätzen und dem Elztalmuseum. Wer noch mehr von der Region sehen möchte, plant einen Abstecher zum Deutsches Uhrenmuseum ein. Such dir aus, was zu deinem Tag passt, und mach einfach den Zoo zum Auftakt.
Saison 2026: Der Zoo ist von 21.02. bis 30.11.2026 geöffnet. Wichtig für die Anreise über den Kandel: Die Landesstraße 186 (Kandelstraße) wird ab 7. April 2026 abschnittsweise voll gesperrt (zuerst Waldkirch bis Passhöhe bis Ende Juni, dann weiter bergauf bis September). Der Verkehr wird großräumig über das Glottertal umgeleitet. Wer den Zoobesuch mit einer Kandelfahrt verbinden will, sollte die Sperrungen vorab prüfen. Der Zoo selbst ist davon nicht betroffen.
Gut zu wissen
Fahr nicht bis vors Eingangsgebäude Am Buchenbühl, dort gibt es kaum Stellplätze und das Wenden in der engen Wohnstraße ist mühsam. Steuere stattdessen den Parkplatz am Stadtrainsee an (Tagesticket 6 Euro), von dort sind es nur etwa fünf Minuten zu Fuß am Wasser entlang. Mit der Hochschwarzwald Card ist der Eintritt obendrein kostenlos.