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Schwarzwälder Skimuseum

Hinterzarten · Hochschwarzwald
gratis mit Card IndoorKulturWinter
Schwarzwälder Skimuseum in einem historischen Schwarzwaldhaus mit charakteristischem Krüppelwalmdach
Bild: Elfriede Birkenmayer (gemeinfrei / CC0) via Wikimedia Commons
Start Attraktionen Schwarzwälder Skimuseum

Stell dir vor, du stehst in einer über 300 Jahre alten Bauernstube im Hochschwarzwald, draußen rauscht der Wind durch die Tannen, und vor dir liegt eine echte olympische Goldmedaille. Gewonnen 1960 in Squaw Valley, von einem Postboten aus Hinterzarten, der als Hirtenbub auf Skiern zur Stallarbeit stapfte. Genau diese Geschichte erzählt das Schwarzwälder Skimuseum, und sie beginnt lange bevor irgendjemand hier an Sport dachte.

Ein Hof mit 580 Jahren Geschichte

Das Museum wohnt nicht in irgendeinem Zweckbau, sondern im denkmalgeschützten Hugenhof, dessen Spur bis ins Jahr 1446 zurückreicht, als mit dem Bauern Clewy Schinder der erste Bewohner namentlich erwähnt wurde. Ursprünglich stand hier ein sogenanntes Heidenhaus, ein Haustyp, den es nur im Hochschwarzwald gab: der Wohnteil drängte sich an den Hang, der Wirtschaftstrakt zeigte talwärts. Im Januar 1788 brannte der Hof nieder, zwei Kinder kamen dabei ums Leben. Der Wiederaufbau aus hofeigenem Tannen- und Buchenholz drehte das Haus kurzerhand um, für mehr Licht und bessere Luft. Schon im 18. Jahrhundert dachte man hier also über Bauphysik nach.

Seinen Namen verdankt der Hof der Familie Hug, die ihn von 1708 bis 1789 über vier Generationen bewirtschaftete. 1905 ging das Anwesen an die Gemeinde Hinterzarten, diente jahrzehntelang als Wohnhaus und wurde 1997 nach einer aufwendigen Restaurierung als Museum eröffnet. Die Initialzündung kam von Georg Thoma persönlich: Zu seinem 50. Geburtstag verzichtete der Olympiasieger auf Geschenke und bat stattdessen um Spenden für ein Skimuseum im Hugenhof. Lokale Handwerker packten zu günstigen Konditionen mit an, und aus der Idee wurde ein Haus, das heute Sportgeschichte, Bauernleben und Kunst unter einem Dach vereint.

Bevor der Ski hier Sportgerät wurde, war er Überlebenswerkzeug: Im tiefen Schnee kam man nur auf Brettern zum Stall.

Die Goldmedaille in der Bauernstube

Das Herzstück des Hauses ist die historische Bauernstube, heute Georg-Thoma-Stube. Hier liegen seine Original-Skier, Startnummern und tatsächlich die echte Goldmedaille der VIII. Olympischen Winterspiele 1960 in Squaw Valley. Wenn du davor stehst, lohnt es sich, die Geschichte dahinter zu kennen: Thoma war Postbote und einfacher Hirtenbub, als er 1960 als erster Mitteleuropäer die bis dahin eiserne skandinavisch-russische Phalanx in der Nordischen Kombination durchbrach. Ein Sensationssieg, mit dem niemand gerechnet hatte, schon gar nicht aus dem Schwarzwald.

Daneben hängt der Holmenkollen-Orden, den Thoma für drei aufeinanderfolgende Siege am Osloer Holmenkollen erhielt, überreicht vom damaligen norwegischen Kronprinzen Harald. Und mit etwas Glück erlebst du den Mann hinter den Vitrinen sogar leibhaftig: Bei den offenen Führungen, die an jedem zweiten und vierten Samstag im Monat um 15 Uhr stattfinden, ist Georg Thoma gelegentlich selbst dabei und erzählt Anekdoten aus erster Hand. Etwa, dass er in den 1960er Jahren beim Langlauf meist ohne Handschuhe unterwegs war. Eine Anmeldung brauchst du dafür nicht, du schließt dich einfach an.

Von schweren Holzbrettern bis zum Hannawald-Anzug

Auf zwei Etagen erzählt die Ausstellung, wie aus der Not ein Sport wurde. Du verfolgst die Entwicklung vom archaischen, schweren Holzski und einfachen Schneeschuhen über moderne Kunststoffskier bis zum Snowboard, und nebenbei wandert die Skimode durch die Jahrzehnte, mit bunten Accessoires und Kleidungsstücken, die heute herrlich aus der Zeit gefallen wirken. Auch die Heldinnen und Helden späterer Generationen sind vertreten: Christl Cranz, die erfolgreichste alpine Skirennläuferin der 1930er Jahre und Olympiasiegerin von 1936, das originale Wettkampf-Outfit von Skisprung-Legende Sven Hannawald, Exponate von Martin Schmitt und Dieter Thoma. Eine eigene Vitrine würdigt seit Kurzem die Gebrüder Zipfel, darunter Georg Zipfel, 18-facher Deutscher Meister und Olympia-Teilnehmer von 1976.

Was dieses Museum von reinen Sportsammlungen unterscheidet, ist die Kunst. Eine Gemäldegalerie versammelt die sogenannten Wintermaler wie Hermann Dischler, Karl Hauptmann und Franz Eberlin, deren Bilder um 1900 entstanden, genau in der Zeit, als der Skitourismus den Hochschwarzwald entdeckte. Dazu flimmern die ersten Skifilme über die Leinwand, allen voran Arnold Fancks Werk 'Wunder des Schneeschuhs' von 1920. Verschneite Hänge in Öl, daneben wackelige Schwarzweißbilder von Skipionieren: Diese Kombination findest du so kein zweites Mal.

Mit dem VR-Headset über die Adlerschanze

Der größte Kontrast zum knarzenden Holzboden des Hugenhofs wartet allerdings hinter einer VR-Brille. Die Virtual-Reality-Experience 'Skisprung Hinterzarten', entwickelt mit dem Europa-Park und der Firma VR Coaster, setzt dich für drei Minuten auf den Balken: Zwei Sprünge im benachbarten Adler-Skistadion, gefilmt mit der Helmkamera eines echten Skispringers, ergänzt um Fluggeschwindigkeit und Weite. Du spürst förmlich den Moment, in dem der Boden unter dir wegkippt. Gerade für Familien ist das ein Erlebnis, das Generationen verbindet: Erst die schweren alten Holzbretter im Erdgeschoss anfassen, dann selbst virtuell fliegen. Plötzlich versteht auch der Nachwuchs, was sich in 130 Jahren verändert hat.

Für Kinder gibt es zusätzlich ein Museumsquiz, das spielerisch durch die Räume führt, und der Eintritt ist für Kinder unter 16 Jahren frei. Für einen entspannten Rundgang über beide Etagen, inklusive Filme, Gemälde und VR-Sprung, solltest du etwa ein bis zwei Stunden einplanen. Und weil sich alles in den überdachten Räumen des alten Hofs abspielt, ist das Museum eine verlässliche Adresse für Regentage, an denen der Hochschwarzwald draußen grau in grau hängt. Im Dachgeschoss wechseln zudem bis zu vier Mal im Jahr Ausstellungen regionaler Künstlerinnen und Künstler, ein guter Grund, auch ein zweites Mal vorbeizuschauen.

Was du fühlst, wenn du wieder rausgehst

Das Schöne an diesem Haus ist, wie nah dir die Geschichten kommen. Es geht nicht um abstrakte Rekorde, sondern um Menschen aus dem Dorf: ein Hirtenbub, der Olympiasieger wird. Bauern, die Skier brauchten, um im Winter überhaupt zum Vieh zu kommen. Maler, die denselben Schnee auf Leinwand bannten, durch den die ersten Touristen stapften. Wenn du nach dem Besuch durch Hinterzarten gehst, siehst du den Ort mit anderen Augen: die Hänge, die Schanze, die alten Höfe, alles hängt zusammen.

Dazu kommt die Atmosphäre des Hugenhofs selbst, mit niedrigen Decken, dunklem Holz und dem Geruch eines Hauses, das seit Jahrhunderten bewohnt und benutzt wird. Hier stand mal Vieh im Stall, hier wurde gekocht, gearbeitet, getrauert und gefeiert. Dass ausgerechnet dieses Gebäude heute die Goldmedaille von Squaw Valley beherbergt, ist keine Kuriosität, sondern die ganze Pointe: Der Weg vom Bauernhof zum Olymp war im Schwarzwald erstaunlich kurz.

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Hinterzarten liefert dir das Drumherum für einen runden Tag gleich mit. Nur etwa 600 Meter vom Museum entfernt, knapp zehn Gehminuten, liegt das Adler-Skistadion, wo du ganzjährig das Training der Skisprung-Elite an den Mattenschanzen beobachten kannst. Erst der VR-Sprung im Museum, dann echte Springer am Himmel: bessere Dramaturgie gibt es kaum. Rund 1,6 Kilometer weiter wartet das Hinterzartener Hochmoor, mit 70 Hektar das größte Moor des Schwarzwaldes, dessen Naturerlebnispfad über Holzbohlenstege durch die empfindliche Landschaft führt. Für die Kaffeepause danach empfiehlt sich das Café Fräulein Me am Adlerweg 1 unweit des Bahnhofs, mit handwerklich hergestelltem Kuchen und saisonalem Eis.

Die Anreise klappt auch ohne Auto bequem: Hinterzarten liegt an der Höllentalbahn, vom Bahnhof läufst du rund 15 bis 20 Minuten durch den Kurort zum Museum. Übernachtungsgäste fahren mit der KONUS-Gästekarte kostenlos mit Bus und Bahn durch den ganzen Schwarzwald. Und wenn du die Hochschwarzwald Card in der Tasche hast, kostet dich der Eintritt ins Museum keinen Cent. Also: Beim nächsten Hinterzarten-Besuch einfach die Erlenbrucker Straße entlanglaufen und eintauchen.

Aktueller Hinweis

Sonderprogramm 2026: Ab Juni zeigt die ehemalige Weltklasse-Skilangläuferin und dreifache Olympia-Teilnehmerin Steffi Böhler ihre eigenen Gemälde unter dem Titel 'Mein Weg in Farben' (Vernissage am 7. Juni 2026 um 20 Uhr). Von voraussichtlich Mitte Juli bis Anfang November folgt der Freiburger Maler Ulrich Gater mit 'Im Schwindel des Realen', dessen Ölgemälde an die historischen Wintermaler der Dauerausstellung anknüpfen.

Gut zu wissen

Eröffnet
1997 im denkmalgeschützten Hugenhof (erstmals 1446 erwähnt), initiiert von Olympiasieger Georg Thoma
Besuchsdauer
Etwa 1 bis 2 Stunden für beide Etagen inklusive Filme, Gemälde und VR-Sprung
Offene Führungen
Jeden 2. und 4. Samstag im Monat um 15 Uhr, ohne Anmeldung, im Eintritt enthalten
Highlight
Original-Goldmedaille von Squaw Valley 1960 und Holmenkollen-Orden in der Georg-Thoma-Stube
VR-Experience
Dreiminütiger virtueller Skisprung im Adler-Skistadion, entwickelt mit dem Europa-Park (gegen Aufpreis)
Für Kinder
Museumsquiz durch die Ausstellung, Eintritt unter 16 Jahren frei
Schlechtwetter
Komplett indoor, ideale Alternative für Regentage im Hochschwarzwald
Insider-Tipp

Leg deinen Besuch auf den zweiten oder vierten Samstag im Monat und sei um 15 Uhr da: Die offene Führung kostet nichts extra, und mit etwas Glück führt dich Georg Thoma höchstpersönlich durch sein Museum. Danach die 600 Meter zum Adler-Skistadion schlendern und den echten Springern beim Training zuschauen.

Häufige Fragen

Lohnt sich das Museum auch für Kinder?
Ja. Ein Museumsquiz führt junge Besucher spielerisch durch die Räume, der VR-Skisprung begeistert ältere Kinder und Jugendliche, und der Eintritt ist für Kinder unter 16 Jahren frei.
Wie viel Zeit sollte ich einplanen?
Für einen entspannten Rundgang über beide Etagen mit Filmen, Gemälden und VR-Simulator rechnest du am besten mit ein bis zwei Stunden.
Wie komme ich hin und wo parke ich?
Direkt am Museum in der Erlenbrucker Straße gibt es begrenzte Parkplätze, Ausweichflächen liegen an der katholischen Kirche und am Bahnhof. Mit der Höllentalbahn erreichst du Hinterzarten bequem, vom Bahnhof sind es 15 bis 20 Gehminuten. Übernachtungsgäste fahren mit der KONUS-Gästekarte kostenlos.
Ist das VR-Skisprung-Erlebnis für jeden geeignet?
Für die meisten Gäste ab dem Jugendalter problemlos. Die Flugsimulation ist allerdings intensiv, empfindliche Personen können leichte Übelkeit verspüren. Im Zweifel kurz das Museumspersonal ansprechen.
Ist das Museum barrierefrei?
Das über 300 Jahre alte Gebäude ist baulich eine Herausforderung, über einen separaten Eingang ist es aber teilweise rollstuhlgeeignet, sodass wesentliche Teile der Ausstellung zugänglich sind.
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