Todtnauer Wasserfall

Todtnau · Hochschwarzwald
NaturWandern
Todtnauer Wasserfall stürzt über eine Felsstufe, ringsum herbstlich gefärbter Laubwald
Foto: Pierre Likissas / CC BY 3.0 via Wikimedia Commons
Start Attraktionen Todtnauer Wasserfall

Stell dir vor, du stehst am Fuß einer Felswand und über dir bricht ein ganzer Bach ab. 60 Meter weit fällt das Wasser, teils gleitend über den Granit, teils in freiem Sturz, bis es unten auf moosgrüne Blöcke knallt und zu feinem Nebel zerstäubt. Der Todtnauer Wasserfall ist kein stilles Rinnsal hinter ein paar Tannen, sondern einer der höchsten Naturwasserfälle Deutschlands, und du kommst ihm hier näher, als du denkst.

Wo das Stübenbächle 97 Meter in die Tiefe stürzt

Alles beginnt weit oben, am 1.386 Meter hohen Stübenwasen im Feldberggebiet. Dort entspringt das Stübenbächle, ein Gebirgsbach, der früher den treffenden Namen Stiebender Bach trug. Auf seinem Weg durch das weite, wiesengrüne Hochtal von Todtnauberg sammelt er klare Seitenbäche ein, wird voller, schneller, ungeduldiger. Und dann, unterhalb der Ortschaft, ist plötzlich Schluss mit der Sanftheit: Über eine massive Felskante kippt das Gewässer ins tiefer gelegene Wiesental und fällt insgesamt 97 Meter, kaskadenartig über fünf Stufen.

Dass die Landschaft hier so dramatisch abbricht, ist kein Zufall, sondern eiszeitliche Geologie zum Anfassen. Vor rund 11.000 Jahren trafen am heutigen Wasserfall zwei Gletscher aufeinander: der kleine Stübenbach-Gletscher, der das Hochtal formte, und der gewaltige Hauptgletscher des Wiesentals, der das Gestein viel tiefer aushobelte. Zurück blieb ein Hängetal, aus dem das Wasser seither über die Felskante stürzt. Über Granit und Gneis schießt es heute in tiefe Strudeltöpfe, die von Farnen und Moosen überwuchert sind. Seit dem 13. Juli 1987 steht das ganze Areal als flächenhaftes Naturdenkmal unter Schutz, und über 500.000 Menschen im Jahr kommen, um es zu sehen.

Die gewaltigste der fünf Stufen misst allein 60 Meter und ist damit die höchste ununterbrochene Fallstufe in den deutschen Mittelgebirgen.

Wandern am Todtnauer Wasserfall: vom Talweg bis zum Steig

Das Schöne am Todtnauer Wasserfall ist, dass jeder seinen eigenen Weg findet. Vom Parkplatz in Aftersteg führt ein breiter, naturbelassener Forstweg fast ohne Steigung direkt an die Prallzone der 60-Meter-Stufe heran. Etwa 15 bis 20 Minuten gemütliches Gehen, dann stehst du im Sprühnebel und spürst, wie die Luft hier ein paar Grad kühler ist als oben am Auto. An der Basis des Hauptfalls spannen kleine Brücken und Holzstege direkt über das tosende Wasser, näher kommst du an die rohe Wucht kaum heran.

Wer mehr will, biegt ab der untersten Brücke in den Wasserfallsteig ein. Jetzt wird es ernst: Hunderte in den Berg gehauene Treppenstufen, Wurzeln, feuchte Felsen, alles parallel zur Absturzkante nach oben. Immer wieder kreuzen kleine Holzbrücken den Bach und schenken dir neue Blicke auf die fallenden Wassermassen. Für einen entspannten Spaziergang vom Parkplatz zum Hauptaussichtspunkt und zurück planst du 45 bis 60 Minuten ein. Die komplette Wasserfallrunde über alle Kaskaden, optional mit der Hängebrücke, misst je nach Variante 2,4 bis gut 5 Kilometer und füllt locker 1,5 bis 2 Stunden.

Hängebrücke, Schatzstein und rote Liegen

Seit Mai 2023 hängt über dem Tal etwas, das dem Naturschauspiel eine zweite Dimension gibt: die Hängebrücke BLACKFORESTLINE. 450 Meter freitragend spannt sie sich über die Schlucht, 120 Meter über dem Talgrund, getragen von 16 Meter hohen Pylonen und 76 Millimeter starken Stahlseilen. 55 Tonnen Stahl, fünf Millionen Euro, und unter deinen Füßen ein Gitterrost, durch den du senkrecht auf die Tannenwipfel und den tosenden Wasserfall blickst.

Der Steg schwingt leicht, der Wind ist hier oben spürbarer als unten im geschützten Tal, und genau das macht den Reiz aus. Damit es nicht eng wird, lassen die Betreiber höchstens 400 Personen gleichzeitig auf die Brücke, obwohl statisch 1.000 zulässig wären. Wichtig zu wissen: Du musst die Brücke nicht überqueren, um den Wasserfall zu erleben. Sämtliche Kaskaden, auch die Basis des 60-Meter-Hauptfalls, siehst du aus nächster Nähe über die Wanderwege. Die Brücke ist die Kür für alle, die den Nervenkitzel und den Tiefblick suchen.

Wer genauer hinschaut, entdeckt rund um den Wasserfall stille Geschichten. Bis weit ins 18. Jahrhundert wurde an diesen steilen Hängen Silbererz abgebaut, und die Berge unterhalb des Zinkens Hangloch sind bis heute von alten Bergstollen durchzogen. Das greifbarste Zeugnis liegt rund 300 Meter östlich der oberen Fallstufe tief im Wald: der Schatzstein. In den Monolithen sind rätselhafte Zeichen und Linien gemeißelt, die lange als Hinweis auf verborgene Schätze galten. Heute weiß man, es ist eine in Stein geschlagene Bergbaukarte mit alten Stollen und Schächten.

Am Bassin des Hauptfalls und entlang der Panoramapfade stehen außerdem rote Design-Liegen, die Himmelsliegen. Lehrlinge der Schreinermeisterschule Freiburg haben sie unter Anleitung eines Designers entworfen und im Herbst 2012 aufgestellt. Du legst dich hinein, lässt den feinen Sprühregen über dich ziehen und die Naturgewalt einfach wirken. Und auf dem Weg vom Wanderparkplatz Aftersteg hinauf passierst du eine mächtige, geschätzt 300 Jahre alte Weidbuche, die wegen ihres Alters selbst als eigenständiges Naturdenkmal gilt.

Jede Jahreszeit ein anderer Wasserfall

Den Todtnauer Wasserfall kannst du dreimal besuchen und dreimal etwas völlig anderes erleben. Im Frühling, wenn am Feldbergmassiv der Schnee schmilzt, führt das Stübenbächle die größte Wassermenge. Das Tosen ist dann ohrenbetäubend, die Gischt reichweitenstark, ein Spektakel für Fotografen, das im trockenen Spätsommer deutlich ruhiger ausfällt. Im Sommer wird die feuchte Waldschlucht zur natürlichen Klimaanlage: dichter Schatten, kühler Sprühnebel, herrliche Abkühlung an Hitzetagen.

Im Winter gefriert die hochspritzende Gischt bei strengem Frost zu bizarren, oft haushohen Eiszapfen. So schön das ist, hier ist Vorsicht Pflicht. Die Pfade und Holzstege werden im Winter nicht geräumt, auf den Treppen herrscht erhebliche Rutsch- und Sturzgefahr, und Spikes oder Steigeisen plus Wanderstöcke sind dringend angeraten. Auch bei Regen werden Wurzeln, Stufen und moosbewachsene Steine am schmalen Steig glatt. Festes, knöchelhohes Schuhwerk mit grobem Profil ist dann keine Empfehlung, sondern Notwendigkeit. Eine leichte Regen- oder Windjacke gehört wegen des feinen Sprühnebels selbst im Hochsommer in den Rucksack.

Für wen sich der Ausflug lohnt

Familien sind hier richtig, sollten aber die Topografie kennen. Der untere Weg vom Kiosk in Aftersteg bis zur Basis des Hauptfalls wurde mit Unterstützung des Naturparks Südschwarzwald barrierefrei ausgebaut: rund 500 Meter breiter, befestigter Naturweg mit höchstens 14 Prozent Steigung, gut machbar für Senioren, Menschen mit leichter Gehbehinderung und Rollstuhlfahrer mit Begleitung. Eine rollstuhlgerechte Toilette gibt es am unteren Kiosk. Die höheren Kaskaden, der enge Wasserfallsteig und die Felsentreppen sind dagegen nicht barrierefrei.

Auch dein Hund darf mit, an der Leine, im gesamten Naturschutzgebiet und sogar auf der Hängebrücke, und das kostenfrei ohne eigenes Ticket. Auf der Brücke muss die Leine extrem kurz bleiben, maximal ein Meter. Bedenke aber: Der durchsichtige Gitterrost lässt viele Hunde über 100 Meter ins Nichts blicken, was selbst trittsichere Tiere in Panik versetzen kann. Auf den Wegen gilt strenge Leinen- und Kotaufnahmepflicht, auch wegen der wieder angesiedelten Gämsen. Wer mag, schließt die exklusive geführte Wasserfalltour an, die mit fachkundigem Wanderführer über die Brücke und hinab zum Wasserfall leitet.

Ausflugsziele in der Nähe

Der Wasserfall lässt sich wunderbar zu einer ganzen Tagestour erweitern. Für Action sorgt die Hasenhorn-Rodelbahn in Todtnau, ein perfekter Kontrast zwischen stiller Natur und rasanter Abfahrt. Direkt in Todtnau liegt zudem der Bikepark Todtnau nur wenige Minuten entfernt. Wer Richtung Feldberg weiterfährt, findet mit der FUNDORENA - Indoor-Hochseilpark, dem Haus der Natur und etwas weiter nördlich dem Steinwasen-Park weitere lohnende Ausflugsziele. Zum Einkehren liegt das Restaurant Schwarzwälder direkt im Startort Aftersteg. Pack feste Schuhe ein, lade die Stirnlampe für die Dämmerung und mach dich auf den Weg, der Todtnauer Wasserfall belohnt jeden Schritt.

Aktueller Hinweis

Aktueller Hinweis (Saison 2026): Ab Montag, 22. Juni 2026, wird der Wasserfallsteig wegen Erneuerungsarbeiten am historischen Wegenetz für voraussichtlich rund zwei Wochen teilgesperrt. Betroffen ist der vom Tal aus rechte Abschnitt, der den Brückenkopf Ost mit dem Hauptfall verbindet; zeitweise kann auch der Felsenweg über die Felsenbrücke wegen Steinschlaggefahr kurzfristig gesperrt sein. Der Wasserfall bleibt zugänglich: Die Zugänge aus Aftersteg, von Todtnau, über Todtnauberg-Hangloch sowie über den Brückenkopf West (Besucherzentrum) sind durchgehend passierbar.

Gut zu wissen

Höhe
97 m Gesamtfall über 5 Stufen, Hauptfall allein 60 m
Status
Naturdenkmal seit 13. Juli 1987, über 500.000 Besucher/Jahr
Eintritt Wasserfall
2,50 € Erwachsene, 1,50 € Kinder (6–14 J.), unter 6 J. frei
Hängebrücke
BLACKFORESTLINE, 450 m lang, 120 m hoch, seit Mai 2023; Kombiticket 12 €
Besuchsdauer
45–60 Min. zum Hauptfall, 1,5–2 Std. für die ganze Runde
Barrierefrei
Unterer Weg ab Aftersteg, ca. 500 m, max. 14 % Steigung, rollstuhlgerechte Toilette
Eignung
Natur & Wandern, Hunde an der Leine erlaubt
Insider-Tipp

Reist du mit Übernachtung in der Region an, lass das Auto stehen: Mit der KONUS-Gästekarte fährst du kostenlos mit Bahn und Bus, etwa der Linie 7215 bis zur Haltestelle Aftersteg-Todtnauer Wasserfall. Das spart dir die Parkplatzsuche an der oft vollen L126 und du steigst direkt am Einstieg aus.

Häufige Fragen

Was kostet der Eintritt zum Todtnauer Wasserfall?
Der reine Wasserfall kostet 2,50 € für Erwachsene und 1,50 € für Kinder von 6 bis 14 Jahren, unter 6 Jahren ist der Zutritt frei. Bezahlt wird bar an automatisierten Kassenhäuschen an allen großen Zugängen. Wer auch die Hängebrücke BLACKFORESTLINE gehen will, zahlt 12 € im Kombiticket (Kinder 9 €).
Lohnt sich der Wasserfall mit Kindern?
Ja. Der breite, ebene Weg vom Parkplatz Aftersteg bis zur Basis des 60-Meter-Hauptfalls ist in 15 bis 20 Minuten gut auch mit kleineren Kindern machbar. Ein eigenes Familienticket gibt es nicht, dafür sind Kinder unter 6 Jahren frei, ab 5 Personen greifen reduzierte Gruppentarife fürs Kombiticket. Auf die Hängebrücke dürfen Kinderwagen nur über den Brückenkopf West am Besucherzentrum und nur bis 60 cm Breite.
Wo kann ich parken?
Der primäre, kostenfreie Parkplatz liegt direkt unterhalb der Kaskaden an der L126 (Haldenweide 2, Todtnau-Aftersteg) und hat sogar Ladesäulen für E-Autos. Wer flacher zur Hängebrücke will, nutzt den Parkplatz Hangloch in der Kurhausstraße. An sehr vollen Tagen dient der kostenpflichtige Parkplatz Radschert (ca. 1,7 km) als Ausweichfläche.
Darf mein Hund mit?
Ja, Hunde sind im gesamten Naturschutzgebiet und auch auf der Hängebrücke erlaubt, kostenfrei und ohne eigenes Ticket. Es gilt durchgehend Leinenpflicht, auf der Brücke maximal ein Meter Leine. Bedenke, dass der durchsichtige Gitterrost-Boden der Brücke vielen Hunden Angst macht, weil sie über 100 Meter in die Tiefe blicken. Nur für souveräne Tiere geeignet.
Kann ich den Wasserfall auch nachts oder im Winter besuchen?
Der Wasserfall selbst ist rund um die Uhr und ganzjährig frei zugänglich, die Hängebrücke dagegen nicht (sie schließt je nach Saison 16:30 bzw. 20:30 Uhr). Eine Wegbeleuchtung gibt es im Naturschutzgebiet nicht, für Touren in der Dämmerung ist eine starke Stirn- oder Taschenlampe Pflicht. Im Winter werden die Stufen und Stege nicht geräumt, dann sind Spikes und Wanderstöcke dringend zu empfehlen.

Übernachten

Und wo schläfst du?

Der Fels donnert unter dir, und ein Ort, an dem du diesen Klang noch am Abend hörst, bleibt lange im Kopf. Unsere Partnerhäuser liegen mitten in der Region.

Transparenz: Hotel Hochfirst und Hotel Sonnenberg gehören zur H24-Gruppe, die SchwarzwaldNavi betreibt.

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